Dienstag, 22. März 2011

Laos

Nur fuenf Minuten, und schon sind wir ueber der Grenze: in Laos. Wie in Kambodscha gibt es auch hier meine geliebten Stelzenhaeuser, die Landschaft ist flach und trocken.
UNser erstes Ziel sind die sogenannten Four Thousand Islands, eine Gruppe von kleinen, gruenen Inseln im langsam dahinfliessenden tuerkisblauen Mekong - schoen. In Bungalows, die sich wortwoertlich uber das Wasser beugen verbringen wir ein paar seeeehhhr entspannte Tage. Mit dem Fahrrad kann man die Insel in einer Stunde umrunden, danach bleibt viel Zeit fuer Lesen oder aber "Tubing": man raekelt sich im Bikini in einem grossen Schwimmring und laesst sich faulenzerisch zwischen den kleinen Inseln hin- und hertreiben.
Danach geht es weiter, fuer Francesca nach Vientiane (Hauptstadt). Ich dagegen mache noch einen kleinen Zwischenstopp auf dem Weg. Um halb fuenf Uhr morgens wanke ich schlaftrunken aus dem Nachtbus. Bis es hell wird, warte ich in der LKobby eines Hotels, und nehme um 6:00am den Bus zu meinem Ziel. Natuerlich ist Bus zuviel gesagt. Eigentlich heisst das gaze Sawng Thaew und besteht aus einem konvertierten Pickup aehnlichen Fahrzeug, das auf der ueberdahten, aber ringsum offenen Ladeflaeche zwei Baenke hat, die sich, je nach Uhrzeit und Ort, bis zu 20 Erwachsene (zuzueglich etlicher Kinder) mit dutzenden von Reissaecken und Koerben frischen Gemueses teilen. Die Stadt ist klein und nicht touristisch; ich bin also die Einzige nicht-asiatische Person an Bord und werde dementsprechend mal mit Interesse, mal mit Misstrauen beaeugt. Ein junger Mann, der neben mir sitzt, versucht sein englisch an mir, aber es kommt kaum eine vernuenftige Kommunikation zustande - zumindest nicth verbal. Wenn beide Seiten mal wieder keine Ahnung haben, von was sein Gegenueber denn wohl sprechen mag, muessen wir beide lachen, und auch unsere aelteren Mitreisenden, die das Ganze amuesiert mit anhoeren, koennen sich ein Lachen oder zumindest ein Grinsen nicht verkneifen und strahlen uns an.
Nicht mehr an Kaelte oder auch nur den Gedanken daran gewoehnt, habe ich natuerlich nichts als meinen Sarong dabei, und die fruehmorgendliche Luft ist kalt. Mitleideige Blicke erreichen mich als ich mich so gut wie moeglich einzumummeln versuche. Eine alte Frau sitzt mir gegenueber und sagt immer mal wieder "Nao" oder "Nao lai". Erst viel spaeter verstehe ich, dass das wohl kalt bzw. sehr kalt heissen sollte.
Auf der dreistuendigen Fahrt halten wir immer wieder an, um Leute auszusetzen - natuerlich direkt vor ihrer Haustuer - oder neue mitzunehmen. Dann wird von den Verkaeufern am Strassenrand, die sofort herbeigeeilt kommen, Essen gekauft. Mal Sticky Rice, mal Fleischspiesse. Sehr beliebt sind auch gekochte Eier. Nichts Ungewoehnliches, denkt sich jetzt der Westler. Was dieser aber bis jetzt noch nicht weiss: Diese Eier sind schon angebruetet. An einem Ende fehlt ein rundes Stueckchen Schale, durch das das Ei befruchtet worden ist. Das Eiweiss ist gelblich-braun, mit seltsamen Schlieren durchzogen, und das Eidotter verformt und ebenso verfaerbt, mit merkwuerdigen Strukturen darin (das zukuenftige Kueken!!). Ich wende meinen Blick lieber der Landschaft zu, denn obwohl ich nicht sensibel bin, kommt mir bei dieser Speise nicht selten ein gewisser Wuergreiz.
Trotzdem habe ich Hunger, es ist mittlerweile halb neun und ich hab noch nichts gefruehstueckt. Die alte Frau mir gegenueber scheint das zu merken. Beim naechsten Stop kauft sie grosse Maiskolben; einen davon schenkt sie mir, und so sitzen wir da und essen einvernehmlich unsere Maiskolben - eine sehr einpraegsame Erfahrung, die ganze Fahrt.
Und dabei habe ich noch gar nicht von der Landschaft erzaehlt. Jetzt, ein ganzes Stueck weiter noerdlich, hat sich die Landschaft von flach in bergig verwandelt. Wir schlengeln uns um die engen Kurven, die auf tiefe Taeler zwischen den dramatisch aufragenden Kalkfelsen mit ihren scharfen Spitzen und Falten sehen. Dazwsichen immer wieder dichter, fast tropsicher Urwald (ich fuehle mich an Costa Rica erinnert).
Endlich angekommen, mache ich mich nach ein bisschen Verschnaufspause zusammen mit ein par anderen Reisenden auf den Weg zu meinem eigentlichen Ziel: Eine 7,5km lange Hoehle, bsi zu 100m hoch, durch die ein kleiner Fluss fuehrt.
Den Eingang bildet ein gruenblauer See; mit Taschenlampen ausgruestet, begeben wir uns in das winzige, flache Boot und fahren rein in die Hoehle. Schon nach ein paar Metern ist von der Oeffnung nichts mehr zu sehen, und das einzige Licht kommt von unseren Taschenlampen, die die hohen, saalaehnlichen Raeume der Hoehle beleuchten. Ein bisschen wie Moria in der Herr der Ringe. (Immer diese Herr der Ringe Analogien... Ist es verwerflich, dass ich die Welt staendig mit ein bisschen guter Fiktion vergleiche?) Wie auch immer, es ist erstaunlich, unheimlich, schoen und beklemmend zugleich. Manchmal wirkt es aufgrund der Speiegelung der Felswaende im Spiegelglatten Wasser so, als schwebten wir durch eine symmetrische Welt, in der es genauso in die Tiefe wie in die Hoehe geht.
Der Ausgang der Hoehle fuehrt in einen kleinen Fluss umgeben von Urwald und Gestruepp. Am Rand geniessen die Bullen das kalte Nass aus der Hoehle, manchmal sieht man kaum mehr als ihre Koepfe, die aus dem Wasser lugen.

Am naechsten Tag mache ich mich auf nach Vientiane, mit 300 000(!!) Einwohnern die groesste Stadt in Laos. Es ist nett hier, viele Alleen, ein im Gegensatz zu kambodschanischen Verhaeltnisen ausgesproechen geordnetes Verkehrssystem und suessen kleinen franzoesischen Cafes. Genau wie der Lonely PLanet sagt: Eindeutig die entspannteste Hauptstadt Suedostasiens. Das Tempo der Laoten ist auch hier noch zweimal langsamer als ueberall sonst. Auf sein Essen kann man schon mal laenger warten, und man wird das Gefuehl nicht los, dass es sie nicht mal kuemmern wuerde, wenn man ginge ohne zu zahlen - wirklich erstaunlich.
Allerdings gibt es so gut wie nichts zu tun. Nachmittags versuchen wir uns in der Kunst der Meditation. Zwei Stunden sitzen bwz. gehen wir umher und versuchen, Geist und Koerper ruhig und konzentriert werden zu lassen. Es sit nicht einfach, und vor allem anfangs kreisen die Gedanken wie wild umher. Aber es fuehlt sich gyut an, sich ganz darauf einzulassen, einfach das Atmen zu verfolgen und an nichts mehr zu denken. (Bis zum Nirvana bedarf es aber dann doch noch ein wenig der Uebung ;)

Wieder mal sind wir unterwegs, wiedermal im Bus. Diesmal gehts nach Vang Vieng, einer kleinen Stadt nioch weiter noerdlich. UNd die Landschaft ist wieder einmal wunderschoen. Die Berge, mal gruen, mal braun und ausgedoerrt von Hitze und Trockenheit, werden unterbrochen von gruenen Taelern mit Reisfeldern, Fluessen und Doerfern. (Meine Beschreibungen scheinen uebrigens vellig unangemessen..). Vang Vieng liegt eingerahmt von vernebelten Bergen und ist perfekt zum Nichtstun und Spazieren.
Die Strecke nach Luang Prabang ist noch einmal mehr Grund des Staunens. Die Berge zwischen den Wolken stehlen mir tatsaehclich immer wieder den Atem, wenn wir um eine Kurve fahren und sich uns ein neues Tal und ein neues atemberaubendes Panorama eroeffnen. Vielleicht wird deutlich, wie schoen diese Landschaft ist, wenn ich euch sage, dass ich die gesamten neun Stunden Busfahrt ununterbrochen damit beschaeftigt war, mit dem Gesicht ans Fenster gedrueckt die vorbeigleitende Landschaft zu bestaunen. NOrdlaos ist zweifelsohne einer der landschaftliche schoensten Orte, den ich je gesehen habe.

Es trifft sich gut, dass auch das Ziel dieser Busfahrt vor Reizen nur so sprueht. Wenn schon die anderen Staedte einen franzoesischen Flair hatten, so wird mir jetzt klar, dass es sich wirklich nur um einen Hauch handelte. Luang Prabang schreit geradezu nach einer alten franzoesischen Kleinstadt vor ein paar Jahrzehnten, gepaart mit den Reizen des Mekongs, ungewoehnlich schoenen Tempeln und der unbeschreiblichen Vegetation Laos. Es tut mir Leid, aber ich komme wohl nicht umhin, diesen Blogeintrag um noch einen Superlativ zu erweitern, aber Luang Prabang ist beiweitem die schoenste Stadt in Suedostasien, die ich bisher gesehen habe. (Ich bin fast geneigt, zu behaupten, man koenne den letzten Relativsatz auch streichen, aber ich will ja nicht voreilig sein.)

In Muang Sing, wo ich ein paar Tage verbringe, um dem Wald und meiner so (offensichtlich) geliebten Landschaft uebr einen Trek ein wenig naeher zu kommen, mache ich mit einem zufellig kennengelernten Griechen einen kleinen Fahrradausflug zur nur 10km entfernten chinesischen Grenze, halte mir ihm ein kleines Schwaetzchen im Niemandsland neben dem Pfoertnerhaeuschen und fahre auf dem Rueckweg durch einige Doerfer der Bergvoelker, die hier sehr weit verbreitet sind. Vereinzelt geschmueckt durch traditionellen Schmuck und KLeidung, leben diese Leute noch ein weitestgehend unverwestlichtes Leben. Wenn man durch diese Doerfer spaziert, hat man das Gefuehl, die Zeit waere kurz stehengeblieben. Am Wegesrand kaufen wir von ein paar Maedchen eine frisch geerntete Wassermelone, die wir kurzerhand aufschneiden und sofort essen, waehrend wir lachend mit den Maedchen verhandeln, die gewitzt versuchen, uns noch weiter zu verkaufen. Sie wollen sie loswerden, um sie nicht mehr bis ins Dorf tragen zu muessen - verstaendlich, denn diese Koerbe sind wahnsinnig schwer und der Weg bergig. Auf dem Rueckweg begegnen uns Stroeme von Dorfbewohnern, die von der Arbeit uaf den Feldern wiederkommen, sie wirken muede und erschoepft, aber unterhalten sich angeregt.
Wie gesagt, es ist ein Leben, wie ich es mir kaum vorstellen kann...

Enttaeuschenderweise wird der Trek wegen zu viel Schlamm auf den Wegen abgesagt. Also geselle ich mich wieder zu FRancesca und wir machen uns auf zuerueck nach Thailand.

Samstag, 12. März 2011

Weltwunder , Wasserwelten und Waisen

Siem Reap ist eine erstaunlich gute Mischung aus alten franzoesischen Kolonialbauten und dem so typischen charmanten Asia-Chaos: Zwischen den langsam zerfallenden Villen, entlang der meist von grossen Baeumen gesaeumten Alleen, verkehren hunderte von Fahrraedern, Motorrollern, gelegentlich ein Auto, augenscheinlich voellig unter MIssachtung jeglicher Verkehrsregeln, es gibt Staende mit Essen und der Markt wimmelt nur so von Leben: Frauen sitzen auf dem Gang auf dem Boden und verkaufen den Fisch, den sie gerade ausgenommen haben und unterhalten sich angeregt.
Als wir kurz Pause machen in dem schoenen Royal Park, auf dessen Wiesen man leider nicht liegen darf, treffen wir zufaellig auf Weha. Der Kambodschaner, selbst Waise, leitet ein Waisenhaus in einem kleinen Dorf etwa eine Stunde von Siem Reap. Er zeigt uns Photos und erzaehlt, dass man sich das Projekt gern auch mal angucken kann, weill immer Voluntarier gesucht werden, die ein bisschen Englisch unterrichten. Spontan entschieden wir, am uebernaechsten Tag fuer ein paar Tage dorthin zu fahren, unter anderem, um das kambodschanische Leben auf dem Land ein bisschen kennenzulernen.
Aber am naechsten Tag ist es erstmal Zeit fuer ein bisschen Kultur, auf dem Plan steht Angkor Wat (mal das achte, mal das siebte Weltwunder genannt, wer weiss...). Wir mieten uns Fahrraeder, oder vielmehr Drahtesel, und radeln (ja, radeln ist genau das richtige Wort) dem Sonnenaufgang entgegen - man tut so einiges um den Touristenmassen zu entgehen, diese schlimmen Touristen immer aehhmm ;) - und erreichen bald die alten Tempel. Wir sind beeindruckt; von der schieren Groesse, die man zuerst gar nicht wahrnimmt, weil alles so konstruiert ist, dass es von weitem fast zweidimensional wirkt; von den Bildern, die in den Stein gemeisselt sind, es gibt Taenzerinnen, Kriegszenen und Bilder aus dem damaligen Alltag, und vieles sieht aus, als sei es tatsaechlich erst gestern entstanden, so gut erhalten ist es; von den Tuermen, die bis ins letzte Detail mit filigranen Ornamenten verziert sind; von den riesigen Gesichtern, die aus grossen Rechteckigen Felsen zusammengesetzt sind und laechelnd aus unterschiedlichen Richtungen auf den Betrachter blicken. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel Arbeit und wie lang die Errichtung der dutzenden Tempel gebraucht haben muss.
Wir verbringen den Tag damit, von Tempel zu Tempel zu radeln, immer wieder aufs Neue beeindruckt. Manche von ihnen hat sich der Urwald zum Teil wieder zurueckeroebert. Riesige Baeume schlingen ihre starken Wurzeln um Tore und Mauern der Tempel, zerstoeren, was nicht geschuetzt wird. Und anders als gedacht, sind wenige Touristen unterwegs, und so haben wir manche Tempel fast fuer uns (man stelle sich einen beliebigen Tag bei etwa vergleichbaren europaeischen Bauwerken vor...).
Bei einer Pause und ein bisschen was zu essen werden wir das erste Mal mit bettelnden Kindern konfrontiert. Sie verkaufen (wertlose) Armbaender und erklaeren in perfektem Alltagsenglisch (Wher' you from?), worum es geht. Es ist nicht leicht, damit umzugehen. Einerseits will man nicht unterstuetzen, dass sie ihre Tage damit verbringen, anstatt zur Schule zu gehen. Aber wenn sie dich mit ihren grossen Augen angucken und sagen, sie haetten nicht genug Geld um zur Schule zu gehen, kann man kaum noch nein sagen, was sie natuerlich merken und nur noch eindringlicher werden.... Wir sind mittlerweile um einige Armbaender reicher und einige Dollars aermer, ein paar mal kaufen wir ihnen eine Portion gebratenen Reis und sie stuerzen sich mit Feuereifer darauf und schlingen es hinunter.

Am naechsten Tag werden wir von Weha, dem Leiter des Waisenhauses, und einem kambodschanischen Studenten, der dort auch unterrichtet abgeholt, sitzen bei ihnen hinten auf dem Motorroller und fahren aus der Stadt raus. Bald biegen wir von der Strasse auf einen Feldweg ab und folgen ihm entlang der vielen Doerfer. Nur etwa eine Stunde weg von der Stadt, haben wir doch das Gefuehl, in einer anderen Welt gelandet zu sein. Die Haeuser erstrecken sich in langen Reihen entlnag des Weges. Hier lebt man ausschliesslich von Landwirtschaft, es wird natuerlich vor allem Reis angebaut. Die Haeuser , in die ich mich unsterblich verliebt habe (ich habe schon die ein oder andere Busfahrt damit verbracht, meine ganz persoenliche Version eines solchen Hauses imaginaer zu erstellen), sind auf Stelzen gebaut. Das Leben spielt sich groesstenteils im schattenspendenden Bereich unter den Stelzen ab, es gibt Haengematten und kleine Plattformen, auf denen gegessen wird. Tatsaechlich ist es im Fall der Familie, die uns fuer ein paar Tage aufnimmt, sogar so, dass sie, trotz des verhaeltnismaessig grossen Innenraumes, kaum je einen Fuss nach drinnen setzen, es wird sogar draussen geschlafen, und das Bett im Haus bleibt leer.
Wir schlafen in einem kleinen Einzelbett in der ersten Etage und sind auch die einzigen, die dort ein bisschen Zeit verbringen.
Es gibt sogar ein Badezimmer: Aus einem grossen Tonkrug wird mit kleinen Toepfen Wasser geschoepft, das aus dem Brunnen draussen ueber einen Schlauch dort reingepumpt wird. Natuerlich gibt es (allerdings wie ueberall sonst in Asien) kein Klopapier, es wird sich mit Wasser und Haenden gewaschen, nachdem man ueber dem kleinen Loch sein Geschaeft verrcihtet hat.
Ein solches Bad an sich existiert aber nur in den wenigsten Haeusern, meistens waescht man sich draussen, wo einer dieser riesigen Tonkruege neben dem Brunnen steht (also behaelt man zu allen Zeiten zumindest einen Sarong an, auch beim "duschen").
Elektrizitaet gibt es nicht, es ist wirklich erstaunlich, wie sehr man daran gewohnt ist, dass man zu allen Zeiten alles machen kann - lesen, auf Toilette gehen etc. - alles dies, was ohen Licht schwierig oder unmoeglich ist.
Nachdem wir angekommen sind, machen wir einen kleinen Spaziergang mit ein paar der Kinder durch das Dorf, zwischen Palmen, Heuhaufen und Kuehen und Schweinen, die direkt neben den Haeusern umherlaufen oder angeleint sind, werden wir bei jedem Haus freudig, mal schuechtern, mal lauthals, auf englisch begruesst. Von allen Seiten schallt es vor allem von den Kindern "Hello, what's your name?" und dann, bei Rueckfrage von uns, ganz korrekt und nach Lehrbuch "My name is..." oder "I am fine." Ohne FRage sind sie mehr als enthusiastisch, ihr Englisch zu benutzen und freuen sich daruber, dass wir da sind. Und auch die Aelteren zeigen uns mit herzlichem Laecheln, dass wir willkommen sind. Ich glaube, sie sind froh, dass wir uns fuer ihr Leben interessieren, ab vom allgegenwaertigen Stolz des Landes, Angkor.
In den folgenden zwei Tagen vollziehen wir ungefaehr 200 dieser kleinen Begruessungszeremonien auf Englisch, bei jedem Weg hin und zurueck von der Schule.
Herum um die sehr einfache Schule, bestehend aus einem Holzhaus mit PLastikstuehlen und einer Tafel, wohnen ca. 60 Waisenkinder. Fast alle von ihnen haben ihre Eltern an Landminen verloren, die noch immer ueberall im Land verstreut sind.
Zweimal am Tag haben die Kinder Englischunterricht, und an der Khmerschule ein paar Kilometer weiter lernen sie alles andere.
Der Unterrciht ist nicht leicht. Das Material ist mehr als duerftig, die Kinder sind auf voellig unterschiedlichen Niveaus, und natuerlich kann man schlecht englische Woerter auf englisch erklaeren. Es hilft auch nicht, dass der eigentliche Lehrer ein Englischstudent ist, dessen englisch duerftig ist und der dazu neigt, den Kindern alles vorzusagen. Aber der Enthusiasmus der Kinder ist ermutigend.
Bei einer der langen Pausen zwischen den Unterrichtseinheiten kommt uns in den Sinn, den Einheimischen dabei zu helfen, Holzstoecke anzuspitzen. Was uns nicht klar ist, ist dass sie nur zwei Aexte haben und wir ihnen damit quasi die Arbeit wegnehmen. So stehen sie daneben und gucken uns lachend zu, eine skurrile Situation. Uns ist ausserdem nicht klar, wie anstrengend und aunspruchsvoll die ganze Sache ist. Immer wieder muessen sie uns zeigen, wie man es am besten anstellt, und wir brauchen natuerlich dreimal so lang wie sie. Wir muessen uber uns verweichlichten Stadtmenschen lachen, und sie lachen uns fuer unsere Ungeschicktheit freundschaftlich aus. Nach nur 15 Minuten muessen wir aufhoeren - wir haben riesige Blasen an den Haenden.

Nach drei Tagen fahren wir zurueck nach Siem Reap und machen uns auf den Weg nach Battambang, auf eine 9-stuendige atemberaubende Bootsfahrt vorbei an den sogenannten Floating Villages. Das sind ganze Doerfer, mitsamt Schulen und Gemeindehaus, die auf dem See schwimmen. Es gibt Boote, die als Taxis dienen, und andere sind zu kleinen schwimmenden Laeden umfunktionert, die bei Bedarf die Haeuser anfahren. Natuerlich lebt man hier von der Fischerei. UNd auch sonst versorgt der See bzw. Fluss die Leute mit so ziemlich allem anderen, was man so braucht: Es wird darin abgewaschen, dient als Badewanne und gleichzeitig PLanschbecken fuer die Kinder, ist Transportmittel, und es waechst sogar ein gewisses Kraut darauf, dass als Gemuese gegessen wird. Ein Leben, dass sich zu 100% auf dem Wasser abspielt. Fuer mich unglaublich schwer vorzustellen (in meinem Kopf schreit es schon Klaustrophobie wenn ich mir diese im Schnitt 20 schwimmenden Quadratmeter nur anschaue), aber eine der faszinierendsten und schoensten Sachen, die ich je gesehen habe.
Es werden uebrigens auch Schweine dort gehalten, auf einem eigenen Floss schwimmen sie ein paar Meter vom Haus entfernt umher - ein denkbar bizarrer Anblick.

In Phnomh Penh mit seinen Alleen von rosa und weiss bluehenden Baeumen(alles eine Sache des Timings) und dem lebhaften Geschehen darunter in dem gewohnten kambodschanisch-franzoesischen Charme nehmen wir uns Zeit fuer das wahrhaft bedrueckende Genozidmuseum - hier nimmt man nicht so taktvoll ruecksicht auf Verbliebene und Besucher wie in Europa, sondern zeigt ohne Gnade Photos von Hunderten und Hunderten durch die Khmer Rouge getoeteten und gefolterten Menschen und ihren Leichen.

Kambodscha hat es wirklich in sich, und wir sind heilfroh, es spontan mit in unsere Route aufgenommen zu haben. Defintiv einer meiner Lieblingsstops.

Mittwoch, 2. März 2011

Same same but different - Neue Welten

Wir nehmen einen Bus, der uns von Bangkok direkt an den Kambodschanischen Grenzuebergang Poi-Pet bringen soll und dann weiter nach Siem Reap, der naechsten Stadt in Kambodscha. Schon vor der Grenze halten wir allerdings an einer kleinen Pension, und erfahrungsgemaess scheint uns, dass hier gewisse Vertraege zwischen Pension und Busagentur herrschen muessen: Die Pension bietet PLatz, um die eher unlauteren Visa-Geschaefte der Agentur durchzufuehren, und dafuer wird bei ihnen gegessen. So zumindest unsere Vermutung. Und wir haben recht. Ein paar Minuten und einige eigens ausgefuellte Formulare spaeter sollen wir fuer unser durch die Agentur arrangiertes Visum gut das Doppelte von dem eigentlichen (uns durch vorherige Recherchen bekannten) Preises zahlen. Sein Argument: Wir sparten damit sowohl 3-4 Stunden Zeit als auch nocheinmal etwa $5. Als wir ihm versichern, wir wuessten den eigentlichen Preis, will er uns glauben machen, dieser Preis gelte nur fuer Visa, die bei der Botschaft eingeholt werden. Diese Leute sind gut. Kurz verunsichert, bestehen wir aber trotzdem darauf, das Visa hoechstselbst an der Grenze zu bekommen. Er gibt auf und zeigt uns den Weg zur Grenze, und sagt uns zum Abschied noch, er werde uns dann in einer Stunde (natuerlich statt der eigentlich prophezeiten 3-4!) hinter der Grenze abholen, um nach Siem Reap zu fahren.

Wir sind erleichtert und auch ein bisschen stolz, dem Schlepper entkommen zu sein (Schliesslich scheint der Rest der Passagiere sich auf das Geschaeft einzulassen). Allerdings vergehen keine fuenf Minuten, bis ein weiteres Exemplar sich an uns versucht. Und was sich beim Lesen wahrscheinlich als das Selbstverstaendlichste der Welt anhoert, naemlich ihn freundlich aber bestimmt abzuweisen, ist nicht so einfach. Man weiss einfach erst im Nachhinein, wer offizieller Beamter ist und wer nicht. Letztendlich kriegen wir aber unser Visa zum richtigen Preis und betreten zum ersten Mal kambodschanischen Boden.

Das wir in einem neuen, sehr anderen Land sind, ist nicht zu verkennen: Das Hauptfortbewegungsmittel sind zweiraedrige Holzkarren bis zum Uberquellen gefuellt mit riesigen Reissaecken, Gemuese, Holzkisten, Baumaterial und so weiter, trotz des enormen fast ausnahmslos durch Muskelkraft mehrerer, manchmal aber auch einzelner Personen angetrieben anstelle eines Pferdes oder aehnlichem. Die Menschen tragen Huete, an denen unten ein Stueck Stoff befestigt ist, das Nacken vor Sonne und, Mund und Nase verdeckend, das Gesicht vor Staub und Dreck schuetzen soll. Sofort sieht man auch die langfristigen Schaeden, die viele Kriege hinterlassen haben, im ersten Moment vor allem sichtbar durch die vielen fehlenden Koerperteile. Und auch die Armut ist sofort praesent. Nur notduerftig gekleidete kleine Kinder betteln um ein bisschen was, waehrend ihre Muetter Obst oder Gemuese verkaufen.

Die darauf folgende Busfahrt nach Siem Reap zeigt uns ein wunderschoenes Land, das uns so urspruenglich und andersartig erscheint, wie davor kein anderes. Wir fahren an einer Szenerie vorbei, die wir so aehnlich nur aus Reportagen und Dokumentationen kennen: Grosse Haeuser aus Holz oder blossen Palmblaettern auf Stelzen, darunter die Menschen in Haengematten oder in irgendeine Arbeit vertieft. Die Heuhaufen sind wie aus dem Bilderbuch, hoch aufgetuermt und rund, daneben sieht man Kuehe weiden und Kinder spielen. In den unzaehligen kleinen und groesseren Teichen wird sich gewaschen oder planschen einige der zahllosen Kinder nackt. Dazwischen Palmen und Reisfelder. Es scheint uns wie eine andere Welt.

weiteres folgt auf schnellen fuessen... :)