Nach einer schmerzlich langen Fahrt von einer Nacht und fast einem ganzen Tag kommen wir endlich in Udaipur an, der erste Stop in Rajasthan.
Und schon die ersten Eindruecke sind vielversprechend: schmale, aber helle, kurvige Gassen, mal bergauf, mal bergab, fuehren in einem verwirrenden Geflecht durch den alten Teil der Stadt. Wir sehen all dies im Vorbeirauschen bei der halzbrecherischen Fahrt per Autorickshaw zum Hotel. OHne Ruecksicht auf andere Lebewesen, die die Strassen benutzen (oder auch jene hinten auf seiner Rickshaw - uns!) braust der Fahrer wie besessen durch die Gassen - bis die Rickshaw mitten am Berg ploetzlich den Geist aufgibt. (Ein deja vu laesst nicht lange auf sich warten: Ich erinnere mich der etwas besorgniserregenden Situation, in die wir in Mumbai geraten sind. Der Motor des Taxis dort wollte doch schlicht nicht mehr anspringen, und das mitten auf der riesigen Kreuzung auf einer von Mumbais Verkehrsadern. Nach indischer Manier wird aber nicht lang gezappelt, sondern einfach mit viel Gehupe und Geschiebe das Gefaehrt zwischen fahrenden und ihrerseits hupenden Autos an den Fahrbahnrand befoerdert und wir in ein anderes Taxi gesetzt. Problem geloest.)
Da wir uns abr hier nun in einer nur unmassgeblich :) kleineren Stadt befinden, vollzieht sich das ganze Prozedere wenig spektakulaer, und wir lassen es halb resigniert und halb amuesiert ueber uns ergehen. (Wir sind es schon laengst gewohnt, als das Gleiche in Delhi wieder passiert.)
Ein kurzer Blick von der Dachterrasse des Hotelrestaurants reicht, um uns zum Bleiben zu ueberreden. Die weissgetuenchten, palastartig und unglaublich filigran verzierten Havelis - Wohnhaeuser - und der ein oder andere wirkliche Palast spiegeln sich im See, um den sich die Stadt draengt. Leicht zu glauben ist es nun, das Udaipur die wohl romantischste Stadt Indiens sein soll.
Viel Zeit verbringen wir mit langen Spaziergaengen durch die Gassen entlang der weissen Haeuser, die durch die haeufig blaugestrichenen Fenster und Tueren merkwuerdigerweise griechisch anmuten. Die Havelis dagegen, ueberall in der Stadt verstreut, sind eindeutig orientalischer Herkunft und verspruehen einen Hauch von 1001 und einer Nacht. Das Leben auf den Strassen dagegen ist eindeutig und unverfehlbar indisch.
Mal finden wir uns in Gassen wieder, die fast privat anmuten und in denen sich der indische Alltag direkt vor unseren Augen abspielt. Und mal geraten wir an eine andere Seite indischen Alltags: Wenn zu bestimmten Zeiten ploetzlich alle Einwohner Udaipurs auf einmal entlang einer einzigen schmalen Gasse zu ihren unterschiedlichen Zielen gelangen wollen, resultiert das in einem gewaltigen Ereignis aus lautstarkem Hupen und Rufen, und mit ein bisschen Glueck besteht zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmern ein Abstand von zehn Zentimetern. Wir retten uns mal hinter eine Kuh (die wird man schon nicht umfahren), mal auf die Stufen eines Hauseingangs und harren dem Augenblick, indem sich die Massen foertbewegt und wieder ein bisschen Platz fuer unsere Fuesschen da ist - manchmal eine ganze Weile. Ich kann in solchen so typisch indischen Situationen meist nicht anders, als loszulachen, aus Erstaunen ueber die blosse Absurditaet dieser Situationen, die fuer die Inder, Bewohner dieses so hoffnungslos ueberbevoelkerten Landes, Alltag sind.
An dieser Stelle sollte vielleicht Erwaehnung finden, was fuer mich wahrscheinlich an Platz eins der "Kuehe in Indien" Rangliste gehoert.
In ihrer - heiligen - Dekadenz liegt diese schwarzbraune Vertreterin ihrer Rasse mitten auf einer schmalen Fussgaengerbruecke Udaipurs, die die beiden Seiten der Stadt entlang des Sees verbindet, und versperrt auf ganzer Breite den Weg fuer die zahlreichen Passanten und Fahrrad- oder Motorrollerfahrer. In voelliger Seelenruhe kaut sie auf ein paar Halmen herum und blinzelt den hilflosen Menschen stoisch entgegen. Einfach herrlich. (PLatz zwei duerfte uebrigens das graue Exemplar einnehmen, das genuesslich ein paar alte Plastiktueten verzehrt - und das mitten auf einem Gleis auf Delhis Hauptbahnhof, ungeachtet der Zuege und Menschenmassen.)
Nachdem wir nun schon einige Tage in Indien und den Geschmaecken des indischen Essens inzwischen ganz und gar verfallen sind, entschliessen wir uns, einen KOchkurs zu machen - man will ja wissen, wie man diese Genuesslichkeiten selbst machen kann. (Ja ich weiss, jeder der mich kennt wird mit dem KOpf schuetteln und behaupten, ich werde doch nie auch nur eines der Rezepte tatsaechlich ausprobieren. Ich fuerchte, ihr kennt mich einfach zu gut...) Shashi, die KOechin und Lehrerin, ist eine grossartig resolute und dabei liebenswuerdige Frau. Zu Anfang erzaehlt sie uns ihre Geschichte. Als ihr Mann vor einigen Jahren starb, war sie als Mitglied der obersten Kaste, eine Brahmin, vor eine verzweifelte Wahl gestellt: Entweder, sie wuerde mit kleinen JObs, so zum Beispiel Putzen und Waschen, Geld verdienen und damit gegen die Regeln ihrer Kaste verstossen, nach denen diese niederen Arbeiten fuer die Brahmin verboten sind, oder aber verhungern. Natuerlich tat sie ersteres, immer unter der Hand, immer mit der Angst, entdeckt zu werden. Bis irgendwann ein paar Touristen, die sie zufaellkig getroffen und bekocht hatte, ihr vorschlugen, eine Kochschule aufzumachen. Seitdem kann sie sich vor willigen Kochschuelern kaum halten und freut sich auf die Zeit im Jahr, in der die meisten Touristen wegen der Hitze wegbleiben. Dann hat sie Zeit zum Relaxen, wie sie sagt.
Der Kochkurs selbst ist eine schier endlose Aneinanderreihung von Probieren, Gewuerzen riechen, Brotteig kneten, formen und backen - und vor allem macht es Spass. Nachdem wir zum Schluss all die gezauberten Koestlichkeiten gegessen haben, kann ich mich kaum noch bewegen.
Uebrigens wurde James BOnds Octopussy zu einem sehr kleinen Teil in Udaipur gedreht - der Seepalast dient als Hotel fuer 007 - aber ich finde die Aufnahmen enttaeuschend. Trotzdem, wer will, kann ja mal nachschauen...
Weiter gehts per Nachtbus nach Jodhpur. Ein "Spaziergang" (im Mangel eines passenderen Begriffes muss ich wohl Spaziergang sagen, aber das Laufen in einer groesseren indischen Stadt hat mit dem friedvollen Wandeln zur Entspannung, das das Wort Spaziergang hervorruft, nun wirklich nichts zu tun - viel eher handelt es sich um eine Achterbahnfahrt aus Sinneseindruecken, mit dem allgegenwaertigen Verkehr, der dem unbedarften und an Verkehrsregeln gewohnten Europaer einiges an Konzentration abverlangen kann, um unbescholten davonzukommen, den bunten Basaren, voll von reichverzierten Stoffen, Gewuerzen, Haushaltswaren und so weiter, den Scharen von Menschen, die schon an sich ein Blickfang sind, der Hitze, dem Dreck und Staub und Unmengen an anderen Faktoren.) Ein Spaziergang also, den wir durch die Strassen Jodhpurs auf dem Weg zu dem riesigen Fort machen, laesst mich tief Eintauchen in diesen so vollends faszinierenden Wahnsinn und fuer ein paar Stunden befinde ich mich in einem merkwuerdigen Zustand voelliger Zufriedenheit und innerer Ruhe, waehrend ich das Geschehen um mich herum betrachte - ich fuehle mich so lebendig,euphorisch; das allumfassende und sich so lautstark und farbenfroh manifestierende Leben um mich herum steckt mich an. Selten habe ich mich so wohl gefuehlt, so als sei ich genau am richtigen PLatz. UNd trotz seiner Haveli-gesaeumten Gassen und dem imposanten Fort, das den noch imposanteren Blick auf die allesamt blau gestrichenen Haeuser einzelner Teile Jodhpurs ermoeglicht, ist Jodhpur nun wirklich nicht eine der schoensten Staedte; Teile davon sind sogar unglaublich dreckig und staubig, und manchmal faellt es schwer, in der stickigen, Abgasverseuchten Luft zu atmen.
Genau dieser negative, unschoene Teil ist ploetzlich alles, was mir auffaellt, als wir nach einem langen Tag und wenig Schlaf im BUs unseren Weg zurueck zum Hotel antreten. Auf einmal kostet mich der Verkehr, die Lautstaerke, die Fuelle der Reize, all das, was mich noch vor ein paar Stunden in ein ungeahntes Hoch versetzt hat, unglaublich viel Kraft, und als wir im Hotel ankommen, bin ich heilfroh um die (relative) Ruhe. Auch das ist Indien: Ein kraefteraubendes Konglomerat aus all dem, was es gleichzeitig so spannend und faszinierend macht, wie kein anderes Land. Ein Extrem. Ich habe mich mit einigen Reisenden unterhalten, und wir waren uns einig. Man kann es abgrundtief hassen oder heiss und innig lieben,und manchmal beides kurz hintereinander, aber was bleibt ist die Feststellung: Nichts ist wie Indien. Eins ist es auf jeden Fall - Einzigartig.
Nebenbei bemerkt (fuer diejenigen, die sich nach diesen Beschreibungen immer noch unsicher ueber meine Meinung sind) gehoere ich zu denjenigen, die es lieben. NIcht uneingeschraenkt natuerlich, aber mit einer Faszination, die ich fuer kaum ein anderes Land hege.
Samstag, 30. April 2011
Sonntag, 24. April 2011
Der Riese Mumbai
Wir landen in Mumbai - mitten in der Nacht. Der naechste Morgen ist erfuellt von unzaehligen neuen Eindruecken, den ersten in Indien: Der Verkehr, noch verrueckter als in Bangkok; Slums am Strassenrand; am bedeutendsten, die Leute - die Freuen in ihren wunderschoenen Saris und Salwar Kameez (HOse, lange Bluse und Schal), die unsere Augen immer wieder an sie binden; wir werden angestarrt, haeufig interessiert, mal skeptisch, mal luestern, mal schuechtern-verstohlen - wir sind froh um unsere Sonnenbrillen, die ein bisschen Schutz bieten.
UNd dann der Bahnhof. Mumbai hat ueber 20 Millionen Einwohner, die schiere Zahl normalerweise voellig unvorstellbar. Am Bahnhof wir das ein bisschen leichter, wenn man sich durch das geschaeftige, unaufhoerliche Gewusel schlaengelt, das jeden Meter einzunehmen scheint.
Als der innerstaedtische Zug einfaehrt, gibt er ein sehr eindrueckliches Bild ab: Weit aus den Tueren gelehnt gucken die Leute dem Bahnhof entgegen, halten sich nur an einer Stange fest. Wir kaempfen uns zum Ladies only Abteil durch - eine Erfindung, um die wir sehr dankbar sind. Und nicht zuletzt ist das Frauenabteil einer der buntesten Orte, den es wohl gibt und ein perfekter PLatz, um auch unsererseits ein paar mehr oder weniger verstohlene Blicke in den Alltag der Inderinnen zu bekommen.
Beeindruckend ist auch die Zahl der unterschiedlichen Religionen, die hier praesent sind: Von Hindus zu Sikhs, Jains, Buddhisten und Muslimen bis hin zu Christen ist alles vertreten.
Mumbai an sich ist eine erstaunliche und verwirrende Mischung aus Indien und britischen Einfluessen. Die vielen auesserst imposanten gothischen Gebaeude - von der Universitaet bis hin zum Gerichtshof - wuerde man als Laie (der ich nunmal bin) in der Tat direkt nach London setzen, und es wirkte voellig normal. Dazwischen die winzigen Staende mit verfuehrerisch durftendem indischen Snacks, Basars, ein Park, in dem selbstverstaendlich Kricket gespielt wird und die ein oder andere Kirche. Ausserdem ein kleiner Strand, fast mitten in der Stadt, der den Blick auf eine in Smog gehuellte Skyline freigibt.
Am naechsten Tag verschicken wir mal wieder ein Paeckchen, aber anstatt es in einen Pappkarton zu stecken, wird es fest in Leinen eingenaeht - auch eine Methode.
Dann steht unsere erste indische Zugfahrt an. Wir buchen Sleeper Class, die billigste, und sind gespannt und auch ein bisschen nervoes. Es gibt acht Betten pro jedem offenen Abteil, links entlang der Zugwand zwei uebereinander, rechts quer in den Raum ragend zwei Reihen zu je drei Betten uebereinander. Gegen alle Erwartungen verbringen wir eine durchaus entspannte und erholsame Nacht auf unseren Pritschen, es laesst sich wirklich gut schlafen, wir werden weder ausgeraubt, noch bedroht, noch vergewaltigt. UNd das gleiche gilt fuer jede andere Busfahrt, die wir/ich seitdem gemacht haben. Es ist eine erstaunlich angenehme Art, die langen Strecken zurueckzulegen, ohne ganze Tage zu verlieren.
UNd dann der Bahnhof. Mumbai hat ueber 20 Millionen Einwohner, die schiere Zahl normalerweise voellig unvorstellbar. Am Bahnhof wir das ein bisschen leichter, wenn man sich durch das geschaeftige, unaufhoerliche Gewusel schlaengelt, das jeden Meter einzunehmen scheint.
Als der innerstaedtische Zug einfaehrt, gibt er ein sehr eindrueckliches Bild ab: Weit aus den Tueren gelehnt gucken die Leute dem Bahnhof entgegen, halten sich nur an einer Stange fest. Wir kaempfen uns zum Ladies only Abteil durch - eine Erfindung, um die wir sehr dankbar sind. Und nicht zuletzt ist das Frauenabteil einer der buntesten Orte, den es wohl gibt und ein perfekter PLatz, um auch unsererseits ein paar mehr oder weniger verstohlene Blicke in den Alltag der Inderinnen zu bekommen.
Beeindruckend ist auch die Zahl der unterschiedlichen Religionen, die hier praesent sind: Von Hindus zu Sikhs, Jains, Buddhisten und Muslimen bis hin zu Christen ist alles vertreten.
Mumbai an sich ist eine erstaunliche und verwirrende Mischung aus Indien und britischen Einfluessen. Die vielen auesserst imposanten gothischen Gebaeude - von der Universitaet bis hin zum Gerichtshof - wuerde man als Laie (der ich nunmal bin) in der Tat direkt nach London setzen, und es wirkte voellig normal. Dazwischen die winzigen Staende mit verfuehrerisch durftendem indischen Snacks, Basars, ein Park, in dem selbstverstaendlich Kricket gespielt wird und die ein oder andere Kirche. Ausserdem ein kleiner Strand, fast mitten in der Stadt, der den Blick auf eine in Smog gehuellte Skyline freigibt.
Am naechsten Tag verschicken wir mal wieder ein Paeckchen, aber anstatt es in einen Pappkarton zu stecken, wird es fest in Leinen eingenaeht - auch eine Methode.
Dann steht unsere erste indische Zugfahrt an. Wir buchen Sleeper Class, die billigste, und sind gespannt und auch ein bisschen nervoes. Es gibt acht Betten pro jedem offenen Abteil, links entlang der Zugwand zwei uebereinander, rechts quer in den Raum ragend zwei Reihen zu je drei Betten uebereinander. Gegen alle Erwartungen verbringen wir eine durchaus entspannte und erholsame Nacht auf unseren Pritschen, es laesst sich wirklich gut schlafen, wir werden weder ausgeraubt, noch bedroht, noch vergewaltigt. UNd das gleiche gilt fuer jede andere Busfahrt, die wir/ich seitdem gemacht haben. Es ist eine erstaunlich angenehme Art, die langen Strecken zurueckzulegen, ohne ganze Tage zu verlieren.
Samstag, 16. April 2011
Das beste kommt zum Schluss... Indien
Indien zu erklaeren ist nicht leicht. Indien ist alles zugleich - und im Extrem: Ein staendiger, allumfassender Ansturm auf die Sinne, von wunderschoen bis vor Dreck starrend, von ohrenbetaeubend laut bis sinnlich leise. Es gibt nichts, was so sehr stinkt, wie indische Bahnhofstoiletten, aber auch kaum koestlicheres als den Duft nach indischem Essen, nach Chai, Gewuerzen und dem so typischen Geruch nach Nichts ist so bunt und voller Leben wie die Strassen Indiens - schoene Frauen in kunterbunten Saris neben Maennern mit Turbanen in ebenso farbenfrohen Stoffen, dazwischen Auto-Rickshaws, Motorraeder, Fahrraeder, die obligatorischen Kuehe, Ziegen, Esel, Pferde und Kamele, und wenn es sein muss alles auf einer kleinen Strasse nicht breiter als zwei Meter. Wie haeufig sind wir schon aus dem Weg gesprungen oder haben uns an eine Hauswand gequetscht, aus Angst um unsere Fuesse (und den Rest).
Die schiere Zahl der Inder uebersteigt die Vorstellungskraft, und trotzdem hat man manchmal das Gefuehl, man sei von allen auf einmal umgeben, zum Beispiel wenn man sich eine vollgestopfte Bahnhofstreppe emporschiebt. Es ist chaotisch, laut, wild - und auf eine Weise faszinierend und spannend wie nichts anderes.
Francesca hat mal ueber Agra gesagt: "Es ist zwar ein Drecksloch, aber ich kann nicht anders als es trotzdem zu moegen". Und sie hat recht, selbst die haesslichen der Staedte verspruehen diesen Reiz, diesen Kitzel, der sie trotz allem spannend macht.
Nichts kann mich in ein Hoch von Adrenalin und Endorphinen versetzen wie ein Spaziergand durch eine indische Stadt - und zugleich ist nichts (nach einer Weile) so ermuedend und kraefteraubend.
Dies erstmal als kurze Impression des wundervollen indischen Wahnsinns. Das naechste Mal wirds dann etwas konkreter..
Die schiere Zahl der Inder uebersteigt die Vorstellungskraft, und trotzdem hat man manchmal das Gefuehl, man sei von allen auf einmal umgeben, zum Beispiel wenn man sich eine vollgestopfte Bahnhofstreppe emporschiebt. Es ist chaotisch, laut, wild - und auf eine Weise faszinierend und spannend wie nichts anderes.
Francesca hat mal ueber Agra gesagt: "Es ist zwar ein Drecksloch, aber ich kann nicht anders als es trotzdem zu moegen". Und sie hat recht, selbst die haesslichen der Staedte verspruehen diesen Reiz, diesen Kitzel, der sie trotz allem spannend macht.
Nichts kann mich in ein Hoch von Adrenalin und Endorphinen versetzen wie ein Spaziergand durch eine indische Stadt - und zugleich ist nichts (nach einer Weile) so ermuedend und kraefteraubend.
Dies erstmal als kurze Impression des wundervollen indischen Wahnsinns. Das naechste Mal wirds dann etwas konkreter..
Dienstag, 5. April 2011
Bangkok - Episode 1-3
1
In Bangkok angekommen, sind wir beeindruckt vom Chaos, der Fuelle an Leben, der schlechten Luft und den schoenen Tempeln. Spannend, aber auch anstrengend, das ist Bangkok fuer uns in diesen ersten paar Tagen.
2
Nach einer ausgiebeig fualenzerischen Zeit auf den Inseln Thailands finden wir uns auf einem Zwischenstopp vor Kambodscha wieder in Bangkok ein. Diesmal benutzen wir nicht den Bus, sondern entgehen den verstopften Strassen, indem wir uns vom Wassertaxi auf den Kanaelen der Stadt von einem ans andere Ende bringen lassen. Nicht umsonst, stellen wir fest, wird Bangkok mitunter "Venedig des Ostens" genannt, denn es ist vernetzt von einer Vielzahl grosser und kleiner Kanaele, die die Stadt noch immer auf eine ganz andere Art und Weise zugaenglich machen. Ein unbeabsichtigter langer Spaziergang auf schmalen Wegen entlang des Kanals wird zu einem meiner Lieblings-Bangkok Erlebnisse. Auf der Suche nach einer Wassertaxi Haltestelle schlendern wir dicht an den Haeusern entlang, die direkt am Kanal gebaut sind. Hier hat das Leben einen etwas anderen Rhythmus, oder zumindest eine andere Lautstaerke; von dem Strasenlaerm, der sonst alles dominiert, hoert man hier nichts, dafuer gibt es kleine verschachtelte Haeuser und Sackgassen, Wein- oder Efeu-aehnliche Gewaechse, die die Gaenge ueberwuchern und die ganz alltaeglichen Gewohnheiten des Lebens, die man hier, so nah an den Haeusern, hautnah mitkriegt. Immer wieder wird das leise, ruhige Plaetschern des Wassers zu Wellen, wenn eines der Wassertaxis vorbeifaehrt - und das alles andere als langsam. Wie wir in Kuerze herausfinden, muessen wir das romantische Schippern in unserer (allgemeinen Bootsfahr-)Vorstellung durch fast Speedbootaehnliche Geschwindigkeiten und eine fuer Bangkok so typische kaltschnaeuzige und agnstfreie (euphemistisch) schwungvolle Fahrweise ersetzen. Wir springen auf das Boot, was kaum lang genug haelt um uns ein kurzes Zoegern einzuraeumen, und los geht die wilde Fahrt.
Eine ganz andere, wirklich interessante und schoene Seite Bangkoks.
3
In den Tagen vor unserem Abflug nach Mumbai entdecken wir Bangkok noch einmal ganz neu. Waehrend wir millterweile schon unseren Lieblingsnudelsuppenstand gefunden haben und uns in den kleinen Strassen "unseres" ;) Viertels mit seinen schoenen Cafes, einfachen Garkuechen und so asiatischem Feel schon fast heimisch fuehlen (so laecherlich es klingt, aber nach Bangkok zurueckkommen war immer ein bisschen wie nach Hause kommen), eroeffnet sich uns jetzt erstmalig auch das andere Bangkok voellig: Riesige Malls, die an Luxus wie Groesse und Angebot alles, was ich in den USA je gesehen habe, bei weitem uebertreffen, reihen sich ein paar Kilometer weiter oestlich aneinander. Hier tummeln sich Bangkoks Reiche und Schoene, kaufen bei Gucci und Cartier, gehen in ein Kino so modern, das es alles entsprechende in der westlichen Welt in den Schatten stellt und schlendern unter den Highways und Zugschienen, die hoch in der Luft ein kompliziertes Netz neuartiger Transportmoeglichkeiten ergeben.
Das ist das futuristische Asien, von dem man wohl schonmal gehoert hat. Aber: Spielten wir das Spiel "Ich-zeige-dir-ein-Photo-und-du-reatst-wo-es-gemacht-wurde" wuerden die allermeisten wohl himmelweit daneben liegen.
Obwohl die Luft zugegebenermassen diesmal sehr atembar ist, goennen wir uns eine Pause von der Hitze und betreten (fast demuetig) nach Eeeeewigkeiten mal wieder eine Zarafiliale (zwischen Armani und Burberry gelegen), nur um uns erst einmal zehn Minuten lang mit einer voellig ungewohnten Shopping-Unsicherheit skeptisch umzusehen. Kaum zu glauben, aber wir brauchen wirklichj unsere Zeit, uns daran zu entsinnen, wie man waehlt, unsicher, was wir eigentlich schoen finden. Es hat wirklich etwas Fremdartiges. UNd auch nachdem wir unsere kleinen anfaenglichen Schwioerigkeiten ueberwunden und in der Umkleide zahllose Stuecke anprobieren (und nur anprobieren!), gucken wir uns Gegenseitig immer mal wieder ein wenig irritiert an - Sichj selbst und den anderen nach so vielen Monaten mal wieder in Jeans oder gar Roehre, vielleicht kombiniert mit einer schoenen Bluse, zu sehen, ist ein wirklich sonderbares Gefuehl. Etwas anschaulicher in etwa: "Ist das da der gleiche Mensch, den ich nur noch in Pluderhose, beliebigen unisex Tshirt und Zopf kenne, der da grade so modisch aussieht?"
In Bangkok angekommen, sind wir beeindruckt vom Chaos, der Fuelle an Leben, der schlechten Luft und den schoenen Tempeln. Spannend, aber auch anstrengend, das ist Bangkok fuer uns in diesen ersten paar Tagen.
2
Nach einer ausgiebeig fualenzerischen Zeit auf den Inseln Thailands finden wir uns auf einem Zwischenstopp vor Kambodscha wieder in Bangkok ein. Diesmal benutzen wir nicht den Bus, sondern entgehen den verstopften Strassen, indem wir uns vom Wassertaxi auf den Kanaelen der Stadt von einem ans andere Ende bringen lassen. Nicht umsonst, stellen wir fest, wird Bangkok mitunter "Venedig des Ostens" genannt, denn es ist vernetzt von einer Vielzahl grosser und kleiner Kanaele, die die Stadt noch immer auf eine ganz andere Art und Weise zugaenglich machen. Ein unbeabsichtigter langer Spaziergang auf schmalen Wegen entlang des Kanals wird zu einem meiner Lieblings-Bangkok Erlebnisse. Auf der Suche nach einer Wassertaxi Haltestelle schlendern wir dicht an den Haeusern entlang, die direkt am Kanal gebaut sind. Hier hat das Leben einen etwas anderen Rhythmus, oder zumindest eine andere Lautstaerke; von dem Strasenlaerm, der sonst alles dominiert, hoert man hier nichts, dafuer gibt es kleine verschachtelte Haeuser und Sackgassen, Wein- oder Efeu-aehnliche Gewaechse, die die Gaenge ueberwuchern und die ganz alltaeglichen Gewohnheiten des Lebens, die man hier, so nah an den Haeusern, hautnah mitkriegt. Immer wieder wird das leise, ruhige Plaetschern des Wassers zu Wellen, wenn eines der Wassertaxis vorbeifaehrt - und das alles andere als langsam. Wie wir in Kuerze herausfinden, muessen wir das romantische Schippern in unserer (allgemeinen Bootsfahr-)Vorstellung durch fast Speedbootaehnliche Geschwindigkeiten und eine fuer Bangkok so typische kaltschnaeuzige und agnstfreie (euphemistisch) schwungvolle Fahrweise ersetzen. Wir springen auf das Boot, was kaum lang genug haelt um uns ein kurzes Zoegern einzuraeumen, und los geht die wilde Fahrt.
Eine ganz andere, wirklich interessante und schoene Seite Bangkoks.
3
In den Tagen vor unserem Abflug nach Mumbai entdecken wir Bangkok noch einmal ganz neu. Waehrend wir millterweile schon unseren Lieblingsnudelsuppenstand gefunden haben und uns in den kleinen Strassen "unseres" ;) Viertels mit seinen schoenen Cafes, einfachen Garkuechen und so asiatischem Feel schon fast heimisch fuehlen (so laecherlich es klingt, aber nach Bangkok zurueckkommen war immer ein bisschen wie nach Hause kommen), eroeffnet sich uns jetzt erstmalig auch das andere Bangkok voellig: Riesige Malls, die an Luxus wie Groesse und Angebot alles, was ich in den USA je gesehen habe, bei weitem uebertreffen, reihen sich ein paar Kilometer weiter oestlich aneinander. Hier tummeln sich Bangkoks Reiche und Schoene, kaufen bei Gucci und Cartier, gehen in ein Kino so modern, das es alles entsprechende in der westlichen Welt in den Schatten stellt und schlendern unter den Highways und Zugschienen, die hoch in der Luft ein kompliziertes Netz neuartiger Transportmoeglichkeiten ergeben.
Das ist das futuristische Asien, von dem man wohl schonmal gehoert hat. Aber: Spielten wir das Spiel "Ich-zeige-dir-ein-Photo-und-du-reatst-wo-es-gemacht-wurde" wuerden die allermeisten wohl himmelweit daneben liegen.
Obwohl die Luft zugegebenermassen diesmal sehr atembar ist, goennen wir uns eine Pause von der Hitze und betreten (fast demuetig) nach Eeeeewigkeiten mal wieder eine Zarafiliale (zwischen Armani und Burberry gelegen), nur um uns erst einmal zehn Minuten lang mit einer voellig ungewohnten Shopping-Unsicherheit skeptisch umzusehen. Kaum zu glauben, aber wir brauchen wirklichj unsere Zeit, uns daran zu entsinnen, wie man waehlt, unsicher, was wir eigentlich schoen finden. Es hat wirklich etwas Fremdartiges. UNd auch nachdem wir unsere kleinen anfaenglichen Schwioerigkeiten ueberwunden und in der Umkleide zahllose Stuecke anprobieren (und nur anprobieren!), gucken wir uns Gegenseitig immer mal wieder ein wenig irritiert an - Sichj selbst und den anderen nach so vielen Monaten mal wieder in Jeans oder gar Roehre, vielleicht kombiniert mit einer schoenen Bluse, zu sehen, ist ein wirklich sonderbares Gefuehl. Etwas anschaulicher in etwa: "Ist das da der gleiche Mensch, den ich nur noch in Pluderhose, beliebigen unisex Tshirt und Zopf kenne, der da grade so modisch aussieht?"
Zurueck in Thailand
Mal wieder ueberqueren wir eine Grenze, die nach Thailand diesmal. Sofort wird uns - zum ersten Mal - bewusst, wie gross der Unterschied zwischen den Nachbarlaendern wirklich ist. Nach den winzigen und seltsam laendlichen Staedten Laos' ist schon die kleine Grenzstadt auf der anderen Seite des 20 Meter breiten Flusses eine andere Welt, mit mehr touristischer Infrastruktur, mehr Industrie, mehr Angebot - schlicht mehr Geld. Jetzt erst wird deutlich, wi esehr sich das Land durch den Tourismus wohl schon veraendert hat.
Ein paar Kilometer weiter in Chiang Rai besuchen wir das halbfertige und ausgesprichen ambitionierte Werk eines wohl groessenwahnsinnigen Kuenstlers, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, einen Tempel im Format des Taj Mahals oder Angkor Wats zu bauen. Das Ergebnis ist ein wahrhaftig erstaunliches, schockierend kitschiges weisses Meisterwerk, das mit seinen Millionen und Abermilliionen kleinen Mosaikspiegeln und Verzierungen in der Sonne nur so glitzert, dass man sich unmittelbar in die maerchenhaften Gefilde eines Disneyfilmes hineinversetzt fuehlt.
Das Innere ist sogar noch bemerkenswerter: Der Erbauer ist nicht nur aesthetisch und architektonisch taetig, sondern hinterlaesst auch eindeutige politische Nachrichten auf der inneren Wand des Tempels. Ein Daemon mit dem Abbild BUshs im einen und dem Bin Ladens im anderen Auge speit Waffen aus seinem Maul, indem die Twin Towers in Fl;ammen stehen, Spiederman heruaskrabbelt, ein Avatar durch die Luefte fliegt und so manch andere Figur aus den Medien. Immer wieder wird etwas hinzugefuegt - brand aktuell. Ein Tempel etwas anderer Art, und der Buddha auf der gegenuebrliegenden Seite strahlt in diesem Kontrast erst Recht die gewuenschte Ruhe aus.
Ein Stueck weiter suedlich in Chiang Mai koennen wir den Reizen des riesigen Nachtmarktes unmoeglich (unmoeglich, wirklich!) wiederstehen und fuegen unseren Rucksaecken das ein oder andere Kilo hinzu, waehrend die Geldbeutel an Gewicht verlieren...
Nach ein paar Tagen ohne viel zu tun oder zu sehen und zudem ein bisschen Suedostasien ubersaettigt, machen wir uns schon fruehzeitig wiedr auf den Weg nach Bangkok.
Ein paar Kilometer weiter in Chiang Rai besuchen wir das halbfertige und ausgesprichen ambitionierte Werk eines wohl groessenwahnsinnigen Kuenstlers, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, einen Tempel im Format des Taj Mahals oder Angkor Wats zu bauen. Das Ergebnis ist ein wahrhaftig erstaunliches, schockierend kitschiges weisses Meisterwerk, das mit seinen Millionen und Abermilliionen kleinen Mosaikspiegeln und Verzierungen in der Sonne nur so glitzert, dass man sich unmittelbar in die maerchenhaften Gefilde eines Disneyfilmes hineinversetzt fuehlt.
Das Innere ist sogar noch bemerkenswerter: Der Erbauer ist nicht nur aesthetisch und architektonisch taetig, sondern hinterlaesst auch eindeutige politische Nachrichten auf der inneren Wand des Tempels. Ein Daemon mit dem Abbild BUshs im einen und dem Bin Ladens im anderen Auge speit Waffen aus seinem Maul, indem die Twin Towers in Fl;ammen stehen, Spiederman heruaskrabbelt, ein Avatar durch die Luefte fliegt und so manch andere Figur aus den Medien. Immer wieder wird etwas hinzugefuegt - brand aktuell. Ein Tempel etwas anderer Art, und der Buddha auf der gegenuebrliegenden Seite strahlt in diesem Kontrast erst Recht die gewuenschte Ruhe aus.
Ein Stueck weiter suedlich in Chiang Mai koennen wir den Reizen des riesigen Nachtmarktes unmoeglich (unmoeglich, wirklich!) wiederstehen und fuegen unseren Rucksaecken das ein oder andere Kilo hinzu, waehrend die Geldbeutel an Gewicht verlieren...
Nach ein paar Tagen ohne viel zu tun oder zu sehen und zudem ein bisschen Suedostasien ubersaettigt, machen wir uns schon fruehzeitig wiedr auf den Weg nach Bangkok.
Abonnieren
Posts (Atom)