Dienstag, 8. Februar 2011

Bogota!

Die Ankunft in Bogota ist verbunden mit grossem emotionalen Aufruhr: Nachdem ich Juan in die Arme falle, der uns trotz der spaeten Stunde noch abholt (danke!) und ueber den wiederzusehen ich mich wirklich freue, renne ich 20 Minuten spaeter voellig unerwartet auf Luisa zu - ihr koennt euch allesamt vorstelllen, was das fuer ein freudenfest war: ein aufregender und schoener Abend.
UNd auch abgesehen von den sozialen Freuden der Stunde geht es uns gut. Die Wohung unseres Gastgebers Juan bietet neben Heimeligkeit vor allem Luxus. Wir haben ein eigenes Zimmer mit Bad und heissem Wasser!!
Mit Luisa und ein paar anderen Freiwilligen sprechen wir ueber deren Wohnsituation, alle haben sie Bedienstete bzw. Haushaelterinnen, die kochen und fuer sie aufraeumen tec. Fuer uns erstaunlich, und auch ein bisschen komisch.
In den reichen Familien scheint das in Kolumbien Gang unhd Gaebe. Hermi wohnt seit 20 Jahren bei Garcia-Sossas (unseren Gastgebern) und versorgt uns fuer die naechste Woche mit allem was wir uns nur wuenschen koennen. Eine sehr gewoehnungsbeduerftige, haeufig auch unangenehme Angelegenheit, sich so bedienen zu lassen. Aber wir fuehlen uns sehr wohl in unserem Uebergangszuhause.
Von dort aus erkunden wir mit unserem kundigen Fuehrer Juan Bogota - eine riesige(8 Mil.), unglaublich interessante Stadt mit vielen unterschiedlichen Seiten. In der Candelaria mischen wir uns unters alternative Volk, trinken Chicha, ein hausgemischtes Getraenk aus.. mmh wiess ich nicht mehr, aber lecker ist, und hoeren den STrassenerzaehlern zu - allerdings ohne viel zu verstehen. Unser Spanisch reicht dann doch nicht ganz fuer den spezifischen kolumbianischen Humor. Die kleinen kopfsteingepflasterten Gassen sind mit netten Bars gesaeumt, die Hauswaende uebersaeht von guten Graffitis, dazwischendrueberdrunter politische Aufrufe und Anspielungen. Ein wirklich entspannter, schoener Ort. Wir lernen, dass die Stadt die Spraydosen bezahlt, um den Kuenstlern bestimmer Gruppen das Sprayen zu ermoeglichen. Ausserdem soll so dafuer gesorgt werden, dass nur wirklich gutes an die Waende kommt. Ziemlich genial und innovativ, wie ich finde!
Im Norden, dem reichen Teil der Stadt (wo wir auch wohnen), gibt es Malls, die mit US-amerikanischen nur zu gut mithalten koennen, KLeidung ist sogar auch ein ganzes Stueck teurer als dort.
Dazwischen ganze Viertel, die so hip sind, dass sie ebensogut in New York City plaziert sein koennten, mit zahllosen in-Kneipen und teuren Restaurants.

Es ist eine Stadt, die wirklich immer wieder erstaunt (vor allem in den Augen zweier Westeuropaeer, die in Kolumbien als suedamerikanisches Land naiverweise doch noch eine ziemliche..dritte Welt Atmosphaere und ein viel weniger westliches Stadtbild und Lebensart erwarten). Auch auf der Suche nach Armut als Relativierung unseres fast ausschliesslich wohlhabenden Eindrucks werden wir nur mehr oder weniger fuendig: Wir fahren in den Sueden, den armen Teil der Stadt, aber auch dort gibt es noch stabile, robuste Steinhaeuser. Aus Costa Rica, Nicaragua und Panama anderes gewohnt, sind wir verwirrt und kommen uns dumm vor, weil wir so falsche ERwartungen und Vorstellungen haben. Aber anscheindend ist in Bogota die Armut wirklich nicht so gross, die laendlichen Gegenden sind das, was Kolumbien in den Armutsstatistiken so weit runter zieht.

Neben dem Sighseeing entdecken wir Bogota auch noch von einer anderen Seite. Juan nimmt uns mit zu seinen Freunden, die wir schnell kennen und lieben lernen. Schon am ersten Abend gehen wir in einer grossen Gruppe das traditionelle Spiel "Rana", das so traditionell ist, dass sogar die etwa 20-jaehrigen Bogotarinaer es noch nie gespielt haben. Es stellt sich heraus, dass das Spiel jede Menge Spass macht, FRancesca und ich erweisen uns als ziemlich talentierte Spielerinnen und werden gleich als Naturtalente ausgewiesen. Es ist ein unglaublich witziger Abend, auf den viele andere ebenso gute folgen, mal beim Feiern (wir einigen ujns auf einen Club, wo sowohl Elektro fuer uns laeuft als auch Salsa etc fuer die Latinos, denn wir koennen uns schlicht nicht gegenseitig die Freuden von alleinigem bzw. auf der anderen Seite Paartanz begreifbar machen), mal beim Gitarrespielen, singen und Feuerspucken, mal beim Kartenspielen (und trinken..), und immer mit den gleichen paar Leuten, mit denen wir uns super verstehen. Es macht Spass, mal wieder in so einem Freundeskeis unterwegs zu sein.
Ausserdem stellen wir fest, dass die Bewohner ihre Stadt lieben - so einen unglaublich begeisterten und ansteckenden Lojkalpatriotismus habe ich seltne erlebt (die Berliner sind dagegen eher moderat :).

Nach einer Woche heisst es tschuess sagen, zu Luisa, zu neuen Freunden, zu Juan, und auch endgueltig zu Lateinamerika. Der Gedanke laesst uns ein paar innerliche Traenchen vergiessen. Dieser Teil der Welt ist uns wirklich ans Herz gewachsen, und wir haben das Reisen hier unglaublich genossen, wozu nicht zuletzt beigtragen hat, dass wir mit den Latinos auf ihrer Sprache sprechen konnten. Auf diese Weise wurdenwir nicht so sehr als Touristen wahrgenommen, und auf eine ganz andere Art und Weise akzeptiert, dieser Faktor natuerlich abgesehen von unzaehligen interessanten und schoenen Gespraechen.
Wir troesten uns mit der Sicherheit, wiederzukommen, was schon fest eingeplant ist (irgendwann, irgendwie...), und setzen uns in den Flieger nach Australien.

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