Samstag, 19. Februar 2011

Faul sein ist wunderschoen...

Eine kleine Zusammenfassung unseres Lebens auf Koh Lanta, einer kleinen Insel an der Westkueste Thailands: Wir wohnen direkt am Strand, und zwar wortwoertlich (es sind keine 10m). Unser Quartier ist ein kleiner Bambusbungalow, durch dessen geflochtene Waende morgens die Sonne hereinfaellt und schoene Muster kreiert. Zeitweise haben wir ein Bad unter freiem Himmel, inklusive Bananenbaum und direkter Sonneneinstrahlung - eine allmorgendliche Freude. Fruehstuecken gehen wir meistens bei einer gnaz suessen und superlieben Frau, die uns immer mit den noetigen Tips versorgt und uns ueberhaupt erst zu unserem billigen Hotel verholfen hat - unter uns nennen wir sie nur noch "Freundin". Neben wichtigem Insiderwissen versorgt sie uns natuerlich vor allem mit gutem Thai-Essen, und ganz wichtig, mit frischen Fruchtshakes, eine Sache, die man ueberall in Thailand an jeder Ecke kaufen kann und die grosses Suchtpotenzial haben weil unglaublich erfrischend und lecker (mindestens zweimal am Tag ist sozusagen Pflichtverzehr).
Eine weitere Bekanntschaft, die wir im uebrigen auch Freundin zu verdanken haben, ist Hut-Yee Boat (dies ist sein Name), ein absolutes Original und mir scheint der Fadenzieher der ganzen Insel. Sie schickt uns zu ihm, weil wir eine billiger Unterkunft suchen, und obwohl seine Bungalows bezeichnenderweise alle voll sind, telefoniert er rum, bis er fuer uns das Passende gefunden hat. Seitdem gehen wir alle paar Tage mal bei ihm vorbei, werden sofort herangewunken und herzlich empfangen, es gibt Kaffee und Bananen und den neuesten Inseltalk, wobei Hut-Yee sicherlich Tickets anzubieten hat fuer dies Festival und jenes Konzert und diverse Bootstrips und und und.
Neben seiner unglaublich entspannten Art (wahrscheinlich auf ein bisschen zuviel Gras zurueckzufuehren :) ist vor allem sein Englisch ohnegleichen: Einer seiner Lieblingsausdruecke ist mittlerweile fester Bestandteil unseres Wortschatzes geworden - "No hep", bevorzugt mehrmals hintereinander und nachdruecklich festgestellt, soll heissen, dass es etwas nicht gibt, etwas nicht funktioniert, oder jemand weg ist, je nach kontext und ist abgeleitet von no have (was sich aber, glaubt mir, wirklich erst nach einiger Zeit und viel KOpfzerbechen erschliesst).

Ansonsten tun wir nicht viel, ganz nach dem Motto "Der Strand ist uns genug" verbringen wir ganze Tage nur durch essen unterbrochen dort, lesend oder schlafend oder schwimmend - letzteres natuerlich mit besonderer Freude, denn das Wasser ist wahnsinnig klar, angenehm temperiert und die Badefreude von nichts getruebt.
Wenn uns diese "Beschaeftigung" mal fuer eine Weile genuegt und wir nach Abwechslung duersten, mieten wir uns Motorroller und cruisen durch die Insel, halten mal hier mal da an abgelegenen Buchten fuer eine kleine Abkuehlung, begegnen des Oefteren Elefanten am Strassenrand und geniessen so richtig das Leben. (Ja, euch alle ein bisschen neidisch zu machen, macht mir schon Spass...)

Nach fast zwei Wochen treffen wir eine Lisa, Freundin von Francesca, und zwei zufaelig MItreisende, verbringen noch ein paar Tage mit ihnen auf KOh Lanta, bevor wir, zusammen mit Lisa Standortwechsel betreiben und nach Koh Pha Ngan fahren, eine Insel an der Ostkueste.

Hier sind wir nun und kommen grade von einem Strassenmarkt, auf dem es die verruecktesten Sachen zu essen gibt. Wir probieren uns natuerlich durch einen Grossteil durch :)

Neuerdings gibt es reisetechnisch eine PLanaenderung. Weil Francesca aus Geldgruenden (ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich es erwaehnt habe, aber ihr wurde ein ziemlicher grosser Teil ihres Geldes von ihrem Konto gestohlen - ein ganz ganz grosser Scheiss) frueher nach Hause faehrt, werde ich noch etwa einen Monat allein durch Indien weiterreisen. Das wird eine krasse Umstellung werden, ploetzlich FRancesca nicht mehr dabei zu haben, mit der ich ja nun seit 6 Monaten jeden Tag verbringe und alles mit ihr teile... Aber obwohl ich sie sicherlich zum Teil sehr vermissen werde, bin ich gspannt darauf, wie ich das Reisen allein empfinde. Ich glaube es hat viel Potenzial, nochmal eine sehr spannende, andere und gute Erfahrung zu sein, und ich freue mich drauf! (Auch wenn ich gleichzeitig ein bisschen Angst habe, ausgerechnet in Indien, dem schwierigsten der Stops, so ganz allein zu sein :) Wie spannend!!!

Mittwoch, 16. Februar 2011

Im Grossstadtgetuemmel

Am morgen nach unserer Ankunft in Bangkok wollen wir uns auf den Weg zur indischen Botschaft machen, um dort Francescas Visum zu beantragen. Kaum haben wir zwei Schritte getan, da werden wir voneiner Frau angesprochen, die uns wohl fuer hilfsbefuertig haelt, und erzaehlt uns, dass heute Chinesisches Neujahr ist, und aus dem Grund die Tempel in Bangkok kostenlos sind. Wir sind noch von unserem Glueck ganz berauscht, als sie ein Tuk-Tuk heranruft, mit dem Fahrer einen Deal ausmacht, und kurz darauf sitzen wir im Tuk-Tuk und verschieben kurzerhand unsere Plaene auf morgen, ersetzt durch eine verrueckte Fahrt mitten durch Bangkok in diesem Gefaehrt, wo man alles aus naechster Naehe und hautnah mitkriegt, inklusive einer grossen Portion hoechst Bangkok eigenen Smogs (und natuerlich ist man im Falle eines Unfalles naja sagen wir.. gearscht.). Wir haben den groessten Spass, die Stadt ist unglaublich schnell und voll und es gibt viel zu sehen, und ich glaube es gibt keinen besseren Weg, die Stadt zu erkunden (auch wenn man seinen Lungen danach ein paar Tage Pause goennen sollte).
Wir fahren von Tempel zu Tempel, einer beeindruckender, geschmueckter, kitschiger als der andere, aber alle wirklich schoen und faszinierend auf diese fremde, anziehende Art und Weise, die der Buddhismus (bei mir zumindest) mit sich bringt. Schon morgens haben wir in unserem Guesthouse beobachtet, wie ein riesiger Teller Essen, eine ganze gebratene Ganz inklusive Kopf, ganze Fruechte, Reis, alles was eben dazu gehoert und mehr als jeder der Besitzter essen wuerde (koennte, auch finanziell, schaetze ich), vor einen kleinen Buddhistischen Altar gestellt wurde. Fuer mich einfach immernoch unglaublich.

Am naechsten Tag fahren wir nach Chinatown. Leider sind die Feste und Auffuehrungen erst abends, wo wir schon wieder gen Sueden aufbrechen, aber auch so bietet sich ein ziemlich beeindruckendes Bild: Unter hunderten und aberhunderten roter chinesischer Laternen, die ueber die Strassen gespannt sind, hat sich eine riesige rotgekleidete Menge versammelt. Manche tragen nur rote T-shirts, aber viele haben sich ganz traditionell chinesisch angezogen, in chinesischen Kleidern aus roten Seidenstoffen mit den typischen Blumenmustern. An den Strassenseiten sind Staende mit den abgefahrensten Speisen aufgebaut. Leider koennen wir bei den meisten Sachen nicht heruasfinden, um was es sich handelt, denn Englisch spricht hier kaum jemand.
An grossen "Baeumen" kann man seine Neujahrswuensche, auf kleinen Karten verewigt, aufhaengen oder dem Koenig von Thailand schriftlich Gutes wuenschen.

Abends machen wir uns auf den Weg in den Sueden - die Insel ruft! - auf eine mal wieder lange Busfahrt. Wir sind unweigerlich beeindruckt von Bangkok, aber auch ein bisschen ausgelaugt, Reizueberflutung ist das Stichwort, und so sind wir froh uber eine kleine Pause von der Stadt, aber ich freue mich schon darauf, in ein paar Wochen wiederzukommen.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Die suedliche Haemisphaere oder Australien

Geplant sind also zwei Wochen in Melbourne - fuer den Rest reicht weder Geld noch Zeit. Dazu koennen wir es kaum erwarten, endlich in Asien anzukommen.
Dummerweise stellen wir ziemlich bald nach Ankunft fest, dass wir uns beide im Moment nicht auf Australien einlassen koennen. Zwischen unserem geliebten Suedamerika und dem heiss erwarteten Asien findet Australien einfach keinen rechten PLatz, wir finden es teuer und eher uninteressant, und obwohl wir wissen, dass wir dem Land unrecht tun, will es uns nicht so richtig gefallen. Wir buchen also den Flug vor, verkuerzen auf eine Woche, und nehmen uns vor, Australien spaeter im Leben eine richtige Chance geben werden, ausgestattet mit den noetigen Banknoten, um auch die abgelegenen Winkel und die sicherlich unglaubliche Natur sehen zu koennen.

Von unserem (30$pro Nacht) Hostel ziehen wir in ein Zimmer und haben gleich wieder eine Art Zuhause. Von dort aus erkunden wir Melbourne, eine in Wirklichkeit nicht uninteressante Stadt, mit Strand, viel Kultur, jeder Menge ueberhipper Leute und wirklich erstaunlich cooler und aussergewoehnlicher moderner Architektur. Allerdings ist sie klein, und es gibt nicht uebermaessig viel zu sehen, also reicht uns eine Woche voellig aus.
Bei der Fahrt in unser etwas abgelegeneres Zuhause wir immer wieder deutlich: Australien ist eine merkwuerdige Mischung aus Grossbritannien und den USA. Angefangen bei den Haeusern, die mal so britisch sind wie nur moeglich und mal eindeutig und himmelschreiend amerikanisch. Das Gleiche gilt fuer die Sprache, das Essen, und gewisse kulturelle Gewohnheiten.

Hier noch eine kleine Anerkdote zur Ironie des Schicksals: Zufaellig bleiben wir beim Zappen auf usnerem ganz eigenen Fernseher bei den Australian Open haengen, die natuerlich just in dieser Woche in Melbourne stattfindet, und es wird zum Teil des Tages, die Spiele mitzuverfolgen und mit unseren Favoriten mitzufiebern. Tickets sind natuerlich viel zu teuer, aber spaeter entdecken wir eine Art Public Viewing: Auf einem ziemlich gut designten oeffentlichen PLatz gibt es einhe riesige Leinwand, davor Liegestuehle. Wir haben unser Paradies gefunden, geniessen die Sonne, waehrend wir auf das Spiel warten. Es kommt ein Maedchen vorbei und bietet uns als Werbegeschenk einen kleinen Ventilator an (obwohl es arschkalt ist - apropos australischer Sommer, entweder ist unser Waermeempfinden mittlerweile voellig gestoert, oder das ganze Gerede von der grossen Hitze ist eine grosse fette Luege! :), den wir nicht wollen und dankend ablehnen. Nur ein paar Sekunden spaeter kommt ein Mann zu uns und redet etwas von Tickets fuer heute Abend, aber ohne in richtig ausreden zu lassen verneinen wir gleich, ganz nach der Manier, wie wir sie uns in Latinoamerika angewoehnt haben (fuer Taxifahrer, Brillenverkauefer etc.). Nur fuenf Sekunden spaeter wird uns unser Fehler bewusst, als er naemlich zu einer Gruppe neben uns geht und die TICKETS FUER DAS VERDAMMTE HALBFINALE DER AUSTRALIAN OPEN HEUTE ABEND ihnen anbietet, die natuerlich gleich aufspringen und das Geschenk dankbar annehmen. Es ist leicht, sich vorzustellen, wie wir uns in den Arsch haetten beissen koennen im Angesicht dessen, was wir haetten haben koennen! Das Spiel live im Stadium zu sehen, auf sicherlich keienen schlechten Plaetzen, fuer nichts ausser ein bisschen laenger zu hoeren!
Naja, so ist das Leben, und spaeter konnten wir dann auch wieder ueber uns selbst und unsere Dummheit lachen, und waren uns einig: Zu lang in Suedamerika zu bleiben kann auch seine Nachteile haben :)

Dienstag, 8. Februar 2011

Bogota!

Die Ankunft in Bogota ist verbunden mit grossem emotionalen Aufruhr: Nachdem ich Juan in die Arme falle, der uns trotz der spaeten Stunde noch abholt (danke!) und ueber den wiederzusehen ich mich wirklich freue, renne ich 20 Minuten spaeter voellig unerwartet auf Luisa zu - ihr koennt euch allesamt vorstelllen, was das fuer ein freudenfest war: ein aufregender und schoener Abend.
UNd auch abgesehen von den sozialen Freuden der Stunde geht es uns gut. Die Wohung unseres Gastgebers Juan bietet neben Heimeligkeit vor allem Luxus. Wir haben ein eigenes Zimmer mit Bad und heissem Wasser!!
Mit Luisa und ein paar anderen Freiwilligen sprechen wir ueber deren Wohnsituation, alle haben sie Bedienstete bzw. Haushaelterinnen, die kochen und fuer sie aufraeumen tec. Fuer uns erstaunlich, und auch ein bisschen komisch.
In den reichen Familien scheint das in Kolumbien Gang unhd Gaebe. Hermi wohnt seit 20 Jahren bei Garcia-Sossas (unseren Gastgebern) und versorgt uns fuer die naechste Woche mit allem was wir uns nur wuenschen koennen. Eine sehr gewoehnungsbeduerftige, haeufig auch unangenehme Angelegenheit, sich so bedienen zu lassen. Aber wir fuehlen uns sehr wohl in unserem Uebergangszuhause.
Von dort aus erkunden wir mit unserem kundigen Fuehrer Juan Bogota - eine riesige(8 Mil.), unglaublich interessante Stadt mit vielen unterschiedlichen Seiten. In der Candelaria mischen wir uns unters alternative Volk, trinken Chicha, ein hausgemischtes Getraenk aus.. mmh wiess ich nicht mehr, aber lecker ist, und hoeren den STrassenerzaehlern zu - allerdings ohne viel zu verstehen. Unser Spanisch reicht dann doch nicht ganz fuer den spezifischen kolumbianischen Humor. Die kleinen kopfsteingepflasterten Gassen sind mit netten Bars gesaeumt, die Hauswaende uebersaeht von guten Graffitis, dazwischendrueberdrunter politische Aufrufe und Anspielungen. Ein wirklich entspannter, schoener Ort. Wir lernen, dass die Stadt die Spraydosen bezahlt, um den Kuenstlern bestimmer Gruppen das Sprayen zu ermoeglichen. Ausserdem soll so dafuer gesorgt werden, dass nur wirklich gutes an die Waende kommt. Ziemlich genial und innovativ, wie ich finde!
Im Norden, dem reichen Teil der Stadt (wo wir auch wohnen), gibt es Malls, die mit US-amerikanischen nur zu gut mithalten koennen, KLeidung ist sogar auch ein ganzes Stueck teurer als dort.
Dazwischen ganze Viertel, die so hip sind, dass sie ebensogut in New York City plaziert sein koennten, mit zahllosen in-Kneipen und teuren Restaurants.

Es ist eine Stadt, die wirklich immer wieder erstaunt (vor allem in den Augen zweier Westeuropaeer, die in Kolumbien als suedamerikanisches Land naiverweise doch noch eine ziemliche..dritte Welt Atmosphaere und ein viel weniger westliches Stadtbild und Lebensart erwarten). Auch auf der Suche nach Armut als Relativierung unseres fast ausschliesslich wohlhabenden Eindrucks werden wir nur mehr oder weniger fuendig: Wir fahren in den Sueden, den armen Teil der Stadt, aber auch dort gibt es noch stabile, robuste Steinhaeuser. Aus Costa Rica, Nicaragua und Panama anderes gewohnt, sind wir verwirrt und kommen uns dumm vor, weil wir so falsche ERwartungen und Vorstellungen haben. Aber anscheindend ist in Bogota die Armut wirklich nicht so gross, die laendlichen Gegenden sind das, was Kolumbien in den Armutsstatistiken so weit runter zieht.

Neben dem Sighseeing entdecken wir Bogota auch noch von einer anderen Seite. Juan nimmt uns mit zu seinen Freunden, die wir schnell kennen und lieben lernen. Schon am ersten Abend gehen wir in einer grossen Gruppe das traditionelle Spiel "Rana", das so traditionell ist, dass sogar die etwa 20-jaehrigen Bogotarinaer es noch nie gespielt haben. Es stellt sich heraus, dass das Spiel jede Menge Spass macht, FRancesca und ich erweisen uns als ziemlich talentierte Spielerinnen und werden gleich als Naturtalente ausgewiesen. Es ist ein unglaublich witziger Abend, auf den viele andere ebenso gute folgen, mal beim Feiern (wir einigen ujns auf einen Club, wo sowohl Elektro fuer uns laeuft als auch Salsa etc fuer die Latinos, denn wir koennen uns schlicht nicht gegenseitig die Freuden von alleinigem bzw. auf der anderen Seite Paartanz begreifbar machen), mal beim Gitarrespielen, singen und Feuerspucken, mal beim Kartenspielen (und trinken..), und immer mit den gleichen paar Leuten, mit denen wir uns super verstehen. Es macht Spass, mal wieder in so einem Freundeskeis unterwegs zu sein.
Ausserdem stellen wir fest, dass die Bewohner ihre Stadt lieben - so einen unglaublich begeisterten und ansteckenden Lojkalpatriotismus habe ich seltne erlebt (die Berliner sind dagegen eher moderat :).

Nach einer Woche heisst es tschuess sagen, zu Luisa, zu neuen Freunden, zu Juan, und auch endgueltig zu Lateinamerika. Der Gedanke laesst uns ein paar innerliche Traenchen vergiessen. Dieser Teil der Welt ist uns wirklich ans Herz gewachsen, und wir haben das Reisen hier unglaublich genossen, wozu nicht zuletzt beigtragen hat, dass wir mit den Latinos auf ihrer Sprache sprechen konnten. Auf diese Weise wurdenwir nicht so sehr als Touristen wahrgenommen, und auf eine ganz andere Art und Weise akzeptiert, dieser Faktor natuerlich abgesehen von unzaehligen interessanten und schoenen Gespraechen.
Wir troesten uns mit der Sicherheit, wiederzukommen, was schon fest eingeplant ist (irgendwann, irgendwie...), und setzen uns in den Flieger nach Australien.

Freitag, 28. Januar 2011

Kolumbien, oh Kolumbien

Kolumbien - fuer viele wahrscheinlich kein Land, in das man freiwillig reisen wuerde. Denn: Was verbindet man mit Kolumbien? Stichworte wie Kokain und Farq springen ins Bewusstsein.
UNs stoert das wenig und wir fliegen ohne Scheu gen Barranquilla.
Am Flughafen werden wir herzlich in Emfang genommen von zwei sympathischen Flughafenangestellten, die unsere Paesse kontrollieren und sich aus reinem Interesse an unseren Plaenen (nicht unserer Weiblichkeit) mit uns unterhalten. Und auch in der Ankunftshalle, die wir zu unserem Schlafplatz auserkeren (aus irgendeinem Grund ist Barranquilla nicht mit erschwinglichen UNterkuenften ausgestattet), ernennt sich Marlon vom Bodenpersonal sogleich zu unserem persoenlichen Schutzengel, der alle halbe Stunde vorbeikommt, um auch ja sicherzugehen, dass uns nichts passiert ist. Spaeter sorgt er dafuer, dass wir wohlbehalten vom Flughafen zum Busbahnhof kommen, indem er uns eigenhaendig in ein Taxi setzt :)
Wir sind ziemlich begeistert von der Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit der Leute hier. Es scheint, alsl muessten wir uns fast anstrengen, damit uns bei der Fuersorglichkeit der Kolumbianer auch nur ein Haar gekruemmt werden koennte. Wir fuehlen uns sicher, mindestens genauso sehr wie in Costa Rica oder Nicaragua.

Wir haben zwei Wochen in einem Land, an dessen schiere Ausmasse wir uns nach so langer Zeit im beschaulichen Coista Rica erstmal gewoehnen muessen. Die Zeit ist zugegebenermassen mehr als knapp, also machen wir uns auf auf ein kleines Wettrennen gegen die Zeit, erster Stopp: Parque Tayrona, ein Nationalpark an der Karibik, der der allgemeinen Vorstellung vom Paradies gefaehrlich nah kommt (gefaehrlich deshalb, weil er zum Bleiben verlockt. Tuerkisblaue Karibikstraende, Palmenhaine, Urwald, was will man mehr??
Der Tag im Paradies ist schnell um, und so treten wir mit unseren Rucksaecken auf dem Ruecken die 2 Stunden Rueckweg durch den Urwald an - trotz des laestigen Gepaecks eine coole Tour. (Photos vopm Park hat die liebe Francesca hochgeladen. Ja, sie ist da ein bisschen weniger faul als ich...)

Ziel Nr. 2: Die beruehmte Kolonialstadt Cartagena. Wir spazieren durch die Altstadt, anfaenglich etwas skeptisch, da uebersaettigt von Kolonialstaedten. Doch wir werden ueberrascht, Cartagena ist wunderschoen, von vorne bis hinten kitschig-romantisch-Postkarten-wunderschoen, auch und im Vergleich zu anderen aehnlichen Staedten. Attribut 'schoen', aber nicht unbedingt 'intyeressant', weshalb wir uns schon nach einem Tag auf die weite Reise nach Medellin machen. 16 Stunden Busfahrt in einem eiskalten Bus - man mag es kaum glauben, aber es scheint als haetten die Latinos die Sache mit der Klimaanlage noch weniger raus als die Amis.
Die Busfahrt fuehrt durch teils fast unbewohnte Gebiete, riesige, undurchdringliche Waelder rundrum. Am Starssenrand alle paar Kilometer die Aufforderung an die Bevoelkerung, sich ans Militaer zu wenden, sollten sie die Guerilla gesehen haben.
Schlagartig wir mir wieder in Erinnerung gerufen, dass wir uns in einem Land befinden, in dem noch vor wenigen Jahren regelmaessig Busse von Guerillas ueberfallen wurden - sicherlich auch auf dieser Strecke. Es gibt diese Momente in Kolumbien. Zum Beispiel, als Francesca im Bus von ihrem Sitznachbarn geraten wird, sich nicht am Fenster zu zeigen, das mache die Wahrscheinlichkeit, das der Bus ueberfallen werde, so viel groesser (Blond=Gringo=Geld!). Oder auch die (seltenen) Polizeikontrollen im Bus, wo fuer 10Minuten angehalten wird, damit ein paar erstaunlich junger Polizeibeamter die Ausweise (ausschliesslich der Maenner!) erfragen, um sie zu ueberpruefen. Oder auch die Tatsache, dass in einigen Bussen jeder Passgier einzeln kurz gefilmt wird, was, wie wir spaeter erfahren, nicht zur Sicherheit der Passagiere beitragen, sondern schlicht die Arbeit der Kriminalpolizei bei der Identifizierung etwaiger Leichen erleichtern soll.
Es gibt sie, diese Momente. Sie sind sehr selten, und das Gesamtbild, die gesamte Atmosphaere bleibt davon letzlich unberuehrt. Nach wie vor fuehlen wir uns sicher.

Medellin ist schoen, aber vor allem interessant gebaut. Sie ist die drittgreosste Stadt Kolumbiens, aber das Tal, in das sie gebaut wurde, ist klein. Heraus kommt eine SDtadt, die sich zu grossen Teilen auf den umliegenden Huegeln erstreckt, die Haeuser an die nicht wenig steilen Flanken geheftet, die Styrassen verbunden mit zahllosen Treppen. Mit einer Seilbahn kann man ueber diese Viertel hinweg fahren - ein erstaunlicher Anblick (mich persoenlich erinnert es ein bisschen an Minas Tirith haehae ;)

Fortsetzung folgt. Naechste Folge: Bogota

Dienstag, 18. Januar 2011

Ach wie schoen ist Panama...

Am Flughafen in Panama City angekommen, nehmen wir einen der buntbemalten Busse (die Fahrt kostet $0,25, selbst sollte sie 2 Stunden dauern) in das historische Stadtviertel Casco Viejo, wo unser Hostel der Wahl liegt.
Kaum aus dem Bus ausgestiegen und einige Schritte in die scheinbar richtige Richtung getan, kommen uns auf der Strasse voellig aufgeregte Menschen hinterhergelaufen, "Dreht sofort um, nein, nicht hierher, es ist gefaehrlich!" Ihre Eindringlichkeit und ihre geweiteten Augen verraten uns, dass wir in einer wirklich gefaehrlichen Ecke sein muessen, und uns wird ein bisschen mulmig. Ein kleiner alter Mann begleitet uns weiter, bis er uns sicher waehnt.
Kein guter Anfang fuer uns und Panama City. Ploetzlich vermisse ich das so bekannte und gewohnte Costa Rica, in dem wir uns schon so sicher und zu Hause gefuehlt haben, weil wir Land, Leute und Staedte kannten.
Schon am naechsten Tag fuehlen wir uns viel sicherer und machen uns auf, die Stadt ein bisschen kennenzulernen. Entgegen all unserer (ignoranten) Erwartungen ist die Stadt ein Steuerparadies und (somit) das groesste Finanzzentrum Zentralamerikas mit einer ziemlich beeindruckenden Skyline und einer sehr kosmopolitischen Ausstrahlung. Doch zwischen Einkaufszentren und Hochhaeusern sieht man Frauen in ihren traditionellen Gewaendern ein- und ausgehen: Bunte Stoffe mit typisch panamanischen Mustern, die zu knielangen Roecken gebunden werden, kombiniert mit einer Art Fussbaendern, die aber fast die gesamten Unterschenkel bedecken. Sie strahlen eine gewisse Weisheit aus, auch wenn sie zum Teil noch sehr jung sind, und es faellt manchmal wirklich schwer, nicht zu starren - sie sind wirklich schoen, faszinierend. Die Maenner an ihren Seiten dagegen tragen Jeans und T-Shirts. Eine merkwuerdige Kombination.

Casco Viejo mit seinen alten, zum Grossteil baufaelligen Kolonialbauten ist auf eine raue, alte Art und Weise sehr schoen, und es macht Spass, in die Tueroeffnungen der Ruinen zu schauen und sich vorzustellen, was dort wohl fuer ein Leben stattgefunden hat, bevor sie mit Efeu und diversen Straeuchern bevoelkert wurden.
Trotzdem bleibt immer ein kleiner Nervenkitzel, wenn man sich an die Raender dieses Viertels bewegt, an das der gefaehrlichste Teil Panama Citys grenzt (mit dem wir ja schon gleich zu Anfang Bekanntschaft gemacht haben).

Unser Plan, von der Kueste Panamas nach Kolumbien zu segeln, scheitert an den Wetterbedingungen, die den Atlantik im Januar zu einer ziemlich aufgewirbelten Menge Wasser macht, und an unserer Angst, zwei oder mehr Tage unseres Lebens kotzend zu verbringen. Also fliegen wir.

Montag, 17. Januar 2011

Goodbye, farewell...

Ein letztes Mal machen wir uns mit unserem Fortbewegeungsmittel - "en rey", also trampend - auf den Weg nach Montezuma: Ein winzig kleines Dorf an der Costa Ricanischen Pazifikkueste, das wegen der es umgebenden Berge trotz der Touristenstuerme seit Jahren nicht gewachsen ist. Wer sich jetzt einen typischen Ferienort mit riesigen Hotelanlagen vorstellt, liegt aber falsch. Montezuma mit seinen kleinen, gemuetlichen Hotels und vegetarianischen Restaurants, in denen manchmal auch Yogastunden angeboten werden, hat einen sehr eigenen, aber einnehmenden Charme. Zwischen eher wenigen Pauschaltouristen findet man viele Einheimische, aber vor allem Reisende, die dort fuer eine Zeit haengenbleiben, um Strand und Sonne und die entspannte Atmosphaere zu geniessen.

Wir richten uns mit unserem kleinen, schon ziemlich ramponierten Zelt direkt am Strand ein - so muessen wir nichts zahlen, koennen aber trotzdem Toiletten und Duschen vom Campingplatz mitbenutzen (obwohl sich dessen Besitzer dieser Situation sicher nicht allzu sehr erfreuen wird ;)
Die zwei Tage bis Silvester vergehen schnell, unsere Haut gleicht sich mehr und mehr der der Einheimischen an und wir werden Profis im Wellenreiten.
Bei einem kleinen Trip zu einem traumhaften Wasserfall in der Naehe ueberwinde ich meine Angst und springe tatsaechlich von einem ueber zehn Meter hohen Wasserfall in das Becken darunter! Wahrscheinlich sollte ich das Folgende aus Selbstschutz lieber nicht erwaehnen, aber wo bliebe da der Spass... Also, das Problem ist schliesslich, dass ich, wahrscheinlich aufgrund fehlender vorhergehender Uebung im Hohe-Sachen-runterspringen, ein wenig sehr falsch im Wasser aufgekommen bin. Jeder der mit der Tendenz meiner Haut, sehr leicht blaue Flecken zu erzeugen, vertraut ist, kann sich die schweren Folgen vorstellen: Fuer die naechste Woche muss man mich fuer eine bemitleidenswerte Frau gehalten haben, die man gnadenlos verpruegelt hat. Nicht schwer zu erahnen, dass ich aber zumindest von meinen Freunden kein Mitleid, sondern vielmehr Spott zu erwarten hatte - ich war also tagelang der Grund fuer ausgedehnte Lachanfaelle.

An Silvester selbst beginnen wir den Abend gemuetlich mit einem Lagerfeuer am Strand, mit gegrillten Sandwiches und gutem Rum.
Spaeter mischen wir uns unters Volk, das auf der Strasse zu Trommelmusik tanzend auf den Jahreswechsel hinarbeitet.
Francesca und ich machen uns einen Spass daraus, am Strassenrand die Leute zu beobachten, eine der interessantesten Angelegenheiten in einem Dorf, in dem sich Alternative mit Gringos mit urlaubenden Einheimischen mischen.
Am naechsten Morgen verlassen wir Montezuma und Costa Rica, unser Zuhause fuer drei Monate - ein bisschen komisch ist es schon, und vor allem der Abschied von den Leuten faellt nicht leicht. Ich werde es vermissen.