Samstag, 30. April 2011

Das Land der Koenige - Rajasthan

Nach einer schmerzlich langen Fahrt von einer Nacht und fast einem ganzen Tag kommen wir endlich in Udaipur an, der erste Stop in Rajasthan.
Und schon die ersten Eindruecke sind vielversprechend: schmale, aber helle, kurvige Gassen, mal bergauf, mal bergab, fuehren in einem verwirrenden Geflecht durch den alten Teil der Stadt. Wir sehen all dies im Vorbeirauschen bei der halzbrecherischen Fahrt per Autorickshaw zum Hotel. OHne Ruecksicht auf andere Lebewesen, die die Strassen benutzen (oder auch jene hinten auf seiner Rickshaw - uns!) braust der Fahrer wie besessen durch die Gassen - bis die Rickshaw mitten am Berg ploetzlich den Geist aufgibt. (Ein deja vu laesst nicht lange auf sich warten: Ich erinnere mich der etwas besorgniserregenden Situation, in die wir in Mumbai geraten sind. Der Motor des Taxis dort wollte doch schlicht nicht mehr anspringen, und das mitten auf der riesigen Kreuzung auf einer von Mumbais Verkehrsadern. Nach indischer Manier wird aber nicht lang gezappelt, sondern einfach mit viel Gehupe und Geschiebe das Gefaehrt zwischen fahrenden und ihrerseits hupenden Autos an den Fahrbahnrand befoerdert und wir in ein anderes Taxi gesetzt. Problem geloest.)
Da wir uns abr hier nun in einer nur unmassgeblich :) kleineren Stadt befinden, vollzieht sich das ganze Prozedere wenig spektakulaer, und wir lassen es halb resigniert und halb amuesiert ueber uns ergehen. (Wir sind es schon laengst gewohnt, als das Gleiche in Delhi wieder passiert.)

Ein kurzer Blick von der Dachterrasse des Hotelrestaurants reicht, um uns zum Bleiben zu ueberreden. Die weissgetuenchten, palastartig und unglaublich filigran verzierten Havelis - Wohnhaeuser - und der ein oder andere wirkliche Palast spiegeln sich im See, um den sich die Stadt draengt. Leicht zu glauben ist es nun, das Udaipur die wohl romantischste Stadt Indiens sein soll.
Viel Zeit verbringen wir mit langen Spaziergaengen durch die Gassen entlang der weissen Haeuser, die durch die haeufig blaugestrichenen Fenster und Tueren merkwuerdigerweise griechisch anmuten. Die Havelis dagegen, ueberall in der Stadt verstreut, sind eindeutig orientalischer Herkunft und verspruehen einen Hauch von 1001 und einer Nacht. Das Leben auf den Strassen dagegen ist eindeutig und unverfehlbar indisch.
Mal finden wir uns in Gassen wieder, die fast privat anmuten und in denen sich der indische Alltag direkt vor unseren Augen abspielt. Und mal geraten wir an eine andere Seite indischen Alltags: Wenn zu bestimmten Zeiten ploetzlich alle Einwohner Udaipurs auf einmal entlang einer einzigen schmalen Gasse zu ihren unterschiedlichen Zielen gelangen wollen, resultiert das in einem gewaltigen Ereignis aus lautstarkem Hupen und Rufen, und mit ein bisschen Glueck besteht zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmern ein Abstand von zehn Zentimetern. Wir retten uns mal hinter eine Kuh (die wird man schon nicht umfahren), mal auf die Stufen eines Hauseingangs und harren dem Augenblick, indem sich die Massen foertbewegt und wieder ein bisschen Platz fuer unsere Fuesschen da ist - manchmal eine ganze Weile. Ich kann in solchen so typisch indischen Situationen meist nicht anders, als loszulachen, aus Erstaunen ueber die blosse Absurditaet dieser Situationen, die fuer die Inder, Bewohner dieses so hoffnungslos ueberbevoelkerten Landes, Alltag sind.
An dieser Stelle sollte vielleicht Erwaehnung finden, was fuer mich wahrscheinlich an Platz eins der "Kuehe in Indien" Rangliste gehoert.
In ihrer - heiligen - Dekadenz liegt diese schwarzbraune Vertreterin ihrer Rasse mitten auf einer schmalen Fussgaengerbruecke Udaipurs, die die beiden Seiten der Stadt entlang des Sees verbindet, und versperrt auf ganzer Breite den Weg fuer die zahlreichen Passanten und Fahrrad- oder Motorrollerfahrer. In voelliger Seelenruhe kaut sie auf ein paar Halmen herum und blinzelt den hilflosen Menschen stoisch entgegen. Einfach herrlich. (PLatz zwei duerfte uebrigens das graue Exemplar einnehmen, das genuesslich ein paar alte Plastiktueten verzehrt - und das mitten auf einem Gleis auf Delhis Hauptbahnhof, ungeachtet der Zuege und Menschenmassen.)
Nachdem wir nun schon einige Tage in Indien und den Geschmaecken des indischen Essens inzwischen ganz und gar verfallen sind, entschliessen wir uns, einen KOchkurs zu machen - man will ja wissen, wie man diese Genuesslichkeiten selbst machen kann. (Ja ich weiss, jeder der mich kennt wird mit dem KOpf schuetteln und behaupten, ich werde doch nie auch nur eines der Rezepte tatsaechlich ausprobieren. Ich fuerchte, ihr kennt mich einfach zu gut...) Shashi, die KOechin und Lehrerin, ist eine grossartig resolute und dabei liebenswuerdige Frau. Zu Anfang erzaehlt sie uns ihre Geschichte. Als ihr Mann vor einigen Jahren starb, war sie als Mitglied der obersten Kaste, eine Brahmin, vor eine verzweifelte Wahl gestellt: Entweder, sie wuerde mit kleinen JObs, so zum Beispiel Putzen und Waschen, Geld verdienen und damit gegen die Regeln ihrer Kaste verstossen, nach denen diese niederen Arbeiten fuer die Brahmin verboten sind, oder aber verhungern. Natuerlich tat sie ersteres, immer unter der Hand, immer mit der Angst, entdeckt zu werden. Bis irgendwann ein paar Touristen, die sie zufaellkig getroffen und bekocht hatte, ihr vorschlugen, eine Kochschule aufzumachen. Seitdem kann sie sich vor willigen Kochschuelern kaum halten und freut sich auf die Zeit im Jahr, in der die meisten Touristen wegen der Hitze wegbleiben. Dann hat sie Zeit zum Relaxen, wie sie sagt.
Der Kochkurs selbst ist eine schier endlose Aneinanderreihung von Probieren, Gewuerzen riechen, Brotteig kneten, formen und backen - und vor allem macht es Spass. Nachdem wir zum Schluss all die gezauberten Koestlichkeiten gegessen haben, kann ich mich kaum noch bewegen.
Uebrigens wurde James BOnds Octopussy zu einem sehr kleinen Teil in Udaipur gedreht - der Seepalast dient als Hotel fuer 007 - aber ich finde die Aufnahmen enttaeuschend. Trotzdem, wer will, kann ja mal nachschauen...

Weiter gehts per Nachtbus nach Jodhpur. Ein "Spaziergang" (im Mangel eines passenderen Begriffes muss ich wohl Spaziergang sagen, aber das Laufen in einer groesseren indischen Stadt hat mit dem friedvollen Wandeln zur Entspannung, das das Wort Spaziergang hervorruft, nun wirklich nichts zu tun - viel eher handelt es sich um eine Achterbahnfahrt aus Sinneseindruecken, mit dem allgegenwaertigen Verkehr, der dem unbedarften und an Verkehrsregeln gewohnten Europaer einiges an Konzentration abverlangen kann, um unbescholten davonzukommen, den bunten Basaren, voll von reichverzierten Stoffen, Gewuerzen, Haushaltswaren und so weiter, den Scharen von Menschen, die schon an sich ein Blickfang sind, der Hitze, dem Dreck und Staub und Unmengen an anderen Faktoren.) Ein Spaziergang also, den wir durch die Strassen Jodhpurs auf dem Weg zu dem riesigen Fort machen, laesst mich tief Eintauchen in diesen so vollends faszinierenden Wahnsinn und fuer ein paar Stunden befinde ich mich in einem merkwuerdigen Zustand voelliger Zufriedenheit und innerer Ruhe, waehrend ich das Geschehen um mich herum betrachte - ich fuehle mich so lebendig,euphorisch; das allumfassende und sich so lautstark und farbenfroh manifestierende Leben um mich herum steckt mich an. Selten habe ich mich so wohl gefuehlt, so als sei ich genau am richtigen PLatz. UNd trotz seiner Haveli-gesaeumten Gassen und dem imposanten Fort, das den noch imposanteren Blick auf die allesamt blau gestrichenen Haeuser einzelner Teile Jodhpurs ermoeglicht, ist Jodhpur nun wirklich nicht eine der schoensten Staedte; Teile davon sind sogar unglaublich dreckig und staubig, und manchmal faellt es schwer, in der stickigen, Abgasverseuchten Luft zu atmen.
Genau dieser negative, unschoene Teil ist ploetzlich alles, was mir auffaellt, als wir nach einem langen Tag und wenig Schlaf im BUs unseren Weg zurueck zum Hotel antreten. Auf einmal kostet mich der Verkehr, die Lautstaerke, die Fuelle der Reize, all das, was mich noch vor ein paar Stunden in ein ungeahntes Hoch versetzt hat, unglaublich viel Kraft, und als wir im Hotel ankommen, bin ich heilfroh um die (relative) Ruhe. Auch das ist Indien: Ein kraefteraubendes Konglomerat aus all dem, was es gleichzeitig so spannend und faszinierend macht, wie kein anderes Land. Ein Extrem. Ich habe mich mit einigen Reisenden unterhalten, und wir waren uns einig. Man kann es abgrundtief hassen oder heiss und innig lieben,und manchmal beides kurz hintereinander, aber was bleibt ist die Feststellung: Nichts ist wie Indien. Eins ist es auf jeden Fall - Einzigartig.
Nebenbei bemerkt (fuer diejenigen, die sich nach diesen Beschreibungen immer noch unsicher ueber meine Meinung sind) gehoere ich zu denjenigen, die es lieben. NIcht uneingeschraenkt natuerlich, aber mit einer Faszination, die ich fuer kaum ein anderes Land hege.

Sonntag, 24. April 2011

Der Riese Mumbai

Wir landen in Mumbai - mitten in der Nacht. Der naechste Morgen ist erfuellt von unzaehligen neuen Eindruecken, den ersten in Indien: Der Verkehr, noch verrueckter als in Bangkok; Slums am Strassenrand; am bedeutendsten, die Leute - die Freuen in ihren wunderschoenen Saris und Salwar Kameez (HOse, lange Bluse und Schal), die unsere Augen immer wieder an sie binden; wir werden angestarrt, haeufig interessiert, mal skeptisch, mal luestern, mal schuechtern-verstohlen - wir sind froh um unsere Sonnenbrillen, die ein bisschen Schutz bieten.
UNd dann der Bahnhof. Mumbai hat ueber 20 Millionen Einwohner, die schiere Zahl normalerweise voellig unvorstellbar. Am Bahnhof wir das ein bisschen leichter, wenn man sich durch das geschaeftige, unaufhoerliche Gewusel schlaengelt, das jeden Meter einzunehmen scheint.
Als der innerstaedtische Zug einfaehrt, gibt er ein sehr eindrueckliches Bild ab: Weit aus den Tueren gelehnt gucken die Leute dem Bahnhof entgegen, halten sich nur an einer Stange fest. Wir kaempfen uns zum Ladies only Abteil durch - eine Erfindung, um die wir sehr dankbar sind. Und nicht zuletzt ist das Frauenabteil einer der buntesten Orte, den es wohl gibt und ein perfekter PLatz, um auch unsererseits ein paar mehr oder weniger verstohlene Blicke in den Alltag der Inderinnen zu bekommen.
Beeindruckend ist auch die Zahl der unterschiedlichen Religionen, die hier praesent sind: Von Hindus zu Sikhs, Jains, Buddhisten und Muslimen bis hin zu Christen ist alles vertreten.
Mumbai an sich ist eine erstaunliche und verwirrende Mischung aus Indien und britischen Einfluessen. Die vielen auesserst imposanten gothischen Gebaeude - von der Universitaet bis hin zum Gerichtshof - wuerde man als Laie (der ich nunmal bin) in der Tat direkt nach London setzen, und es wirkte voellig normal. Dazwischen die winzigen Staende mit verfuehrerisch durftendem indischen Snacks, Basars, ein Park, in dem selbstverstaendlich Kricket gespielt wird und die ein oder andere Kirche. Ausserdem ein kleiner Strand, fast mitten in der Stadt, der den Blick auf eine in Smog gehuellte Skyline freigibt.
Am naechsten Tag verschicken wir mal wieder ein Paeckchen, aber anstatt es in einen Pappkarton zu stecken, wird es fest in Leinen eingenaeht - auch eine Methode.
Dann steht unsere erste indische Zugfahrt an. Wir buchen Sleeper Class, die billigste, und sind gespannt und auch ein bisschen nervoes. Es gibt acht Betten pro jedem offenen Abteil, links entlang der Zugwand zwei uebereinander, rechts quer in den Raum ragend zwei Reihen zu je drei Betten uebereinander. Gegen alle Erwartungen verbringen wir eine durchaus entspannte und erholsame Nacht auf unseren Pritschen, es laesst sich wirklich gut schlafen, wir werden weder ausgeraubt, noch bedroht, noch vergewaltigt. UNd das gleiche gilt fuer jede andere Busfahrt, die wir/ich seitdem gemacht haben. Es ist eine erstaunlich angenehme Art, die langen Strecken zurueckzulegen, ohne ganze Tage zu verlieren.

Samstag, 16. April 2011

Das beste kommt zum Schluss... Indien

Indien zu erklaeren ist nicht leicht. Indien ist alles zugleich - und im Extrem: Ein staendiger, allumfassender Ansturm auf die Sinne, von wunderschoen bis vor Dreck starrend, von ohrenbetaeubend laut bis sinnlich leise. Es gibt nichts, was so sehr stinkt, wie indische Bahnhofstoiletten, aber auch kaum koestlicheres als den Duft nach indischem Essen, nach Chai, Gewuerzen und dem so typischen Geruch nach Nichts ist so bunt und voller Leben wie die Strassen Indiens - schoene Frauen in kunterbunten Saris neben Maennern mit Turbanen in ebenso farbenfrohen Stoffen, dazwischen Auto-Rickshaws, Motorraeder, Fahrraeder, die obligatorischen Kuehe, Ziegen, Esel, Pferde und Kamele, und wenn es sein muss alles auf einer kleinen Strasse nicht breiter als zwei Meter. Wie haeufig sind wir schon aus dem Weg gesprungen oder haben uns an eine Hauswand gequetscht, aus Angst um unsere Fuesse (und den Rest).

Die schiere Zahl der Inder uebersteigt die Vorstellungskraft, und trotzdem hat man manchmal das Gefuehl, man sei von allen auf einmal umgeben, zum Beispiel wenn man sich eine vollgestopfte Bahnhofstreppe emporschiebt. Es ist chaotisch, laut, wild - und auf eine Weise faszinierend und spannend wie nichts anderes.
Francesca hat mal ueber Agra gesagt: "Es ist zwar ein Drecksloch, aber ich kann nicht anders als es trotzdem zu moegen". Und sie hat recht, selbst die haesslichen der Staedte verspruehen diesen Reiz, diesen Kitzel, der sie trotz allem spannend macht.
Nichts kann mich in ein Hoch von Adrenalin und Endorphinen versetzen wie ein Spaziergand durch eine indische Stadt - und zugleich ist nichts (nach einer Weile) so ermuedend und kraefteraubend.

Dies erstmal als kurze Impression des wundervollen indischen Wahnsinns. Das naechste Mal wirds dann etwas konkreter..

Dienstag, 5. April 2011

Bangkok - Episode 1-3

1
In Bangkok angekommen, sind wir beeindruckt vom Chaos, der Fuelle an Leben, der schlechten Luft und den schoenen Tempeln. Spannend, aber auch anstrengend, das ist Bangkok fuer uns in diesen ersten paar Tagen.

2
Nach einer ausgiebeig fualenzerischen Zeit auf den Inseln Thailands finden wir uns auf einem Zwischenstopp vor Kambodscha wieder in Bangkok ein. Diesmal benutzen wir nicht den Bus, sondern entgehen den verstopften Strassen, indem wir uns vom Wassertaxi auf den Kanaelen der Stadt von einem ans andere Ende bringen lassen. Nicht umsonst, stellen wir fest, wird Bangkok mitunter "Venedig des Ostens" genannt, denn es ist vernetzt von einer Vielzahl grosser und kleiner Kanaele, die die Stadt noch immer auf eine ganz andere Art und Weise zugaenglich machen. Ein unbeabsichtigter langer Spaziergang auf schmalen Wegen entlang des Kanals wird zu einem meiner Lieblings-Bangkok Erlebnisse. Auf der Suche nach einer Wassertaxi Haltestelle schlendern wir dicht an den Haeusern entlang, die direkt am Kanal gebaut sind. Hier hat das Leben einen etwas anderen Rhythmus, oder zumindest eine andere Lautstaerke; von dem Strasenlaerm, der sonst alles dominiert, hoert man hier nichts, dafuer gibt es kleine verschachtelte Haeuser und Sackgassen, Wein- oder Efeu-aehnliche Gewaechse, die die Gaenge ueberwuchern und die ganz alltaeglichen Gewohnheiten des Lebens, die man hier, so nah an den Haeusern, hautnah mitkriegt. Immer wieder wird das leise, ruhige Plaetschern des Wassers zu Wellen, wenn eines der Wassertaxis vorbeifaehrt - und das alles andere als langsam. Wie wir in Kuerze herausfinden, muessen wir das romantische Schippern in unserer (allgemeinen Bootsfahr-)Vorstellung durch fast Speedbootaehnliche Geschwindigkeiten und eine fuer Bangkok so typische kaltschnaeuzige und agnstfreie (euphemistisch) schwungvolle Fahrweise ersetzen. Wir springen auf das Boot, was kaum lang genug haelt um uns ein kurzes Zoegern einzuraeumen, und los geht die wilde Fahrt.
Eine ganz andere, wirklich interessante und schoene Seite Bangkoks.

3
In den Tagen vor unserem Abflug nach Mumbai entdecken wir Bangkok noch einmal ganz neu. Waehrend wir millterweile schon unseren Lieblingsnudelsuppenstand gefunden haben und uns in den kleinen Strassen "unseres" ;) Viertels mit seinen schoenen Cafes, einfachen Garkuechen und so asiatischem Feel schon fast heimisch fuehlen (so laecherlich es klingt, aber nach Bangkok zurueckkommen war immer ein bisschen wie nach Hause kommen), eroeffnet sich uns jetzt erstmalig auch das andere Bangkok voellig: Riesige Malls, die an Luxus wie Groesse und Angebot alles, was ich in den USA je gesehen habe, bei weitem uebertreffen, reihen sich ein paar Kilometer weiter oestlich aneinander. Hier tummeln sich Bangkoks Reiche und Schoene, kaufen bei Gucci und Cartier, gehen in ein Kino so modern, das es alles entsprechende in der westlichen Welt in den Schatten stellt und schlendern unter den Highways und Zugschienen, die hoch in der Luft ein kompliziertes Netz neuartiger Transportmoeglichkeiten ergeben.
Das ist das futuristische Asien, von dem man wohl schonmal gehoert hat. Aber: Spielten wir das Spiel "Ich-zeige-dir-ein-Photo-und-du-reatst-wo-es-gemacht-wurde" wuerden die allermeisten wohl himmelweit daneben liegen.
Obwohl die Luft zugegebenermassen diesmal sehr atembar ist, goennen wir uns eine Pause von der Hitze und betreten (fast demuetig) nach Eeeeewigkeiten mal wieder eine Zarafiliale (zwischen Armani und Burberry gelegen), nur um uns erst einmal zehn Minuten lang mit einer voellig ungewohnten Shopping-Unsicherheit skeptisch umzusehen. Kaum zu glauben, aber wir brauchen wirklichj unsere Zeit, uns daran zu entsinnen, wie man waehlt, unsicher, was wir eigentlich schoen finden. Es hat wirklich etwas Fremdartiges. UNd auch nachdem wir unsere kleinen anfaenglichen Schwioerigkeiten ueberwunden und in der Umkleide zahllose Stuecke anprobieren (und nur anprobieren!), gucken wir uns Gegenseitig immer mal wieder ein wenig irritiert an - Sichj selbst und den anderen nach so vielen Monaten mal wieder in Jeans oder gar Roehre, vielleicht kombiniert mit einer schoenen Bluse, zu sehen, ist ein wirklich sonderbares Gefuehl. Etwas anschaulicher in etwa: "Ist das da der gleiche Mensch, den ich nur noch in Pluderhose, beliebigen unisex Tshirt und Zopf kenne, der da grade so modisch aussieht?"

Zurueck in Thailand

Mal wieder ueberqueren wir eine Grenze, die nach Thailand diesmal. Sofort wird uns - zum ersten Mal - bewusst, wie gross der Unterschied zwischen den Nachbarlaendern wirklich ist. Nach den winzigen und seltsam laendlichen Staedten Laos' ist schon die kleine Grenzstadt auf der anderen Seite des 20 Meter breiten Flusses eine andere Welt, mit mehr touristischer Infrastruktur, mehr Industrie, mehr Angebot - schlicht mehr Geld. Jetzt erst wird deutlich, wi esehr sich das Land durch den Tourismus wohl schon veraendert hat.
Ein paar Kilometer weiter in Chiang Rai besuchen wir das halbfertige und ausgesprichen ambitionierte Werk eines wohl groessenwahnsinnigen Kuenstlers, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, einen Tempel im Format des Taj Mahals oder Angkor Wats zu bauen. Das Ergebnis ist ein wahrhaftig erstaunliches, schockierend kitschiges weisses Meisterwerk, das mit seinen Millionen und Abermilliionen kleinen Mosaikspiegeln und Verzierungen in der Sonne nur so glitzert, dass man sich unmittelbar in die maerchenhaften Gefilde eines Disneyfilmes hineinversetzt fuehlt.
Das Innere ist sogar noch bemerkenswerter: Der Erbauer ist nicht nur aesthetisch und architektonisch taetig, sondern hinterlaesst auch eindeutige politische Nachrichten auf der inneren Wand des Tempels. Ein Daemon mit dem Abbild BUshs im einen und dem Bin Ladens im anderen Auge speit Waffen aus seinem Maul, indem die Twin Towers in Fl;ammen stehen, Spiederman heruaskrabbelt, ein Avatar durch die Luefte fliegt und so manch andere Figur aus den Medien. Immer wieder wird etwas hinzugefuegt - brand aktuell. Ein Tempel etwas anderer Art, und der Buddha auf der gegenuebrliegenden Seite strahlt in diesem Kontrast erst Recht die gewuenschte Ruhe aus.
Ein Stueck weiter suedlich in Chiang Mai koennen wir den Reizen des riesigen Nachtmarktes unmoeglich (unmoeglich, wirklich!) wiederstehen und fuegen unseren Rucksaecken das ein oder andere Kilo hinzu, waehrend die Geldbeutel an Gewicht verlieren...
Nach ein paar Tagen ohne viel zu tun oder zu sehen und zudem ein bisschen Suedostasien ubersaettigt, machen wir uns schon fruehzeitig wiedr auf den Weg nach Bangkok.

Dienstag, 22. März 2011

Laos

Nur fuenf Minuten, und schon sind wir ueber der Grenze: in Laos. Wie in Kambodscha gibt es auch hier meine geliebten Stelzenhaeuser, die Landschaft ist flach und trocken.
UNser erstes Ziel sind die sogenannten Four Thousand Islands, eine Gruppe von kleinen, gruenen Inseln im langsam dahinfliessenden tuerkisblauen Mekong - schoen. In Bungalows, die sich wortwoertlich uber das Wasser beugen verbringen wir ein paar seeeehhhr entspannte Tage. Mit dem Fahrrad kann man die Insel in einer Stunde umrunden, danach bleibt viel Zeit fuer Lesen oder aber "Tubing": man raekelt sich im Bikini in einem grossen Schwimmring und laesst sich faulenzerisch zwischen den kleinen Inseln hin- und hertreiben.
Danach geht es weiter, fuer Francesca nach Vientiane (Hauptstadt). Ich dagegen mache noch einen kleinen Zwischenstopp auf dem Weg. Um halb fuenf Uhr morgens wanke ich schlaftrunken aus dem Nachtbus. Bis es hell wird, warte ich in der LKobby eines Hotels, und nehme um 6:00am den Bus zu meinem Ziel. Natuerlich ist Bus zuviel gesagt. Eigentlich heisst das gaze Sawng Thaew und besteht aus einem konvertierten Pickup aehnlichen Fahrzeug, das auf der ueberdahten, aber ringsum offenen Ladeflaeche zwei Baenke hat, die sich, je nach Uhrzeit und Ort, bis zu 20 Erwachsene (zuzueglich etlicher Kinder) mit dutzenden von Reissaecken und Koerben frischen Gemueses teilen. Die Stadt ist klein und nicht touristisch; ich bin also die Einzige nicht-asiatische Person an Bord und werde dementsprechend mal mit Interesse, mal mit Misstrauen beaeugt. Ein junger Mann, der neben mir sitzt, versucht sein englisch an mir, aber es kommt kaum eine vernuenftige Kommunikation zustande - zumindest nicth verbal. Wenn beide Seiten mal wieder keine Ahnung haben, von was sein Gegenueber denn wohl sprechen mag, muessen wir beide lachen, und auch unsere aelteren Mitreisenden, die das Ganze amuesiert mit anhoeren, koennen sich ein Lachen oder zumindest ein Grinsen nicht verkneifen und strahlen uns an.
Nicht mehr an Kaelte oder auch nur den Gedanken daran gewoehnt, habe ich natuerlich nichts als meinen Sarong dabei, und die fruehmorgendliche Luft ist kalt. Mitleideige Blicke erreichen mich als ich mich so gut wie moeglich einzumummeln versuche. Eine alte Frau sitzt mir gegenueber und sagt immer mal wieder "Nao" oder "Nao lai". Erst viel spaeter verstehe ich, dass das wohl kalt bzw. sehr kalt heissen sollte.
Auf der dreistuendigen Fahrt halten wir immer wieder an, um Leute auszusetzen - natuerlich direkt vor ihrer Haustuer - oder neue mitzunehmen. Dann wird von den Verkaeufern am Strassenrand, die sofort herbeigeeilt kommen, Essen gekauft. Mal Sticky Rice, mal Fleischspiesse. Sehr beliebt sind auch gekochte Eier. Nichts Ungewoehnliches, denkt sich jetzt der Westler. Was dieser aber bis jetzt noch nicht weiss: Diese Eier sind schon angebruetet. An einem Ende fehlt ein rundes Stueckchen Schale, durch das das Ei befruchtet worden ist. Das Eiweiss ist gelblich-braun, mit seltsamen Schlieren durchzogen, und das Eidotter verformt und ebenso verfaerbt, mit merkwuerdigen Strukturen darin (das zukuenftige Kueken!!). Ich wende meinen Blick lieber der Landschaft zu, denn obwohl ich nicht sensibel bin, kommt mir bei dieser Speise nicht selten ein gewisser Wuergreiz.
Trotzdem habe ich Hunger, es ist mittlerweile halb neun und ich hab noch nichts gefruehstueckt. Die alte Frau mir gegenueber scheint das zu merken. Beim naechsten Stop kauft sie grosse Maiskolben; einen davon schenkt sie mir, und so sitzen wir da und essen einvernehmlich unsere Maiskolben - eine sehr einpraegsame Erfahrung, die ganze Fahrt.
Und dabei habe ich noch gar nicht von der Landschaft erzaehlt. Jetzt, ein ganzes Stueck weiter noerdlich, hat sich die Landschaft von flach in bergig verwandelt. Wir schlengeln uns um die engen Kurven, die auf tiefe Taeler zwischen den dramatisch aufragenden Kalkfelsen mit ihren scharfen Spitzen und Falten sehen. Dazwsichen immer wieder dichter, fast tropsicher Urwald (ich fuehle mich an Costa Rica erinnert).
Endlich angekommen, mache ich mich nach ein bisschen Verschnaufspause zusammen mit ein par anderen Reisenden auf den Weg zu meinem eigentlichen Ziel: Eine 7,5km lange Hoehle, bsi zu 100m hoch, durch die ein kleiner Fluss fuehrt.
Den Eingang bildet ein gruenblauer See; mit Taschenlampen ausgruestet, begeben wir uns in das winzige, flache Boot und fahren rein in die Hoehle. Schon nach ein paar Metern ist von der Oeffnung nichts mehr zu sehen, und das einzige Licht kommt von unseren Taschenlampen, die die hohen, saalaehnlichen Raeume der Hoehle beleuchten. Ein bisschen wie Moria in der Herr der Ringe. (Immer diese Herr der Ringe Analogien... Ist es verwerflich, dass ich die Welt staendig mit ein bisschen guter Fiktion vergleiche?) Wie auch immer, es ist erstaunlich, unheimlich, schoen und beklemmend zugleich. Manchmal wirkt es aufgrund der Speiegelung der Felswaende im Spiegelglatten Wasser so, als schwebten wir durch eine symmetrische Welt, in der es genauso in die Tiefe wie in die Hoehe geht.
Der Ausgang der Hoehle fuehrt in einen kleinen Fluss umgeben von Urwald und Gestruepp. Am Rand geniessen die Bullen das kalte Nass aus der Hoehle, manchmal sieht man kaum mehr als ihre Koepfe, die aus dem Wasser lugen.

Am naechsten Tag mache ich mich auf nach Vientiane, mit 300 000(!!) Einwohnern die groesste Stadt in Laos. Es ist nett hier, viele Alleen, ein im Gegensatz zu kambodschanischen Verhaeltnisen ausgesproechen geordnetes Verkehrssystem und suessen kleinen franzoesischen Cafes. Genau wie der Lonely PLanet sagt: Eindeutig die entspannteste Hauptstadt Suedostasiens. Das Tempo der Laoten ist auch hier noch zweimal langsamer als ueberall sonst. Auf sein Essen kann man schon mal laenger warten, und man wird das Gefuehl nicht los, dass es sie nicht mal kuemmern wuerde, wenn man ginge ohne zu zahlen - wirklich erstaunlich.
Allerdings gibt es so gut wie nichts zu tun. Nachmittags versuchen wir uns in der Kunst der Meditation. Zwei Stunden sitzen bwz. gehen wir umher und versuchen, Geist und Koerper ruhig und konzentriert werden zu lassen. Es sit nicht einfach, und vor allem anfangs kreisen die Gedanken wie wild umher. Aber es fuehlt sich gyut an, sich ganz darauf einzulassen, einfach das Atmen zu verfolgen und an nichts mehr zu denken. (Bis zum Nirvana bedarf es aber dann doch noch ein wenig der Uebung ;)

Wieder mal sind wir unterwegs, wiedermal im Bus. Diesmal gehts nach Vang Vieng, einer kleinen Stadt nioch weiter noerdlich. UNd die Landschaft ist wieder einmal wunderschoen. Die Berge, mal gruen, mal braun und ausgedoerrt von Hitze und Trockenheit, werden unterbrochen von gruenen Taelern mit Reisfeldern, Fluessen und Doerfern. (Meine Beschreibungen scheinen uebrigens vellig unangemessen..). Vang Vieng liegt eingerahmt von vernebelten Bergen und ist perfekt zum Nichtstun und Spazieren.
Die Strecke nach Luang Prabang ist noch einmal mehr Grund des Staunens. Die Berge zwischen den Wolken stehlen mir tatsaehclich immer wieder den Atem, wenn wir um eine Kurve fahren und sich uns ein neues Tal und ein neues atemberaubendes Panorama eroeffnen. Vielleicht wird deutlich, wie schoen diese Landschaft ist, wenn ich euch sage, dass ich die gesamten neun Stunden Busfahrt ununterbrochen damit beschaeftigt war, mit dem Gesicht ans Fenster gedrueckt die vorbeigleitende Landschaft zu bestaunen. NOrdlaos ist zweifelsohne einer der landschaftliche schoensten Orte, den ich je gesehen habe.

Es trifft sich gut, dass auch das Ziel dieser Busfahrt vor Reizen nur so sprueht. Wenn schon die anderen Staedte einen franzoesischen Flair hatten, so wird mir jetzt klar, dass es sich wirklich nur um einen Hauch handelte. Luang Prabang schreit geradezu nach einer alten franzoesischen Kleinstadt vor ein paar Jahrzehnten, gepaart mit den Reizen des Mekongs, ungewoehnlich schoenen Tempeln und der unbeschreiblichen Vegetation Laos. Es tut mir Leid, aber ich komme wohl nicht umhin, diesen Blogeintrag um noch einen Superlativ zu erweitern, aber Luang Prabang ist beiweitem die schoenste Stadt in Suedostasien, die ich bisher gesehen habe. (Ich bin fast geneigt, zu behaupten, man koenne den letzten Relativsatz auch streichen, aber ich will ja nicht voreilig sein.)

In Muang Sing, wo ich ein paar Tage verbringe, um dem Wald und meiner so (offensichtlich) geliebten Landschaft uebr einen Trek ein wenig naeher zu kommen, mache ich mit einem zufellig kennengelernten Griechen einen kleinen Fahrradausflug zur nur 10km entfernten chinesischen Grenze, halte mir ihm ein kleines Schwaetzchen im Niemandsland neben dem Pfoertnerhaeuschen und fahre auf dem Rueckweg durch einige Doerfer der Bergvoelker, die hier sehr weit verbreitet sind. Vereinzelt geschmueckt durch traditionellen Schmuck und KLeidung, leben diese Leute noch ein weitestgehend unverwestlichtes Leben. Wenn man durch diese Doerfer spaziert, hat man das Gefuehl, die Zeit waere kurz stehengeblieben. Am Wegesrand kaufen wir von ein paar Maedchen eine frisch geerntete Wassermelone, die wir kurzerhand aufschneiden und sofort essen, waehrend wir lachend mit den Maedchen verhandeln, die gewitzt versuchen, uns noch weiter zu verkaufen. Sie wollen sie loswerden, um sie nicht mehr bis ins Dorf tragen zu muessen - verstaendlich, denn diese Koerbe sind wahnsinnig schwer und der Weg bergig. Auf dem Rueckweg begegnen uns Stroeme von Dorfbewohnern, die von der Arbeit uaf den Feldern wiederkommen, sie wirken muede und erschoepft, aber unterhalten sich angeregt.
Wie gesagt, es ist ein Leben, wie ich es mir kaum vorstellen kann...

Enttaeuschenderweise wird der Trek wegen zu viel Schlamm auf den Wegen abgesagt. Also geselle ich mich wieder zu FRancesca und wir machen uns auf zuerueck nach Thailand.

Samstag, 12. März 2011

Weltwunder , Wasserwelten und Waisen

Siem Reap ist eine erstaunlich gute Mischung aus alten franzoesischen Kolonialbauten und dem so typischen charmanten Asia-Chaos: Zwischen den langsam zerfallenden Villen, entlang der meist von grossen Baeumen gesaeumten Alleen, verkehren hunderte von Fahrraedern, Motorrollern, gelegentlich ein Auto, augenscheinlich voellig unter MIssachtung jeglicher Verkehrsregeln, es gibt Staende mit Essen und der Markt wimmelt nur so von Leben: Frauen sitzen auf dem Gang auf dem Boden und verkaufen den Fisch, den sie gerade ausgenommen haben und unterhalten sich angeregt.
Als wir kurz Pause machen in dem schoenen Royal Park, auf dessen Wiesen man leider nicht liegen darf, treffen wir zufaellig auf Weha. Der Kambodschaner, selbst Waise, leitet ein Waisenhaus in einem kleinen Dorf etwa eine Stunde von Siem Reap. Er zeigt uns Photos und erzaehlt, dass man sich das Projekt gern auch mal angucken kann, weill immer Voluntarier gesucht werden, die ein bisschen Englisch unterrichten. Spontan entschieden wir, am uebernaechsten Tag fuer ein paar Tage dorthin zu fahren, unter anderem, um das kambodschanische Leben auf dem Land ein bisschen kennenzulernen.
Aber am naechsten Tag ist es erstmal Zeit fuer ein bisschen Kultur, auf dem Plan steht Angkor Wat (mal das achte, mal das siebte Weltwunder genannt, wer weiss...). Wir mieten uns Fahrraeder, oder vielmehr Drahtesel, und radeln (ja, radeln ist genau das richtige Wort) dem Sonnenaufgang entgegen - man tut so einiges um den Touristenmassen zu entgehen, diese schlimmen Touristen immer aehhmm ;) - und erreichen bald die alten Tempel. Wir sind beeindruckt; von der schieren Groesse, die man zuerst gar nicht wahrnimmt, weil alles so konstruiert ist, dass es von weitem fast zweidimensional wirkt; von den Bildern, die in den Stein gemeisselt sind, es gibt Taenzerinnen, Kriegszenen und Bilder aus dem damaligen Alltag, und vieles sieht aus, als sei es tatsaechlich erst gestern entstanden, so gut erhalten ist es; von den Tuermen, die bis ins letzte Detail mit filigranen Ornamenten verziert sind; von den riesigen Gesichtern, die aus grossen Rechteckigen Felsen zusammengesetzt sind und laechelnd aus unterschiedlichen Richtungen auf den Betrachter blicken. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel Arbeit und wie lang die Errichtung der dutzenden Tempel gebraucht haben muss.
Wir verbringen den Tag damit, von Tempel zu Tempel zu radeln, immer wieder aufs Neue beeindruckt. Manche von ihnen hat sich der Urwald zum Teil wieder zurueckeroebert. Riesige Baeume schlingen ihre starken Wurzeln um Tore und Mauern der Tempel, zerstoeren, was nicht geschuetzt wird. Und anders als gedacht, sind wenige Touristen unterwegs, und so haben wir manche Tempel fast fuer uns (man stelle sich einen beliebigen Tag bei etwa vergleichbaren europaeischen Bauwerken vor...).
Bei einer Pause und ein bisschen was zu essen werden wir das erste Mal mit bettelnden Kindern konfrontiert. Sie verkaufen (wertlose) Armbaender und erklaeren in perfektem Alltagsenglisch (Wher' you from?), worum es geht. Es ist nicht leicht, damit umzugehen. Einerseits will man nicht unterstuetzen, dass sie ihre Tage damit verbringen, anstatt zur Schule zu gehen. Aber wenn sie dich mit ihren grossen Augen angucken und sagen, sie haetten nicht genug Geld um zur Schule zu gehen, kann man kaum noch nein sagen, was sie natuerlich merken und nur noch eindringlicher werden.... Wir sind mittlerweile um einige Armbaender reicher und einige Dollars aermer, ein paar mal kaufen wir ihnen eine Portion gebratenen Reis und sie stuerzen sich mit Feuereifer darauf und schlingen es hinunter.

Am naechsten Tag werden wir von Weha, dem Leiter des Waisenhauses, und einem kambodschanischen Studenten, der dort auch unterrichtet abgeholt, sitzen bei ihnen hinten auf dem Motorroller und fahren aus der Stadt raus. Bald biegen wir von der Strasse auf einen Feldweg ab und folgen ihm entlang der vielen Doerfer. Nur etwa eine Stunde weg von der Stadt, haben wir doch das Gefuehl, in einer anderen Welt gelandet zu sein. Die Haeuser erstrecken sich in langen Reihen entlnag des Weges. Hier lebt man ausschliesslich von Landwirtschaft, es wird natuerlich vor allem Reis angebaut. Die Haeuser , in die ich mich unsterblich verliebt habe (ich habe schon die ein oder andere Busfahrt damit verbracht, meine ganz persoenliche Version eines solchen Hauses imaginaer zu erstellen), sind auf Stelzen gebaut. Das Leben spielt sich groesstenteils im schattenspendenden Bereich unter den Stelzen ab, es gibt Haengematten und kleine Plattformen, auf denen gegessen wird. Tatsaechlich ist es im Fall der Familie, die uns fuer ein paar Tage aufnimmt, sogar so, dass sie, trotz des verhaeltnismaessig grossen Innenraumes, kaum je einen Fuss nach drinnen setzen, es wird sogar draussen geschlafen, und das Bett im Haus bleibt leer.
Wir schlafen in einem kleinen Einzelbett in der ersten Etage und sind auch die einzigen, die dort ein bisschen Zeit verbringen.
Es gibt sogar ein Badezimmer: Aus einem grossen Tonkrug wird mit kleinen Toepfen Wasser geschoepft, das aus dem Brunnen draussen ueber einen Schlauch dort reingepumpt wird. Natuerlich gibt es (allerdings wie ueberall sonst in Asien) kein Klopapier, es wird sich mit Wasser und Haenden gewaschen, nachdem man ueber dem kleinen Loch sein Geschaeft verrcihtet hat.
Ein solches Bad an sich existiert aber nur in den wenigsten Haeusern, meistens waescht man sich draussen, wo einer dieser riesigen Tonkruege neben dem Brunnen steht (also behaelt man zu allen Zeiten zumindest einen Sarong an, auch beim "duschen").
Elektrizitaet gibt es nicht, es ist wirklich erstaunlich, wie sehr man daran gewohnt ist, dass man zu allen Zeiten alles machen kann - lesen, auf Toilette gehen etc. - alles dies, was ohen Licht schwierig oder unmoeglich ist.
Nachdem wir angekommen sind, machen wir einen kleinen Spaziergang mit ein paar der Kinder durch das Dorf, zwischen Palmen, Heuhaufen und Kuehen und Schweinen, die direkt neben den Haeusern umherlaufen oder angeleint sind, werden wir bei jedem Haus freudig, mal schuechtern, mal lauthals, auf englisch begruesst. Von allen Seiten schallt es vor allem von den Kindern "Hello, what's your name?" und dann, bei Rueckfrage von uns, ganz korrekt und nach Lehrbuch "My name is..." oder "I am fine." Ohne FRage sind sie mehr als enthusiastisch, ihr Englisch zu benutzen und freuen sich daruber, dass wir da sind. Und auch die Aelteren zeigen uns mit herzlichem Laecheln, dass wir willkommen sind. Ich glaube, sie sind froh, dass wir uns fuer ihr Leben interessieren, ab vom allgegenwaertigen Stolz des Landes, Angkor.
In den folgenden zwei Tagen vollziehen wir ungefaehr 200 dieser kleinen Begruessungszeremonien auf Englisch, bei jedem Weg hin und zurueck von der Schule.
Herum um die sehr einfache Schule, bestehend aus einem Holzhaus mit PLastikstuehlen und einer Tafel, wohnen ca. 60 Waisenkinder. Fast alle von ihnen haben ihre Eltern an Landminen verloren, die noch immer ueberall im Land verstreut sind.
Zweimal am Tag haben die Kinder Englischunterricht, und an der Khmerschule ein paar Kilometer weiter lernen sie alles andere.
Der Unterrciht ist nicht leicht. Das Material ist mehr als duerftig, die Kinder sind auf voellig unterschiedlichen Niveaus, und natuerlich kann man schlecht englische Woerter auf englisch erklaeren. Es hilft auch nicht, dass der eigentliche Lehrer ein Englischstudent ist, dessen englisch duerftig ist und der dazu neigt, den Kindern alles vorzusagen. Aber der Enthusiasmus der Kinder ist ermutigend.
Bei einer der langen Pausen zwischen den Unterrichtseinheiten kommt uns in den Sinn, den Einheimischen dabei zu helfen, Holzstoecke anzuspitzen. Was uns nicht klar ist, ist dass sie nur zwei Aexte haben und wir ihnen damit quasi die Arbeit wegnehmen. So stehen sie daneben und gucken uns lachend zu, eine skurrile Situation. Uns ist ausserdem nicht klar, wie anstrengend und aunspruchsvoll die ganze Sache ist. Immer wieder muessen sie uns zeigen, wie man es am besten anstellt, und wir brauchen natuerlich dreimal so lang wie sie. Wir muessen uber uns verweichlichten Stadtmenschen lachen, und sie lachen uns fuer unsere Ungeschicktheit freundschaftlich aus. Nach nur 15 Minuten muessen wir aufhoeren - wir haben riesige Blasen an den Haenden.

Nach drei Tagen fahren wir zurueck nach Siem Reap und machen uns auf den Weg nach Battambang, auf eine 9-stuendige atemberaubende Bootsfahrt vorbei an den sogenannten Floating Villages. Das sind ganze Doerfer, mitsamt Schulen und Gemeindehaus, die auf dem See schwimmen. Es gibt Boote, die als Taxis dienen, und andere sind zu kleinen schwimmenden Laeden umfunktionert, die bei Bedarf die Haeuser anfahren. Natuerlich lebt man hier von der Fischerei. UNd auch sonst versorgt der See bzw. Fluss die Leute mit so ziemlich allem anderen, was man so braucht: Es wird darin abgewaschen, dient als Badewanne und gleichzeitig PLanschbecken fuer die Kinder, ist Transportmittel, und es waechst sogar ein gewisses Kraut darauf, dass als Gemuese gegessen wird. Ein Leben, dass sich zu 100% auf dem Wasser abspielt. Fuer mich unglaublich schwer vorzustellen (in meinem Kopf schreit es schon Klaustrophobie wenn ich mir diese im Schnitt 20 schwimmenden Quadratmeter nur anschaue), aber eine der faszinierendsten und schoensten Sachen, die ich je gesehen habe.
Es werden uebrigens auch Schweine dort gehalten, auf einem eigenen Floss schwimmen sie ein paar Meter vom Haus entfernt umher - ein denkbar bizarrer Anblick.

In Phnomh Penh mit seinen Alleen von rosa und weiss bluehenden Baeumen(alles eine Sache des Timings) und dem lebhaften Geschehen darunter in dem gewohnten kambodschanisch-franzoesischen Charme nehmen wir uns Zeit fuer das wahrhaft bedrueckende Genozidmuseum - hier nimmt man nicht so taktvoll ruecksicht auf Verbliebene und Besucher wie in Europa, sondern zeigt ohne Gnade Photos von Hunderten und Hunderten durch die Khmer Rouge getoeteten und gefolterten Menschen und ihren Leichen.

Kambodscha hat es wirklich in sich, und wir sind heilfroh, es spontan mit in unsere Route aufgenommen zu haben. Defintiv einer meiner Lieblingsstops.

Mittwoch, 2. März 2011

Same same but different - Neue Welten

Wir nehmen einen Bus, der uns von Bangkok direkt an den Kambodschanischen Grenzuebergang Poi-Pet bringen soll und dann weiter nach Siem Reap, der naechsten Stadt in Kambodscha. Schon vor der Grenze halten wir allerdings an einer kleinen Pension, und erfahrungsgemaess scheint uns, dass hier gewisse Vertraege zwischen Pension und Busagentur herrschen muessen: Die Pension bietet PLatz, um die eher unlauteren Visa-Geschaefte der Agentur durchzufuehren, und dafuer wird bei ihnen gegessen. So zumindest unsere Vermutung. Und wir haben recht. Ein paar Minuten und einige eigens ausgefuellte Formulare spaeter sollen wir fuer unser durch die Agentur arrangiertes Visum gut das Doppelte von dem eigentlichen (uns durch vorherige Recherchen bekannten) Preises zahlen. Sein Argument: Wir sparten damit sowohl 3-4 Stunden Zeit als auch nocheinmal etwa $5. Als wir ihm versichern, wir wuessten den eigentlichen Preis, will er uns glauben machen, dieser Preis gelte nur fuer Visa, die bei der Botschaft eingeholt werden. Diese Leute sind gut. Kurz verunsichert, bestehen wir aber trotzdem darauf, das Visa hoechstselbst an der Grenze zu bekommen. Er gibt auf und zeigt uns den Weg zur Grenze, und sagt uns zum Abschied noch, er werde uns dann in einer Stunde (natuerlich statt der eigentlich prophezeiten 3-4!) hinter der Grenze abholen, um nach Siem Reap zu fahren.

Wir sind erleichtert und auch ein bisschen stolz, dem Schlepper entkommen zu sein (Schliesslich scheint der Rest der Passagiere sich auf das Geschaeft einzulassen). Allerdings vergehen keine fuenf Minuten, bis ein weiteres Exemplar sich an uns versucht. Und was sich beim Lesen wahrscheinlich als das Selbstverstaendlichste der Welt anhoert, naemlich ihn freundlich aber bestimmt abzuweisen, ist nicht so einfach. Man weiss einfach erst im Nachhinein, wer offizieller Beamter ist und wer nicht. Letztendlich kriegen wir aber unser Visa zum richtigen Preis und betreten zum ersten Mal kambodschanischen Boden.

Das wir in einem neuen, sehr anderen Land sind, ist nicht zu verkennen: Das Hauptfortbewegungsmittel sind zweiraedrige Holzkarren bis zum Uberquellen gefuellt mit riesigen Reissaecken, Gemuese, Holzkisten, Baumaterial und so weiter, trotz des enormen fast ausnahmslos durch Muskelkraft mehrerer, manchmal aber auch einzelner Personen angetrieben anstelle eines Pferdes oder aehnlichem. Die Menschen tragen Huete, an denen unten ein Stueck Stoff befestigt ist, das Nacken vor Sonne und, Mund und Nase verdeckend, das Gesicht vor Staub und Dreck schuetzen soll. Sofort sieht man auch die langfristigen Schaeden, die viele Kriege hinterlassen haben, im ersten Moment vor allem sichtbar durch die vielen fehlenden Koerperteile. Und auch die Armut ist sofort praesent. Nur notduerftig gekleidete kleine Kinder betteln um ein bisschen was, waehrend ihre Muetter Obst oder Gemuese verkaufen.

Die darauf folgende Busfahrt nach Siem Reap zeigt uns ein wunderschoenes Land, das uns so urspruenglich und andersartig erscheint, wie davor kein anderes. Wir fahren an einer Szenerie vorbei, die wir so aehnlich nur aus Reportagen und Dokumentationen kennen: Grosse Haeuser aus Holz oder blossen Palmblaettern auf Stelzen, darunter die Menschen in Haengematten oder in irgendeine Arbeit vertieft. Die Heuhaufen sind wie aus dem Bilderbuch, hoch aufgetuermt und rund, daneben sieht man Kuehe weiden und Kinder spielen. In den unzaehligen kleinen und groesseren Teichen wird sich gewaschen oder planschen einige der zahllosen Kinder nackt. Dazwischen Palmen und Reisfelder. Es scheint uns wie eine andere Welt.

weiteres folgt auf schnellen fuessen... :)

Samstag, 19. Februar 2011

Faul sein ist wunderschoen...

Eine kleine Zusammenfassung unseres Lebens auf Koh Lanta, einer kleinen Insel an der Westkueste Thailands: Wir wohnen direkt am Strand, und zwar wortwoertlich (es sind keine 10m). Unser Quartier ist ein kleiner Bambusbungalow, durch dessen geflochtene Waende morgens die Sonne hereinfaellt und schoene Muster kreiert. Zeitweise haben wir ein Bad unter freiem Himmel, inklusive Bananenbaum und direkter Sonneneinstrahlung - eine allmorgendliche Freude. Fruehstuecken gehen wir meistens bei einer gnaz suessen und superlieben Frau, die uns immer mit den noetigen Tips versorgt und uns ueberhaupt erst zu unserem billigen Hotel verholfen hat - unter uns nennen wir sie nur noch "Freundin". Neben wichtigem Insiderwissen versorgt sie uns natuerlich vor allem mit gutem Thai-Essen, und ganz wichtig, mit frischen Fruchtshakes, eine Sache, die man ueberall in Thailand an jeder Ecke kaufen kann und die grosses Suchtpotenzial haben weil unglaublich erfrischend und lecker (mindestens zweimal am Tag ist sozusagen Pflichtverzehr).
Eine weitere Bekanntschaft, die wir im uebrigen auch Freundin zu verdanken haben, ist Hut-Yee Boat (dies ist sein Name), ein absolutes Original und mir scheint der Fadenzieher der ganzen Insel. Sie schickt uns zu ihm, weil wir eine billiger Unterkunft suchen, und obwohl seine Bungalows bezeichnenderweise alle voll sind, telefoniert er rum, bis er fuer uns das Passende gefunden hat. Seitdem gehen wir alle paar Tage mal bei ihm vorbei, werden sofort herangewunken und herzlich empfangen, es gibt Kaffee und Bananen und den neuesten Inseltalk, wobei Hut-Yee sicherlich Tickets anzubieten hat fuer dies Festival und jenes Konzert und diverse Bootstrips und und und.
Neben seiner unglaublich entspannten Art (wahrscheinlich auf ein bisschen zuviel Gras zurueckzufuehren :) ist vor allem sein Englisch ohnegleichen: Einer seiner Lieblingsausdruecke ist mittlerweile fester Bestandteil unseres Wortschatzes geworden - "No hep", bevorzugt mehrmals hintereinander und nachdruecklich festgestellt, soll heissen, dass es etwas nicht gibt, etwas nicht funktioniert, oder jemand weg ist, je nach kontext und ist abgeleitet von no have (was sich aber, glaubt mir, wirklich erst nach einiger Zeit und viel KOpfzerbechen erschliesst).

Ansonsten tun wir nicht viel, ganz nach dem Motto "Der Strand ist uns genug" verbringen wir ganze Tage nur durch essen unterbrochen dort, lesend oder schlafend oder schwimmend - letzteres natuerlich mit besonderer Freude, denn das Wasser ist wahnsinnig klar, angenehm temperiert und die Badefreude von nichts getruebt.
Wenn uns diese "Beschaeftigung" mal fuer eine Weile genuegt und wir nach Abwechslung duersten, mieten wir uns Motorroller und cruisen durch die Insel, halten mal hier mal da an abgelegenen Buchten fuer eine kleine Abkuehlung, begegnen des Oefteren Elefanten am Strassenrand und geniessen so richtig das Leben. (Ja, euch alle ein bisschen neidisch zu machen, macht mir schon Spass...)

Nach fast zwei Wochen treffen wir eine Lisa, Freundin von Francesca, und zwei zufaelig MItreisende, verbringen noch ein paar Tage mit ihnen auf KOh Lanta, bevor wir, zusammen mit Lisa Standortwechsel betreiben und nach Koh Pha Ngan fahren, eine Insel an der Ostkueste.

Hier sind wir nun und kommen grade von einem Strassenmarkt, auf dem es die verruecktesten Sachen zu essen gibt. Wir probieren uns natuerlich durch einen Grossteil durch :)

Neuerdings gibt es reisetechnisch eine PLanaenderung. Weil Francesca aus Geldgruenden (ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich es erwaehnt habe, aber ihr wurde ein ziemlicher grosser Teil ihres Geldes von ihrem Konto gestohlen - ein ganz ganz grosser Scheiss) frueher nach Hause faehrt, werde ich noch etwa einen Monat allein durch Indien weiterreisen. Das wird eine krasse Umstellung werden, ploetzlich FRancesca nicht mehr dabei zu haben, mit der ich ja nun seit 6 Monaten jeden Tag verbringe und alles mit ihr teile... Aber obwohl ich sie sicherlich zum Teil sehr vermissen werde, bin ich gspannt darauf, wie ich das Reisen allein empfinde. Ich glaube es hat viel Potenzial, nochmal eine sehr spannende, andere und gute Erfahrung zu sein, und ich freue mich drauf! (Auch wenn ich gleichzeitig ein bisschen Angst habe, ausgerechnet in Indien, dem schwierigsten der Stops, so ganz allein zu sein :) Wie spannend!!!

Mittwoch, 16. Februar 2011

Im Grossstadtgetuemmel

Am morgen nach unserer Ankunft in Bangkok wollen wir uns auf den Weg zur indischen Botschaft machen, um dort Francescas Visum zu beantragen. Kaum haben wir zwei Schritte getan, da werden wir voneiner Frau angesprochen, die uns wohl fuer hilfsbefuertig haelt, und erzaehlt uns, dass heute Chinesisches Neujahr ist, und aus dem Grund die Tempel in Bangkok kostenlos sind. Wir sind noch von unserem Glueck ganz berauscht, als sie ein Tuk-Tuk heranruft, mit dem Fahrer einen Deal ausmacht, und kurz darauf sitzen wir im Tuk-Tuk und verschieben kurzerhand unsere Plaene auf morgen, ersetzt durch eine verrueckte Fahrt mitten durch Bangkok in diesem Gefaehrt, wo man alles aus naechster Naehe und hautnah mitkriegt, inklusive einer grossen Portion hoechst Bangkok eigenen Smogs (und natuerlich ist man im Falle eines Unfalles naja sagen wir.. gearscht.). Wir haben den groessten Spass, die Stadt ist unglaublich schnell und voll und es gibt viel zu sehen, und ich glaube es gibt keinen besseren Weg, die Stadt zu erkunden (auch wenn man seinen Lungen danach ein paar Tage Pause goennen sollte).
Wir fahren von Tempel zu Tempel, einer beeindruckender, geschmueckter, kitschiger als der andere, aber alle wirklich schoen und faszinierend auf diese fremde, anziehende Art und Weise, die der Buddhismus (bei mir zumindest) mit sich bringt. Schon morgens haben wir in unserem Guesthouse beobachtet, wie ein riesiger Teller Essen, eine ganze gebratene Ganz inklusive Kopf, ganze Fruechte, Reis, alles was eben dazu gehoert und mehr als jeder der Besitzter essen wuerde (koennte, auch finanziell, schaetze ich), vor einen kleinen Buddhistischen Altar gestellt wurde. Fuer mich einfach immernoch unglaublich.

Am naechsten Tag fahren wir nach Chinatown. Leider sind die Feste und Auffuehrungen erst abends, wo wir schon wieder gen Sueden aufbrechen, aber auch so bietet sich ein ziemlich beeindruckendes Bild: Unter hunderten und aberhunderten roter chinesischer Laternen, die ueber die Strassen gespannt sind, hat sich eine riesige rotgekleidete Menge versammelt. Manche tragen nur rote T-shirts, aber viele haben sich ganz traditionell chinesisch angezogen, in chinesischen Kleidern aus roten Seidenstoffen mit den typischen Blumenmustern. An den Strassenseiten sind Staende mit den abgefahrensten Speisen aufgebaut. Leider koennen wir bei den meisten Sachen nicht heruasfinden, um was es sich handelt, denn Englisch spricht hier kaum jemand.
An grossen "Baeumen" kann man seine Neujahrswuensche, auf kleinen Karten verewigt, aufhaengen oder dem Koenig von Thailand schriftlich Gutes wuenschen.

Abends machen wir uns auf den Weg in den Sueden - die Insel ruft! - auf eine mal wieder lange Busfahrt. Wir sind unweigerlich beeindruckt von Bangkok, aber auch ein bisschen ausgelaugt, Reizueberflutung ist das Stichwort, und so sind wir froh uber eine kleine Pause von der Stadt, aber ich freue mich schon darauf, in ein paar Wochen wiederzukommen.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Die suedliche Haemisphaere oder Australien

Geplant sind also zwei Wochen in Melbourne - fuer den Rest reicht weder Geld noch Zeit. Dazu koennen wir es kaum erwarten, endlich in Asien anzukommen.
Dummerweise stellen wir ziemlich bald nach Ankunft fest, dass wir uns beide im Moment nicht auf Australien einlassen koennen. Zwischen unserem geliebten Suedamerika und dem heiss erwarteten Asien findet Australien einfach keinen rechten PLatz, wir finden es teuer und eher uninteressant, und obwohl wir wissen, dass wir dem Land unrecht tun, will es uns nicht so richtig gefallen. Wir buchen also den Flug vor, verkuerzen auf eine Woche, und nehmen uns vor, Australien spaeter im Leben eine richtige Chance geben werden, ausgestattet mit den noetigen Banknoten, um auch die abgelegenen Winkel und die sicherlich unglaubliche Natur sehen zu koennen.

Von unserem (30$pro Nacht) Hostel ziehen wir in ein Zimmer und haben gleich wieder eine Art Zuhause. Von dort aus erkunden wir Melbourne, eine in Wirklichkeit nicht uninteressante Stadt, mit Strand, viel Kultur, jeder Menge ueberhipper Leute und wirklich erstaunlich cooler und aussergewoehnlicher moderner Architektur. Allerdings ist sie klein, und es gibt nicht uebermaessig viel zu sehen, also reicht uns eine Woche voellig aus.
Bei der Fahrt in unser etwas abgelegeneres Zuhause wir immer wieder deutlich: Australien ist eine merkwuerdige Mischung aus Grossbritannien und den USA. Angefangen bei den Haeusern, die mal so britisch sind wie nur moeglich und mal eindeutig und himmelschreiend amerikanisch. Das Gleiche gilt fuer die Sprache, das Essen, und gewisse kulturelle Gewohnheiten.

Hier noch eine kleine Anerkdote zur Ironie des Schicksals: Zufaellig bleiben wir beim Zappen auf usnerem ganz eigenen Fernseher bei den Australian Open haengen, die natuerlich just in dieser Woche in Melbourne stattfindet, und es wird zum Teil des Tages, die Spiele mitzuverfolgen und mit unseren Favoriten mitzufiebern. Tickets sind natuerlich viel zu teuer, aber spaeter entdecken wir eine Art Public Viewing: Auf einem ziemlich gut designten oeffentlichen PLatz gibt es einhe riesige Leinwand, davor Liegestuehle. Wir haben unser Paradies gefunden, geniessen die Sonne, waehrend wir auf das Spiel warten. Es kommt ein Maedchen vorbei und bietet uns als Werbegeschenk einen kleinen Ventilator an (obwohl es arschkalt ist - apropos australischer Sommer, entweder ist unser Waermeempfinden mittlerweile voellig gestoert, oder das ganze Gerede von der grossen Hitze ist eine grosse fette Luege! :), den wir nicht wollen und dankend ablehnen. Nur ein paar Sekunden spaeter kommt ein Mann zu uns und redet etwas von Tickets fuer heute Abend, aber ohne in richtig ausreden zu lassen verneinen wir gleich, ganz nach der Manier, wie wir sie uns in Latinoamerika angewoehnt haben (fuer Taxifahrer, Brillenverkauefer etc.). Nur fuenf Sekunden spaeter wird uns unser Fehler bewusst, als er naemlich zu einer Gruppe neben uns geht und die TICKETS FUER DAS VERDAMMTE HALBFINALE DER AUSTRALIAN OPEN HEUTE ABEND ihnen anbietet, die natuerlich gleich aufspringen und das Geschenk dankbar annehmen. Es ist leicht, sich vorzustellen, wie wir uns in den Arsch haetten beissen koennen im Angesicht dessen, was wir haetten haben koennen! Das Spiel live im Stadium zu sehen, auf sicherlich keienen schlechten Plaetzen, fuer nichts ausser ein bisschen laenger zu hoeren!
Naja, so ist das Leben, und spaeter konnten wir dann auch wieder ueber uns selbst und unsere Dummheit lachen, und waren uns einig: Zu lang in Suedamerika zu bleiben kann auch seine Nachteile haben :)

Dienstag, 8. Februar 2011

Bogota!

Die Ankunft in Bogota ist verbunden mit grossem emotionalen Aufruhr: Nachdem ich Juan in die Arme falle, der uns trotz der spaeten Stunde noch abholt (danke!) und ueber den wiederzusehen ich mich wirklich freue, renne ich 20 Minuten spaeter voellig unerwartet auf Luisa zu - ihr koennt euch allesamt vorstelllen, was das fuer ein freudenfest war: ein aufregender und schoener Abend.
UNd auch abgesehen von den sozialen Freuden der Stunde geht es uns gut. Die Wohung unseres Gastgebers Juan bietet neben Heimeligkeit vor allem Luxus. Wir haben ein eigenes Zimmer mit Bad und heissem Wasser!!
Mit Luisa und ein paar anderen Freiwilligen sprechen wir ueber deren Wohnsituation, alle haben sie Bedienstete bzw. Haushaelterinnen, die kochen und fuer sie aufraeumen tec. Fuer uns erstaunlich, und auch ein bisschen komisch.
In den reichen Familien scheint das in Kolumbien Gang unhd Gaebe. Hermi wohnt seit 20 Jahren bei Garcia-Sossas (unseren Gastgebern) und versorgt uns fuer die naechste Woche mit allem was wir uns nur wuenschen koennen. Eine sehr gewoehnungsbeduerftige, haeufig auch unangenehme Angelegenheit, sich so bedienen zu lassen. Aber wir fuehlen uns sehr wohl in unserem Uebergangszuhause.
Von dort aus erkunden wir mit unserem kundigen Fuehrer Juan Bogota - eine riesige(8 Mil.), unglaublich interessante Stadt mit vielen unterschiedlichen Seiten. In der Candelaria mischen wir uns unters alternative Volk, trinken Chicha, ein hausgemischtes Getraenk aus.. mmh wiess ich nicht mehr, aber lecker ist, und hoeren den STrassenerzaehlern zu - allerdings ohne viel zu verstehen. Unser Spanisch reicht dann doch nicht ganz fuer den spezifischen kolumbianischen Humor. Die kleinen kopfsteingepflasterten Gassen sind mit netten Bars gesaeumt, die Hauswaende uebersaeht von guten Graffitis, dazwischendrueberdrunter politische Aufrufe und Anspielungen. Ein wirklich entspannter, schoener Ort. Wir lernen, dass die Stadt die Spraydosen bezahlt, um den Kuenstlern bestimmer Gruppen das Sprayen zu ermoeglichen. Ausserdem soll so dafuer gesorgt werden, dass nur wirklich gutes an die Waende kommt. Ziemlich genial und innovativ, wie ich finde!
Im Norden, dem reichen Teil der Stadt (wo wir auch wohnen), gibt es Malls, die mit US-amerikanischen nur zu gut mithalten koennen, KLeidung ist sogar auch ein ganzes Stueck teurer als dort.
Dazwischen ganze Viertel, die so hip sind, dass sie ebensogut in New York City plaziert sein koennten, mit zahllosen in-Kneipen und teuren Restaurants.

Es ist eine Stadt, die wirklich immer wieder erstaunt (vor allem in den Augen zweier Westeuropaeer, die in Kolumbien als suedamerikanisches Land naiverweise doch noch eine ziemliche..dritte Welt Atmosphaere und ein viel weniger westliches Stadtbild und Lebensart erwarten). Auch auf der Suche nach Armut als Relativierung unseres fast ausschliesslich wohlhabenden Eindrucks werden wir nur mehr oder weniger fuendig: Wir fahren in den Sueden, den armen Teil der Stadt, aber auch dort gibt es noch stabile, robuste Steinhaeuser. Aus Costa Rica, Nicaragua und Panama anderes gewohnt, sind wir verwirrt und kommen uns dumm vor, weil wir so falsche ERwartungen und Vorstellungen haben. Aber anscheindend ist in Bogota die Armut wirklich nicht so gross, die laendlichen Gegenden sind das, was Kolumbien in den Armutsstatistiken so weit runter zieht.

Neben dem Sighseeing entdecken wir Bogota auch noch von einer anderen Seite. Juan nimmt uns mit zu seinen Freunden, die wir schnell kennen und lieben lernen. Schon am ersten Abend gehen wir in einer grossen Gruppe das traditionelle Spiel "Rana", das so traditionell ist, dass sogar die etwa 20-jaehrigen Bogotarinaer es noch nie gespielt haben. Es stellt sich heraus, dass das Spiel jede Menge Spass macht, FRancesca und ich erweisen uns als ziemlich talentierte Spielerinnen und werden gleich als Naturtalente ausgewiesen. Es ist ein unglaublich witziger Abend, auf den viele andere ebenso gute folgen, mal beim Feiern (wir einigen ujns auf einen Club, wo sowohl Elektro fuer uns laeuft als auch Salsa etc fuer die Latinos, denn wir koennen uns schlicht nicht gegenseitig die Freuden von alleinigem bzw. auf der anderen Seite Paartanz begreifbar machen), mal beim Gitarrespielen, singen und Feuerspucken, mal beim Kartenspielen (und trinken..), und immer mit den gleichen paar Leuten, mit denen wir uns super verstehen. Es macht Spass, mal wieder in so einem Freundeskeis unterwegs zu sein.
Ausserdem stellen wir fest, dass die Bewohner ihre Stadt lieben - so einen unglaublich begeisterten und ansteckenden Lojkalpatriotismus habe ich seltne erlebt (die Berliner sind dagegen eher moderat :).

Nach einer Woche heisst es tschuess sagen, zu Luisa, zu neuen Freunden, zu Juan, und auch endgueltig zu Lateinamerika. Der Gedanke laesst uns ein paar innerliche Traenchen vergiessen. Dieser Teil der Welt ist uns wirklich ans Herz gewachsen, und wir haben das Reisen hier unglaublich genossen, wozu nicht zuletzt beigtragen hat, dass wir mit den Latinos auf ihrer Sprache sprechen konnten. Auf diese Weise wurdenwir nicht so sehr als Touristen wahrgenommen, und auf eine ganz andere Art und Weise akzeptiert, dieser Faktor natuerlich abgesehen von unzaehligen interessanten und schoenen Gespraechen.
Wir troesten uns mit der Sicherheit, wiederzukommen, was schon fest eingeplant ist (irgendwann, irgendwie...), und setzen uns in den Flieger nach Australien.

Freitag, 28. Januar 2011

Kolumbien, oh Kolumbien

Kolumbien - fuer viele wahrscheinlich kein Land, in das man freiwillig reisen wuerde. Denn: Was verbindet man mit Kolumbien? Stichworte wie Kokain und Farq springen ins Bewusstsein.
UNs stoert das wenig und wir fliegen ohne Scheu gen Barranquilla.
Am Flughafen werden wir herzlich in Emfang genommen von zwei sympathischen Flughafenangestellten, die unsere Paesse kontrollieren und sich aus reinem Interesse an unseren Plaenen (nicht unserer Weiblichkeit) mit uns unterhalten. Und auch in der Ankunftshalle, die wir zu unserem Schlafplatz auserkeren (aus irgendeinem Grund ist Barranquilla nicht mit erschwinglichen UNterkuenften ausgestattet), ernennt sich Marlon vom Bodenpersonal sogleich zu unserem persoenlichen Schutzengel, der alle halbe Stunde vorbeikommt, um auch ja sicherzugehen, dass uns nichts passiert ist. Spaeter sorgt er dafuer, dass wir wohlbehalten vom Flughafen zum Busbahnhof kommen, indem er uns eigenhaendig in ein Taxi setzt :)
Wir sind ziemlich begeistert von der Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit der Leute hier. Es scheint, alsl muessten wir uns fast anstrengen, damit uns bei der Fuersorglichkeit der Kolumbianer auch nur ein Haar gekruemmt werden koennte. Wir fuehlen uns sicher, mindestens genauso sehr wie in Costa Rica oder Nicaragua.

Wir haben zwei Wochen in einem Land, an dessen schiere Ausmasse wir uns nach so langer Zeit im beschaulichen Coista Rica erstmal gewoehnen muessen. Die Zeit ist zugegebenermassen mehr als knapp, also machen wir uns auf auf ein kleines Wettrennen gegen die Zeit, erster Stopp: Parque Tayrona, ein Nationalpark an der Karibik, der der allgemeinen Vorstellung vom Paradies gefaehrlich nah kommt (gefaehrlich deshalb, weil er zum Bleiben verlockt. Tuerkisblaue Karibikstraende, Palmenhaine, Urwald, was will man mehr??
Der Tag im Paradies ist schnell um, und so treten wir mit unseren Rucksaecken auf dem Ruecken die 2 Stunden Rueckweg durch den Urwald an - trotz des laestigen Gepaecks eine coole Tour. (Photos vopm Park hat die liebe Francesca hochgeladen. Ja, sie ist da ein bisschen weniger faul als ich...)

Ziel Nr. 2: Die beruehmte Kolonialstadt Cartagena. Wir spazieren durch die Altstadt, anfaenglich etwas skeptisch, da uebersaettigt von Kolonialstaedten. Doch wir werden ueberrascht, Cartagena ist wunderschoen, von vorne bis hinten kitschig-romantisch-Postkarten-wunderschoen, auch und im Vergleich zu anderen aehnlichen Staedten. Attribut 'schoen', aber nicht unbedingt 'intyeressant', weshalb wir uns schon nach einem Tag auf die weite Reise nach Medellin machen. 16 Stunden Busfahrt in einem eiskalten Bus - man mag es kaum glauben, aber es scheint als haetten die Latinos die Sache mit der Klimaanlage noch weniger raus als die Amis.
Die Busfahrt fuehrt durch teils fast unbewohnte Gebiete, riesige, undurchdringliche Waelder rundrum. Am Starssenrand alle paar Kilometer die Aufforderung an die Bevoelkerung, sich ans Militaer zu wenden, sollten sie die Guerilla gesehen haben.
Schlagartig wir mir wieder in Erinnerung gerufen, dass wir uns in einem Land befinden, in dem noch vor wenigen Jahren regelmaessig Busse von Guerillas ueberfallen wurden - sicherlich auch auf dieser Strecke. Es gibt diese Momente in Kolumbien. Zum Beispiel, als Francesca im Bus von ihrem Sitznachbarn geraten wird, sich nicht am Fenster zu zeigen, das mache die Wahrscheinlichkeit, das der Bus ueberfallen werde, so viel groesser (Blond=Gringo=Geld!). Oder auch die (seltenen) Polizeikontrollen im Bus, wo fuer 10Minuten angehalten wird, damit ein paar erstaunlich junger Polizeibeamter die Ausweise (ausschliesslich der Maenner!) erfragen, um sie zu ueberpruefen. Oder auch die Tatsache, dass in einigen Bussen jeder Passgier einzeln kurz gefilmt wird, was, wie wir spaeter erfahren, nicht zur Sicherheit der Passagiere beitragen, sondern schlicht die Arbeit der Kriminalpolizei bei der Identifizierung etwaiger Leichen erleichtern soll.
Es gibt sie, diese Momente. Sie sind sehr selten, und das Gesamtbild, die gesamte Atmosphaere bleibt davon letzlich unberuehrt. Nach wie vor fuehlen wir uns sicher.

Medellin ist schoen, aber vor allem interessant gebaut. Sie ist die drittgreosste Stadt Kolumbiens, aber das Tal, in das sie gebaut wurde, ist klein. Heraus kommt eine SDtadt, die sich zu grossen Teilen auf den umliegenden Huegeln erstreckt, die Haeuser an die nicht wenig steilen Flanken geheftet, die Styrassen verbunden mit zahllosen Treppen. Mit einer Seilbahn kann man ueber diese Viertel hinweg fahren - ein erstaunlicher Anblick (mich persoenlich erinnert es ein bisschen an Minas Tirith haehae ;)

Fortsetzung folgt. Naechste Folge: Bogota

Dienstag, 18. Januar 2011

Ach wie schoen ist Panama...

Am Flughafen in Panama City angekommen, nehmen wir einen der buntbemalten Busse (die Fahrt kostet $0,25, selbst sollte sie 2 Stunden dauern) in das historische Stadtviertel Casco Viejo, wo unser Hostel der Wahl liegt.
Kaum aus dem Bus ausgestiegen und einige Schritte in die scheinbar richtige Richtung getan, kommen uns auf der Strasse voellig aufgeregte Menschen hinterhergelaufen, "Dreht sofort um, nein, nicht hierher, es ist gefaehrlich!" Ihre Eindringlichkeit und ihre geweiteten Augen verraten uns, dass wir in einer wirklich gefaehrlichen Ecke sein muessen, und uns wird ein bisschen mulmig. Ein kleiner alter Mann begleitet uns weiter, bis er uns sicher waehnt.
Kein guter Anfang fuer uns und Panama City. Ploetzlich vermisse ich das so bekannte und gewohnte Costa Rica, in dem wir uns schon so sicher und zu Hause gefuehlt haben, weil wir Land, Leute und Staedte kannten.
Schon am naechsten Tag fuehlen wir uns viel sicherer und machen uns auf, die Stadt ein bisschen kennenzulernen. Entgegen all unserer (ignoranten) Erwartungen ist die Stadt ein Steuerparadies und (somit) das groesste Finanzzentrum Zentralamerikas mit einer ziemlich beeindruckenden Skyline und einer sehr kosmopolitischen Ausstrahlung. Doch zwischen Einkaufszentren und Hochhaeusern sieht man Frauen in ihren traditionellen Gewaendern ein- und ausgehen: Bunte Stoffe mit typisch panamanischen Mustern, die zu knielangen Roecken gebunden werden, kombiniert mit einer Art Fussbaendern, die aber fast die gesamten Unterschenkel bedecken. Sie strahlen eine gewisse Weisheit aus, auch wenn sie zum Teil noch sehr jung sind, und es faellt manchmal wirklich schwer, nicht zu starren - sie sind wirklich schoen, faszinierend. Die Maenner an ihren Seiten dagegen tragen Jeans und T-Shirts. Eine merkwuerdige Kombination.

Casco Viejo mit seinen alten, zum Grossteil baufaelligen Kolonialbauten ist auf eine raue, alte Art und Weise sehr schoen, und es macht Spass, in die Tueroeffnungen der Ruinen zu schauen und sich vorzustellen, was dort wohl fuer ein Leben stattgefunden hat, bevor sie mit Efeu und diversen Straeuchern bevoelkert wurden.
Trotzdem bleibt immer ein kleiner Nervenkitzel, wenn man sich an die Raender dieses Viertels bewegt, an das der gefaehrlichste Teil Panama Citys grenzt (mit dem wir ja schon gleich zu Anfang Bekanntschaft gemacht haben).

Unser Plan, von der Kueste Panamas nach Kolumbien zu segeln, scheitert an den Wetterbedingungen, die den Atlantik im Januar zu einer ziemlich aufgewirbelten Menge Wasser macht, und an unserer Angst, zwei oder mehr Tage unseres Lebens kotzend zu verbringen. Also fliegen wir.

Montag, 17. Januar 2011

Goodbye, farewell...

Ein letztes Mal machen wir uns mit unserem Fortbewegeungsmittel - "en rey", also trampend - auf den Weg nach Montezuma: Ein winzig kleines Dorf an der Costa Ricanischen Pazifikkueste, das wegen der es umgebenden Berge trotz der Touristenstuerme seit Jahren nicht gewachsen ist. Wer sich jetzt einen typischen Ferienort mit riesigen Hotelanlagen vorstellt, liegt aber falsch. Montezuma mit seinen kleinen, gemuetlichen Hotels und vegetarianischen Restaurants, in denen manchmal auch Yogastunden angeboten werden, hat einen sehr eigenen, aber einnehmenden Charme. Zwischen eher wenigen Pauschaltouristen findet man viele Einheimische, aber vor allem Reisende, die dort fuer eine Zeit haengenbleiben, um Strand und Sonne und die entspannte Atmosphaere zu geniessen.

Wir richten uns mit unserem kleinen, schon ziemlich ramponierten Zelt direkt am Strand ein - so muessen wir nichts zahlen, koennen aber trotzdem Toiletten und Duschen vom Campingplatz mitbenutzen (obwohl sich dessen Besitzer dieser Situation sicher nicht allzu sehr erfreuen wird ;)
Die zwei Tage bis Silvester vergehen schnell, unsere Haut gleicht sich mehr und mehr der der Einheimischen an und wir werden Profis im Wellenreiten.
Bei einem kleinen Trip zu einem traumhaften Wasserfall in der Naehe ueberwinde ich meine Angst und springe tatsaechlich von einem ueber zehn Meter hohen Wasserfall in das Becken darunter! Wahrscheinlich sollte ich das Folgende aus Selbstschutz lieber nicht erwaehnen, aber wo bliebe da der Spass... Also, das Problem ist schliesslich, dass ich, wahrscheinlich aufgrund fehlender vorhergehender Uebung im Hohe-Sachen-runterspringen, ein wenig sehr falsch im Wasser aufgekommen bin. Jeder der mit der Tendenz meiner Haut, sehr leicht blaue Flecken zu erzeugen, vertraut ist, kann sich die schweren Folgen vorstellen: Fuer die naechste Woche muss man mich fuer eine bemitleidenswerte Frau gehalten haben, die man gnadenlos verpruegelt hat. Nicht schwer zu erahnen, dass ich aber zumindest von meinen Freunden kein Mitleid, sondern vielmehr Spott zu erwarten hatte - ich war also tagelang der Grund fuer ausgedehnte Lachanfaelle.

An Silvester selbst beginnen wir den Abend gemuetlich mit einem Lagerfeuer am Strand, mit gegrillten Sandwiches und gutem Rum.
Spaeter mischen wir uns unters Volk, das auf der Strasse zu Trommelmusik tanzend auf den Jahreswechsel hinarbeitet.
Francesca und ich machen uns einen Spass daraus, am Strassenrand die Leute zu beobachten, eine der interessantesten Angelegenheiten in einem Dorf, in dem sich Alternative mit Gringos mit urlaubenden Einheimischen mischen.
Am naechsten Morgen verlassen wir Montezuma und Costa Rica, unser Zuhause fuer drei Monate - ein bisschen komisch ist es schon, und vor allem der Abschied von den Leuten faellt nicht leicht. Ich werde es vermissen.