Dienstag, 22. März 2011

Laos

Nur fuenf Minuten, und schon sind wir ueber der Grenze: in Laos. Wie in Kambodscha gibt es auch hier meine geliebten Stelzenhaeuser, die Landschaft ist flach und trocken.
UNser erstes Ziel sind die sogenannten Four Thousand Islands, eine Gruppe von kleinen, gruenen Inseln im langsam dahinfliessenden tuerkisblauen Mekong - schoen. In Bungalows, die sich wortwoertlich uber das Wasser beugen verbringen wir ein paar seeeehhhr entspannte Tage. Mit dem Fahrrad kann man die Insel in einer Stunde umrunden, danach bleibt viel Zeit fuer Lesen oder aber "Tubing": man raekelt sich im Bikini in einem grossen Schwimmring und laesst sich faulenzerisch zwischen den kleinen Inseln hin- und hertreiben.
Danach geht es weiter, fuer Francesca nach Vientiane (Hauptstadt). Ich dagegen mache noch einen kleinen Zwischenstopp auf dem Weg. Um halb fuenf Uhr morgens wanke ich schlaftrunken aus dem Nachtbus. Bis es hell wird, warte ich in der LKobby eines Hotels, und nehme um 6:00am den Bus zu meinem Ziel. Natuerlich ist Bus zuviel gesagt. Eigentlich heisst das gaze Sawng Thaew und besteht aus einem konvertierten Pickup aehnlichen Fahrzeug, das auf der ueberdahten, aber ringsum offenen Ladeflaeche zwei Baenke hat, die sich, je nach Uhrzeit und Ort, bis zu 20 Erwachsene (zuzueglich etlicher Kinder) mit dutzenden von Reissaecken und Koerben frischen Gemueses teilen. Die Stadt ist klein und nicht touristisch; ich bin also die Einzige nicht-asiatische Person an Bord und werde dementsprechend mal mit Interesse, mal mit Misstrauen beaeugt. Ein junger Mann, der neben mir sitzt, versucht sein englisch an mir, aber es kommt kaum eine vernuenftige Kommunikation zustande - zumindest nicth verbal. Wenn beide Seiten mal wieder keine Ahnung haben, von was sein Gegenueber denn wohl sprechen mag, muessen wir beide lachen, und auch unsere aelteren Mitreisenden, die das Ganze amuesiert mit anhoeren, koennen sich ein Lachen oder zumindest ein Grinsen nicht verkneifen und strahlen uns an.
Nicht mehr an Kaelte oder auch nur den Gedanken daran gewoehnt, habe ich natuerlich nichts als meinen Sarong dabei, und die fruehmorgendliche Luft ist kalt. Mitleideige Blicke erreichen mich als ich mich so gut wie moeglich einzumummeln versuche. Eine alte Frau sitzt mir gegenueber und sagt immer mal wieder "Nao" oder "Nao lai". Erst viel spaeter verstehe ich, dass das wohl kalt bzw. sehr kalt heissen sollte.
Auf der dreistuendigen Fahrt halten wir immer wieder an, um Leute auszusetzen - natuerlich direkt vor ihrer Haustuer - oder neue mitzunehmen. Dann wird von den Verkaeufern am Strassenrand, die sofort herbeigeeilt kommen, Essen gekauft. Mal Sticky Rice, mal Fleischspiesse. Sehr beliebt sind auch gekochte Eier. Nichts Ungewoehnliches, denkt sich jetzt der Westler. Was dieser aber bis jetzt noch nicht weiss: Diese Eier sind schon angebruetet. An einem Ende fehlt ein rundes Stueckchen Schale, durch das das Ei befruchtet worden ist. Das Eiweiss ist gelblich-braun, mit seltsamen Schlieren durchzogen, und das Eidotter verformt und ebenso verfaerbt, mit merkwuerdigen Strukturen darin (das zukuenftige Kueken!!). Ich wende meinen Blick lieber der Landschaft zu, denn obwohl ich nicht sensibel bin, kommt mir bei dieser Speise nicht selten ein gewisser Wuergreiz.
Trotzdem habe ich Hunger, es ist mittlerweile halb neun und ich hab noch nichts gefruehstueckt. Die alte Frau mir gegenueber scheint das zu merken. Beim naechsten Stop kauft sie grosse Maiskolben; einen davon schenkt sie mir, und so sitzen wir da und essen einvernehmlich unsere Maiskolben - eine sehr einpraegsame Erfahrung, die ganze Fahrt.
Und dabei habe ich noch gar nicht von der Landschaft erzaehlt. Jetzt, ein ganzes Stueck weiter noerdlich, hat sich die Landschaft von flach in bergig verwandelt. Wir schlengeln uns um die engen Kurven, die auf tiefe Taeler zwischen den dramatisch aufragenden Kalkfelsen mit ihren scharfen Spitzen und Falten sehen. Dazwsichen immer wieder dichter, fast tropsicher Urwald (ich fuehle mich an Costa Rica erinnert).
Endlich angekommen, mache ich mich nach ein bisschen Verschnaufspause zusammen mit ein par anderen Reisenden auf den Weg zu meinem eigentlichen Ziel: Eine 7,5km lange Hoehle, bsi zu 100m hoch, durch die ein kleiner Fluss fuehrt.
Den Eingang bildet ein gruenblauer See; mit Taschenlampen ausgruestet, begeben wir uns in das winzige, flache Boot und fahren rein in die Hoehle. Schon nach ein paar Metern ist von der Oeffnung nichts mehr zu sehen, und das einzige Licht kommt von unseren Taschenlampen, die die hohen, saalaehnlichen Raeume der Hoehle beleuchten. Ein bisschen wie Moria in der Herr der Ringe. (Immer diese Herr der Ringe Analogien... Ist es verwerflich, dass ich die Welt staendig mit ein bisschen guter Fiktion vergleiche?) Wie auch immer, es ist erstaunlich, unheimlich, schoen und beklemmend zugleich. Manchmal wirkt es aufgrund der Speiegelung der Felswaende im Spiegelglatten Wasser so, als schwebten wir durch eine symmetrische Welt, in der es genauso in die Tiefe wie in die Hoehe geht.
Der Ausgang der Hoehle fuehrt in einen kleinen Fluss umgeben von Urwald und Gestruepp. Am Rand geniessen die Bullen das kalte Nass aus der Hoehle, manchmal sieht man kaum mehr als ihre Koepfe, die aus dem Wasser lugen.

Am naechsten Tag mache ich mich auf nach Vientiane, mit 300 000(!!) Einwohnern die groesste Stadt in Laos. Es ist nett hier, viele Alleen, ein im Gegensatz zu kambodschanischen Verhaeltnisen ausgesproechen geordnetes Verkehrssystem und suessen kleinen franzoesischen Cafes. Genau wie der Lonely PLanet sagt: Eindeutig die entspannteste Hauptstadt Suedostasiens. Das Tempo der Laoten ist auch hier noch zweimal langsamer als ueberall sonst. Auf sein Essen kann man schon mal laenger warten, und man wird das Gefuehl nicht los, dass es sie nicht mal kuemmern wuerde, wenn man ginge ohne zu zahlen - wirklich erstaunlich.
Allerdings gibt es so gut wie nichts zu tun. Nachmittags versuchen wir uns in der Kunst der Meditation. Zwei Stunden sitzen bwz. gehen wir umher und versuchen, Geist und Koerper ruhig und konzentriert werden zu lassen. Es sit nicht einfach, und vor allem anfangs kreisen die Gedanken wie wild umher. Aber es fuehlt sich gyut an, sich ganz darauf einzulassen, einfach das Atmen zu verfolgen und an nichts mehr zu denken. (Bis zum Nirvana bedarf es aber dann doch noch ein wenig der Uebung ;)

Wieder mal sind wir unterwegs, wiedermal im Bus. Diesmal gehts nach Vang Vieng, einer kleinen Stadt nioch weiter noerdlich. UNd die Landschaft ist wieder einmal wunderschoen. Die Berge, mal gruen, mal braun und ausgedoerrt von Hitze und Trockenheit, werden unterbrochen von gruenen Taelern mit Reisfeldern, Fluessen und Doerfern. (Meine Beschreibungen scheinen uebrigens vellig unangemessen..). Vang Vieng liegt eingerahmt von vernebelten Bergen und ist perfekt zum Nichtstun und Spazieren.
Die Strecke nach Luang Prabang ist noch einmal mehr Grund des Staunens. Die Berge zwischen den Wolken stehlen mir tatsaehclich immer wieder den Atem, wenn wir um eine Kurve fahren und sich uns ein neues Tal und ein neues atemberaubendes Panorama eroeffnen. Vielleicht wird deutlich, wie schoen diese Landschaft ist, wenn ich euch sage, dass ich die gesamten neun Stunden Busfahrt ununterbrochen damit beschaeftigt war, mit dem Gesicht ans Fenster gedrueckt die vorbeigleitende Landschaft zu bestaunen. NOrdlaos ist zweifelsohne einer der landschaftliche schoensten Orte, den ich je gesehen habe.

Es trifft sich gut, dass auch das Ziel dieser Busfahrt vor Reizen nur so sprueht. Wenn schon die anderen Staedte einen franzoesischen Flair hatten, so wird mir jetzt klar, dass es sich wirklich nur um einen Hauch handelte. Luang Prabang schreit geradezu nach einer alten franzoesischen Kleinstadt vor ein paar Jahrzehnten, gepaart mit den Reizen des Mekongs, ungewoehnlich schoenen Tempeln und der unbeschreiblichen Vegetation Laos. Es tut mir Leid, aber ich komme wohl nicht umhin, diesen Blogeintrag um noch einen Superlativ zu erweitern, aber Luang Prabang ist beiweitem die schoenste Stadt in Suedostasien, die ich bisher gesehen habe. (Ich bin fast geneigt, zu behaupten, man koenne den letzten Relativsatz auch streichen, aber ich will ja nicht voreilig sein.)

In Muang Sing, wo ich ein paar Tage verbringe, um dem Wald und meiner so (offensichtlich) geliebten Landschaft uebr einen Trek ein wenig naeher zu kommen, mache ich mit einem zufellig kennengelernten Griechen einen kleinen Fahrradausflug zur nur 10km entfernten chinesischen Grenze, halte mir ihm ein kleines Schwaetzchen im Niemandsland neben dem Pfoertnerhaeuschen und fahre auf dem Rueckweg durch einige Doerfer der Bergvoelker, die hier sehr weit verbreitet sind. Vereinzelt geschmueckt durch traditionellen Schmuck und KLeidung, leben diese Leute noch ein weitestgehend unverwestlichtes Leben. Wenn man durch diese Doerfer spaziert, hat man das Gefuehl, die Zeit waere kurz stehengeblieben. Am Wegesrand kaufen wir von ein paar Maedchen eine frisch geerntete Wassermelone, die wir kurzerhand aufschneiden und sofort essen, waehrend wir lachend mit den Maedchen verhandeln, die gewitzt versuchen, uns noch weiter zu verkaufen. Sie wollen sie loswerden, um sie nicht mehr bis ins Dorf tragen zu muessen - verstaendlich, denn diese Koerbe sind wahnsinnig schwer und der Weg bergig. Auf dem Rueckweg begegnen uns Stroeme von Dorfbewohnern, die von der Arbeit uaf den Feldern wiederkommen, sie wirken muede und erschoepft, aber unterhalten sich angeregt.
Wie gesagt, es ist ein Leben, wie ich es mir kaum vorstellen kann...

Enttaeuschenderweise wird der Trek wegen zu viel Schlamm auf den Wegen abgesagt. Also geselle ich mich wieder zu FRancesca und wir machen uns auf zuerueck nach Thailand.

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