Freitag, 28. Januar 2011

Kolumbien, oh Kolumbien

Kolumbien - fuer viele wahrscheinlich kein Land, in das man freiwillig reisen wuerde. Denn: Was verbindet man mit Kolumbien? Stichworte wie Kokain und Farq springen ins Bewusstsein.
UNs stoert das wenig und wir fliegen ohne Scheu gen Barranquilla.
Am Flughafen werden wir herzlich in Emfang genommen von zwei sympathischen Flughafenangestellten, die unsere Paesse kontrollieren und sich aus reinem Interesse an unseren Plaenen (nicht unserer Weiblichkeit) mit uns unterhalten. Und auch in der Ankunftshalle, die wir zu unserem Schlafplatz auserkeren (aus irgendeinem Grund ist Barranquilla nicht mit erschwinglichen UNterkuenften ausgestattet), ernennt sich Marlon vom Bodenpersonal sogleich zu unserem persoenlichen Schutzengel, der alle halbe Stunde vorbeikommt, um auch ja sicherzugehen, dass uns nichts passiert ist. Spaeter sorgt er dafuer, dass wir wohlbehalten vom Flughafen zum Busbahnhof kommen, indem er uns eigenhaendig in ein Taxi setzt :)
Wir sind ziemlich begeistert von der Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit der Leute hier. Es scheint, alsl muessten wir uns fast anstrengen, damit uns bei der Fuersorglichkeit der Kolumbianer auch nur ein Haar gekruemmt werden koennte. Wir fuehlen uns sicher, mindestens genauso sehr wie in Costa Rica oder Nicaragua.

Wir haben zwei Wochen in einem Land, an dessen schiere Ausmasse wir uns nach so langer Zeit im beschaulichen Coista Rica erstmal gewoehnen muessen. Die Zeit ist zugegebenermassen mehr als knapp, also machen wir uns auf auf ein kleines Wettrennen gegen die Zeit, erster Stopp: Parque Tayrona, ein Nationalpark an der Karibik, der der allgemeinen Vorstellung vom Paradies gefaehrlich nah kommt (gefaehrlich deshalb, weil er zum Bleiben verlockt. Tuerkisblaue Karibikstraende, Palmenhaine, Urwald, was will man mehr??
Der Tag im Paradies ist schnell um, und so treten wir mit unseren Rucksaecken auf dem Ruecken die 2 Stunden Rueckweg durch den Urwald an - trotz des laestigen Gepaecks eine coole Tour. (Photos vopm Park hat die liebe Francesca hochgeladen. Ja, sie ist da ein bisschen weniger faul als ich...)

Ziel Nr. 2: Die beruehmte Kolonialstadt Cartagena. Wir spazieren durch die Altstadt, anfaenglich etwas skeptisch, da uebersaettigt von Kolonialstaedten. Doch wir werden ueberrascht, Cartagena ist wunderschoen, von vorne bis hinten kitschig-romantisch-Postkarten-wunderschoen, auch und im Vergleich zu anderen aehnlichen Staedten. Attribut 'schoen', aber nicht unbedingt 'intyeressant', weshalb wir uns schon nach einem Tag auf die weite Reise nach Medellin machen. 16 Stunden Busfahrt in einem eiskalten Bus - man mag es kaum glauben, aber es scheint als haetten die Latinos die Sache mit der Klimaanlage noch weniger raus als die Amis.
Die Busfahrt fuehrt durch teils fast unbewohnte Gebiete, riesige, undurchdringliche Waelder rundrum. Am Starssenrand alle paar Kilometer die Aufforderung an die Bevoelkerung, sich ans Militaer zu wenden, sollten sie die Guerilla gesehen haben.
Schlagartig wir mir wieder in Erinnerung gerufen, dass wir uns in einem Land befinden, in dem noch vor wenigen Jahren regelmaessig Busse von Guerillas ueberfallen wurden - sicherlich auch auf dieser Strecke. Es gibt diese Momente in Kolumbien. Zum Beispiel, als Francesca im Bus von ihrem Sitznachbarn geraten wird, sich nicht am Fenster zu zeigen, das mache die Wahrscheinlichkeit, das der Bus ueberfallen werde, so viel groesser (Blond=Gringo=Geld!). Oder auch die (seltenen) Polizeikontrollen im Bus, wo fuer 10Minuten angehalten wird, damit ein paar erstaunlich junger Polizeibeamter die Ausweise (ausschliesslich der Maenner!) erfragen, um sie zu ueberpruefen. Oder auch die Tatsache, dass in einigen Bussen jeder Passgier einzeln kurz gefilmt wird, was, wie wir spaeter erfahren, nicht zur Sicherheit der Passagiere beitragen, sondern schlicht die Arbeit der Kriminalpolizei bei der Identifizierung etwaiger Leichen erleichtern soll.
Es gibt sie, diese Momente. Sie sind sehr selten, und das Gesamtbild, die gesamte Atmosphaere bleibt davon letzlich unberuehrt. Nach wie vor fuehlen wir uns sicher.

Medellin ist schoen, aber vor allem interessant gebaut. Sie ist die drittgreosste Stadt Kolumbiens, aber das Tal, in das sie gebaut wurde, ist klein. Heraus kommt eine SDtadt, die sich zu grossen Teilen auf den umliegenden Huegeln erstreckt, die Haeuser an die nicht wenig steilen Flanken geheftet, die Styrassen verbunden mit zahllosen Treppen. Mit einer Seilbahn kann man ueber diese Viertel hinweg fahren - ein erstaunlicher Anblick (mich persoenlich erinnert es ein bisschen an Minas Tirith haehae ;)

Fortsetzung folgt. Naechste Folge: Bogota

Dienstag, 18. Januar 2011

Ach wie schoen ist Panama...

Am Flughafen in Panama City angekommen, nehmen wir einen der buntbemalten Busse (die Fahrt kostet $0,25, selbst sollte sie 2 Stunden dauern) in das historische Stadtviertel Casco Viejo, wo unser Hostel der Wahl liegt.
Kaum aus dem Bus ausgestiegen und einige Schritte in die scheinbar richtige Richtung getan, kommen uns auf der Strasse voellig aufgeregte Menschen hinterhergelaufen, "Dreht sofort um, nein, nicht hierher, es ist gefaehrlich!" Ihre Eindringlichkeit und ihre geweiteten Augen verraten uns, dass wir in einer wirklich gefaehrlichen Ecke sein muessen, und uns wird ein bisschen mulmig. Ein kleiner alter Mann begleitet uns weiter, bis er uns sicher waehnt.
Kein guter Anfang fuer uns und Panama City. Ploetzlich vermisse ich das so bekannte und gewohnte Costa Rica, in dem wir uns schon so sicher und zu Hause gefuehlt haben, weil wir Land, Leute und Staedte kannten.
Schon am naechsten Tag fuehlen wir uns viel sicherer und machen uns auf, die Stadt ein bisschen kennenzulernen. Entgegen all unserer (ignoranten) Erwartungen ist die Stadt ein Steuerparadies und (somit) das groesste Finanzzentrum Zentralamerikas mit einer ziemlich beeindruckenden Skyline und einer sehr kosmopolitischen Ausstrahlung. Doch zwischen Einkaufszentren und Hochhaeusern sieht man Frauen in ihren traditionellen Gewaendern ein- und ausgehen: Bunte Stoffe mit typisch panamanischen Mustern, die zu knielangen Roecken gebunden werden, kombiniert mit einer Art Fussbaendern, die aber fast die gesamten Unterschenkel bedecken. Sie strahlen eine gewisse Weisheit aus, auch wenn sie zum Teil noch sehr jung sind, und es faellt manchmal wirklich schwer, nicht zu starren - sie sind wirklich schoen, faszinierend. Die Maenner an ihren Seiten dagegen tragen Jeans und T-Shirts. Eine merkwuerdige Kombination.

Casco Viejo mit seinen alten, zum Grossteil baufaelligen Kolonialbauten ist auf eine raue, alte Art und Weise sehr schoen, und es macht Spass, in die Tueroeffnungen der Ruinen zu schauen und sich vorzustellen, was dort wohl fuer ein Leben stattgefunden hat, bevor sie mit Efeu und diversen Straeuchern bevoelkert wurden.
Trotzdem bleibt immer ein kleiner Nervenkitzel, wenn man sich an die Raender dieses Viertels bewegt, an das der gefaehrlichste Teil Panama Citys grenzt (mit dem wir ja schon gleich zu Anfang Bekanntschaft gemacht haben).

Unser Plan, von der Kueste Panamas nach Kolumbien zu segeln, scheitert an den Wetterbedingungen, die den Atlantik im Januar zu einer ziemlich aufgewirbelten Menge Wasser macht, und an unserer Angst, zwei oder mehr Tage unseres Lebens kotzend zu verbringen. Also fliegen wir.

Montag, 17. Januar 2011

Goodbye, farewell...

Ein letztes Mal machen wir uns mit unserem Fortbewegeungsmittel - "en rey", also trampend - auf den Weg nach Montezuma: Ein winzig kleines Dorf an der Costa Ricanischen Pazifikkueste, das wegen der es umgebenden Berge trotz der Touristenstuerme seit Jahren nicht gewachsen ist. Wer sich jetzt einen typischen Ferienort mit riesigen Hotelanlagen vorstellt, liegt aber falsch. Montezuma mit seinen kleinen, gemuetlichen Hotels und vegetarianischen Restaurants, in denen manchmal auch Yogastunden angeboten werden, hat einen sehr eigenen, aber einnehmenden Charme. Zwischen eher wenigen Pauschaltouristen findet man viele Einheimische, aber vor allem Reisende, die dort fuer eine Zeit haengenbleiben, um Strand und Sonne und die entspannte Atmosphaere zu geniessen.

Wir richten uns mit unserem kleinen, schon ziemlich ramponierten Zelt direkt am Strand ein - so muessen wir nichts zahlen, koennen aber trotzdem Toiletten und Duschen vom Campingplatz mitbenutzen (obwohl sich dessen Besitzer dieser Situation sicher nicht allzu sehr erfreuen wird ;)
Die zwei Tage bis Silvester vergehen schnell, unsere Haut gleicht sich mehr und mehr der der Einheimischen an und wir werden Profis im Wellenreiten.
Bei einem kleinen Trip zu einem traumhaften Wasserfall in der Naehe ueberwinde ich meine Angst und springe tatsaechlich von einem ueber zehn Meter hohen Wasserfall in das Becken darunter! Wahrscheinlich sollte ich das Folgende aus Selbstschutz lieber nicht erwaehnen, aber wo bliebe da der Spass... Also, das Problem ist schliesslich, dass ich, wahrscheinlich aufgrund fehlender vorhergehender Uebung im Hohe-Sachen-runterspringen, ein wenig sehr falsch im Wasser aufgekommen bin. Jeder der mit der Tendenz meiner Haut, sehr leicht blaue Flecken zu erzeugen, vertraut ist, kann sich die schweren Folgen vorstellen: Fuer die naechste Woche muss man mich fuer eine bemitleidenswerte Frau gehalten haben, die man gnadenlos verpruegelt hat. Nicht schwer zu erahnen, dass ich aber zumindest von meinen Freunden kein Mitleid, sondern vielmehr Spott zu erwarten hatte - ich war also tagelang der Grund fuer ausgedehnte Lachanfaelle.

An Silvester selbst beginnen wir den Abend gemuetlich mit einem Lagerfeuer am Strand, mit gegrillten Sandwiches und gutem Rum.
Spaeter mischen wir uns unters Volk, das auf der Strasse zu Trommelmusik tanzend auf den Jahreswechsel hinarbeitet.
Francesca und ich machen uns einen Spass daraus, am Strassenrand die Leute zu beobachten, eine der interessantesten Angelegenheiten in einem Dorf, in dem sich Alternative mit Gringos mit urlaubenden Einheimischen mischen.
Am naechsten Morgen verlassen wir Montezuma und Costa Rica, unser Zuhause fuer drei Monate - ein bisschen komisch ist es schon, und vor allem der Abschied von den Leuten faellt nicht leicht. Ich werde es vermissen.