Donnerstag, 10. Februar 2011

Die suedliche Haemisphaere oder Australien

Geplant sind also zwei Wochen in Melbourne - fuer den Rest reicht weder Geld noch Zeit. Dazu koennen wir es kaum erwarten, endlich in Asien anzukommen.
Dummerweise stellen wir ziemlich bald nach Ankunft fest, dass wir uns beide im Moment nicht auf Australien einlassen koennen. Zwischen unserem geliebten Suedamerika und dem heiss erwarteten Asien findet Australien einfach keinen rechten PLatz, wir finden es teuer und eher uninteressant, und obwohl wir wissen, dass wir dem Land unrecht tun, will es uns nicht so richtig gefallen. Wir buchen also den Flug vor, verkuerzen auf eine Woche, und nehmen uns vor, Australien spaeter im Leben eine richtige Chance geben werden, ausgestattet mit den noetigen Banknoten, um auch die abgelegenen Winkel und die sicherlich unglaubliche Natur sehen zu koennen.

Von unserem (30$pro Nacht) Hostel ziehen wir in ein Zimmer und haben gleich wieder eine Art Zuhause. Von dort aus erkunden wir Melbourne, eine in Wirklichkeit nicht uninteressante Stadt, mit Strand, viel Kultur, jeder Menge ueberhipper Leute und wirklich erstaunlich cooler und aussergewoehnlicher moderner Architektur. Allerdings ist sie klein, und es gibt nicht uebermaessig viel zu sehen, also reicht uns eine Woche voellig aus.
Bei der Fahrt in unser etwas abgelegeneres Zuhause wir immer wieder deutlich: Australien ist eine merkwuerdige Mischung aus Grossbritannien und den USA. Angefangen bei den Haeusern, die mal so britisch sind wie nur moeglich und mal eindeutig und himmelschreiend amerikanisch. Das Gleiche gilt fuer die Sprache, das Essen, und gewisse kulturelle Gewohnheiten.

Hier noch eine kleine Anerkdote zur Ironie des Schicksals: Zufaellig bleiben wir beim Zappen auf usnerem ganz eigenen Fernseher bei den Australian Open haengen, die natuerlich just in dieser Woche in Melbourne stattfindet, und es wird zum Teil des Tages, die Spiele mitzuverfolgen und mit unseren Favoriten mitzufiebern. Tickets sind natuerlich viel zu teuer, aber spaeter entdecken wir eine Art Public Viewing: Auf einem ziemlich gut designten oeffentlichen PLatz gibt es einhe riesige Leinwand, davor Liegestuehle. Wir haben unser Paradies gefunden, geniessen die Sonne, waehrend wir auf das Spiel warten. Es kommt ein Maedchen vorbei und bietet uns als Werbegeschenk einen kleinen Ventilator an (obwohl es arschkalt ist - apropos australischer Sommer, entweder ist unser Waermeempfinden mittlerweile voellig gestoert, oder das ganze Gerede von der grossen Hitze ist eine grosse fette Luege! :), den wir nicht wollen und dankend ablehnen. Nur ein paar Sekunden spaeter kommt ein Mann zu uns und redet etwas von Tickets fuer heute Abend, aber ohne in richtig ausreden zu lassen verneinen wir gleich, ganz nach der Manier, wie wir sie uns in Latinoamerika angewoehnt haben (fuer Taxifahrer, Brillenverkauefer etc.). Nur fuenf Sekunden spaeter wird uns unser Fehler bewusst, als er naemlich zu einer Gruppe neben uns geht und die TICKETS FUER DAS VERDAMMTE HALBFINALE DER AUSTRALIAN OPEN HEUTE ABEND ihnen anbietet, die natuerlich gleich aufspringen und das Geschenk dankbar annehmen. Es ist leicht, sich vorzustellen, wie wir uns in den Arsch haetten beissen koennen im Angesicht dessen, was wir haetten haben koennen! Das Spiel live im Stadium zu sehen, auf sicherlich keienen schlechten Plaetzen, fuer nichts ausser ein bisschen laenger zu hoeren!
Naja, so ist das Leben, und spaeter konnten wir dann auch wieder ueber uns selbst und unsere Dummheit lachen, und waren uns einig: Zu lang in Suedamerika zu bleiben kann auch seine Nachteile haben :)

Dienstag, 8. Februar 2011

Bogota!

Die Ankunft in Bogota ist verbunden mit grossem emotionalen Aufruhr: Nachdem ich Juan in die Arme falle, der uns trotz der spaeten Stunde noch abholt (danke!) und ueber den wiederzusehen ich mich wirklich freue, renne ich 20 Minuten spaeter voellig unerwartet auf Luisa zu - ihr koennt euch allesamt vorstelllen, was das fuer ein freudenfest war: ein aufregender und schoener Abend.
UNd auch abgesehen von den sozialen Freuden der Stunde geht es uns gut. Die Wohung unseres Gastgebers Juan bietet neben Heimeligkeit vor allem Luxus. Wir haben ein eigenes Zimmer mit Bad und heissem Wasser!!
Mit Luisa und ein paar anderen Freiwilligen sprechen wir ueber deren Wohnsituation, alle haben sie Bedienstete bzw. Haushaelterinnen, die kochen und fuer sie aufraeumen tec. Fuer uns erstaunlich, und auch ein bisschen komisch.
In den reichen Familien scheint das in Kolumbien Gang unhd Gaebe. Hermi wohnt seit 20 Jahren bei Garcia-Sossas (unseren Gastgebern) und versorgt uns fuer die naechste Woche mit allem was wir uns nur wuenschen koennen. Eine sehr gewoehnungsbeduerftige, haeufig auch unangenehme Angelegenheit, sich so bedienen zu lassen. Aber wir fuehlen uns sehr wohl in unserem Uebergangszuhause.
Von dort aus erkunden wir mit unserem kundigen Fuehrer Juan Bogota - eine riesige(8 Mil.), unglaublich interessante Stadt mit vielen unterschiedlichen Seiten. In der Candelaria mischen wir uns unters alternative Volk, trinken Chicha, ein hausgemischtes Getraenk aus.. mmh wiess ich nicht mehr, aber lecker ist, und hoeren den STrassenerzaehlern zu - allerdings ohne viel zu verstehen. Unser Spanisch reicht dann doch nicht ganz fuer den spezifischen kolumbianischen Humor. Die kleinen kopfsteingepflasterten Gassen sind mit netten Bars gesaeumt, die Hauswaende uebersaeht von guten Graffitis, dazwischendrueberdrunter politische Aufrufe und Anspielungen. Ein wirklich entspannter, schoener Ort. Wir lernen, dass die Stadt die Spraydosen bezahlt, um den Kuenstlern bestimmer Gruppen das Sprayen zu ermoeglichen. Ausserdem soll so dafuer gesorgt werden, dass nur wirklich gutes an die Waende kommt. Ziemlich genial und innovativ, wie ich finde!
Im Norden, dem reichen Teil der Stadt (wo wir auch wohnen), gibt es Malls, die mit US-amerikanischen nur zu gut mithalten koennen, KLeidung ist sogar auch ein ganzes Stueck teurer als dort.
Dazwischen ganze Viertel, die so hip sind, dass sie ebensogut in New York City plaziert sein koennten, mit zahllosen in-Kneipen und teuren Restaurants.

Es ist eine Stadt, die wirklich immer wieder erstaunt (vor allem in den Augen zweier Westeuropaeer, die in Kolumbien als suedamerikanisches Land naiverweise doch noch eine ziemliche..dritte Welt Atmosphaere und ein viel weniger westliches Stadtbild und Lebensart erwarten). Auch auf der Suche nach Armut als Relativierung unseres fast ausschliesslich wohlhabenden Eindrucks werden wir nur mehr oder weniger fuendig: Wir fahren in den Sueden, den armen Teil der Stadt, aber auch dort gibt es noch stabile, robuste Steinhaeuser. Aus Costa Rica, Nicaragua und Panama anderes gewohnt, sind wir verwirrt und kommen uns dumm vor, weil wir so falsche ERwartungen und Vorstellungen haben. Aber anscheindend ist in Bogota die Armut wirklich nicht so gross, die laendlichen Gegenden sind das, was Kolumbien in den Armutsstatistiken so weit runter zieht.

Neben dem Sighseeing entdecken wir Bogota auch noch von einer anderen Seite. Juan nimmt uns mit zu seinen Freunden, die wir schnell kennen und lieben lernen. Schon am ersten Abend gehen wir in einer grossen Gruppe das traditionelle Spiel "Rana", das so traditionell ist, dass sogar die etwa 20-jaehrigen Bogotarinaer es noch nie gespielt haben. Es stellt sich heraus, dass das Spiel jede Menge Spass macht, FRancesca und ich erweisen uns als ziemlich talentierte Spielerinnen und werden gleich als Naturtalente ausgewiesen. Es ist ein unglaublich witziger Abend, auf den viele andere ebenso gute folgen, mal beim Feiern (wir einigen ujns auf einen Club, wo sowohl Elektro fuer uns laeuft als auch Salsa etc fuer die Latinos, denn wir koennen uns schlicht nicht gegenseitig die Freuden von alleinigem bzw. auf der anderen Seite Paartanz begreifbar machen), mal beim Gitarrespielen, singen und Feuerspucken, mal beim Kartenspielen (und trinken..), und immer mit den gleichen paar Leuten, mit denen wir uns super verstehen. Es macht Spass, mal wieder in so einem Freundeskeis unterwegs zu sein.
Ausserdem stellen wir fest, dass die Bewohner ihre Stadt lieben - so einen unglaublich begeisterten und ansteckenden Lojkalpatriotismus habe ich seltne erlebt (die Berliner sind dagegen eher moderat :).

Nach einer Woche heisst es tschuess sagen, zu Luisa, zu neuen Freunden, zu Juan, und auch endgueltig zu Lateinamerika. Der Gedanke laesst uns ein paar innerliche Traenchen vergiessen. Dieser Teil der Welt ist uns wirklich ans Herz gewachsen, und wir haben das Reisen hier unglaublich genossen, wozu nicht zuletzt beigtragen hat, dass wir mit den Latinos auf ihrer Sprache sprechen konnten. Auf diese Weise wurdenwir nicht so sehr als Touristen wahrgenommen, und auf eine ganz andere Art und Weise akzeptiert, dieser Faktor natuerlich abgesehen von unzaehligen interessanten und schoenen Gespraechen.
Wir troesten uns mit der Sicherheit, wiederzukommen, was schon fest eingeplant ist (irgendwann, irgendwie...), und setzen uns in den Flieger nach Australien.

Freitag, 28. Januar 2011

Kolumbien, oh Kolumbien

Kolumbien - fuer viele wahrscheinlich kein Land, in das man freiwillig reisen wuerde. Denn: Was verbindet man mit Kolumbien? Stichworte wie Kokain und Farq springen ins Bewusstsein.
UNs stoert das wenig und wir fliegen ohne Scheu gen Barranquilla.
Am Flughafen werden wir herzlich in Emfang genommen von zwei sympathischen Flughafenangestellten, die unsere Paesse kontrollieren und sich aus reinem Interesse an unseren Plaenen (nicht unserer Weiblichkeit) mit uns unterhalten. Und auch in der Ankunftshalle, die wir zu unserem Schlafplatz auserkeren (aus irgendeinem Grund ist Barranquilla nicht mit erschwinglichen UNterkuenften ausgestattet), ernennt sich Marlon vom Bodenpersonal sogleich zu unserem persoenlichen Schutzengel, der alle halbe Stunde vorbeikommt, um auch ja sicherzugehen, dass uns nichts passiert ist. Spaeter sorgt er dafuer, dass wir wohlbehalten vom Flughafen zum Busbahnhof kommen, indem er uns eigenhaendig in ein Taxi setzt :)
Wir sind ziemlich begeistert von der Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit der Leute hier. Es scheint, alsl muessten wir uns fast anstrengen, damit uns bei der Fuersorglichkeit der Kolumbianer auch nur ein Haar gekruemmt werden koennte. Wir fuehlen uns sicher, mindestens genauso sehr wie in Costa Rica oder Nicaragua.

Wir haben zwei Wochen in einem Land, an dessen schiere Ausmasse wir uns nach so langer Zeit im beschaulichen Coista Rica erstmal gewoehnen muessen. Die Zeit ist zugegebenermassen mehr als knapp, also machen wir uns auf auf ein kleines Wettrennen gegen die Zeit, erster Stopp: Parque Tayrona, ein Nationalpark an der Karibik, der der allgemeinen Vorstellung vom Paradies gefaehrlich nah kommt (gefaehrlich deshalb, weil er zum Bleiben verlockt. Tuerkisblaue Karibikstraende, Palmenhaine, Urwald, was will man mehr??
Der Tag im Paradies ist schnell um, und so treten wir mit unseren Rucksaecken auf dem Ruecken die 2 Stunden Rueckweg durch den Urwald an - trotz des laestigen Gepaecks eine coole Tour. (Photos vopm Park hat die liebe Francesca hochgeladen. Ja, sie ist da ein bisschen weniger faul als ich...)

Ziel Nr. 2: Die beruehmte Kolonialstadt Cartagena. Wir spazieren durch die Altstadt, anfaenglich etwas skeptisch, da uebersaettigt von Kolonialstaedten. Doch wir werden ueberrascht, Cartagena ist wunderschoen, von vorne bis hinten kitschig-romantisch-Postkarten-wunderschoen, auch und im Vergleich zu anderen aehnlichen Staedten. Attribut 'schoen', aber nicht unbedingt 'intyeressant', weshalb wir uns schon nach einem Tag auf die weite Reise nach Medellin machen. 16 Stunden Busfahrt in einem eiskalten Bus - man mag es kaum glauben, aber es scheint als haetten die Latinos die Sache mit der Klimaanlage noch weniger raus als die Amis.
Die Busfahrt fuehrt durch teils fast unbewohnte Gebiete, riesige, undurchdringliche Waelder rundrum. Am Starssenrand alle paar Kilometer die Aufforderung an die Bevoelkerung, sich ans Militaer zu wenden, sollten sie die Guerilla gesehen haben.
Schlagartig wir mir wieder in Erinnerung gerufen, dass wir uns in einem Land befinden, in dem noch vor wenigen Jahren regelmaessig Busse von Guerillas ueberfallen wurden - sicherlich auch auf dieser Strecke. Es gibt diese Momente in Kolumbien. Zum Beispiel, als Francesca im Bus von ihrem Sitznachbarn geraten wird, sich nicht am Fenster zu zeigen, das mache die Wahrscheinlichkeit, das der Bus ueberfallen werde, so viel groesser (Blond=Gringo=Geld!). Oder auch die (seltenen) Polizeikontrollen im Bus, wo fuer 10Minuten angehalten wird, damit ein paar erstaunlich junger Polizeibeamter die Ausweise (ausschliesslich der Maenner!) erfragen, um sie zu ueberpruefen. Oder auch die Tatsache, dass in einigen Bussen jeder Passgier einzeln kurz gefilmt wird, was, wie wir spaeter erfahren, nicht zur Sicherheit der Passagiere beitragen, sondern schlicht die Arbeit der Kriminalpolizei bei der Identifizierung etwaiger Leichen erleichtern soll.
Es gibt sie, diese Momente. Sie sind sehr selten, und das Gesamtbild, die gesamte Atmosphaere bleibt davon letzlich unberuehrt. Nach wie vor fuehlen wir uns sicher.

Medellin ist schoen, aber vor allem interessant gebaut. Sie ist die drittgreosste Stadt Kolumbiens, aber das Tal, in das sie gebaut wurde, ist klein. Heraus kommt eine SDtadt, die sich zu grossen Teilen auf den umliegenden Huegeln erstreckt, die Haeuser an die nicht wenig steilen Flanken geheftet, die Styrassen verbunden mit zahllosen Treppen. Mit einer Seilbahn kann man ueber diese Viertel hinweg fahren - ein erstaunlicher Anblick (mich persoenlich erinnert es ein bisschen an Minas Tirith haehae ;)

Fortsetzung folgt. Naechste Folge: Bogota

Dienstag, 18. Januar 2011

Ach wie schoen ist Panama...

Am Flughafen in Panama City angekommen, nehmen wir einen der buntbemalten Busse (die Fahrt kostet $0,25, selbst sollte sie 2 Stunden dauern) in das historische Stadtviertel Casco Viejo, wo unser Hostel der Wahl liegt.
Kaum aus dem Bus ausgestiegen und einige Schritte in die scheinbar richtige Richtung getan, kommen uns auf der Strasse voellig aufgeregte Menschen hinterhergelaufen, "Dreht sofort um, nein, nicht hierher, es ist gefaehrlich!" Ihre Eindringlichkeit und ihre geweiteten Augen verraten uns, dass wir in einer wirklich gefaehrlichen Ecke sein muessen, und uns wird ein bisschen mulmig. Ein kleiner alter Mann begleitet uns weiter, bis er uns sicher waehnt.
Kein guter Anfang fuer uns und Panama City. Ploetzlich vermisse ich das so bekannte und gewohnte Costa Rica, in dem wir uns schon so sicher und zu Hause gefuehlt haben, weil wir Land, Leute und Staedte kannten.
Schon am naechsten Tag fuehlen wir uns viel sicherer und machen uns auf, die Stadt ein bisschen kennenzulernen. Entgegen all unserer (ignoranten) Erwartungen ist die Stadt ein Steuerparadies und (somit) das groesste Finanzzentrum Zentralamerikas mit einer ziemlich beeindruckenden Skyline und einer sehr kosmopolitischen Ausstrahlung. Doch zwischen Einkaufszentren und Hochhaeusern sieht man Frauen in ihren traditionellen Gewaendern ein- und ausgehen: Bunte Stoffe mit typisch panamanischen Mustern, die zu knielangen Roecken gebunden werden, kombiniert mit einer Art Fussbaendern, die aber fast die gesamten Unterschenkel bedecken. Sie strahlen eine gewisse Weisheit aus, auch wenn sie zum Teil noch sehr jung sind, und es faellt manchmal wirklich schwer, nicht zu starren - sie sind wirklich schoen, faszinierend. Die Maenner an ihren Seiten dagegen tragen Jeans und T-Shirts. Eine merkwuerdige Kombination.

Casco Viejo mit seinen alten, zum Grossteil baufaelligen Kolonialbauten ist auf eine raue, alte Art und Weise sehr schoen, und es macht Spass, in die Tueroeffnungen der Ruinen zu schauen und sich vorzustellen, was dort wohl fuer ein Leben stattgefunden hat, bevor sie mit Efeu und diversen Straeuchern bevoelkert wurden.
Trotzdem bleibt immer ein kleiner Nervenkitzel, wenn man sich an die Raender dieses Viertels bewegt, an das der gefaehrlichste Teil Panama Citys grenzt (mit dem wir ja schon gleich zu Anfang Bekanntschaft gemacht haben).

Unser Plan, von der Kueste Panamas nach Kolumbien zu segeln, scheitert an den Wetterbedingungen, die den Atlantik im Januar zu einer ziemlich aufgewirbelten Menge Wasser macht, und an unserer Angst, zwei oder mehr Tage unseres Lebens kotzend zu verbringen. Also fliegen wir.

Montag, 17. Januar 2011

Goodbye, farewell...

Ein letztes Mal machen wir uns mit unserem Fortbewegeungsmittel - "en rey", also trampend - auf den Weg nach Montezuma: Ein winzig kleines Dorf an der Costa Ricanischen Pazifikkueste, das wegen der es umgebenden Berge trotz der Touristenstuerme seit Jahren nicht gewachsen ist. Wer sich jetzt einen typischen Ferienort mit riesigen Hotelanlagen vorstellt, liegt aber falsch. Montezuma mit seinen kleinen, gemuetlichen Hotels und vegetarianischen Restaurants, in denen manchmal auch Yogastunden angeboten werden, hat einen sehr eigenen, aber einnehmenden Charme. Zwischen eher wenigen Pauschaltouristen findet man viele Einheimische, aber vor allem Reisende, die dort fuer eine Zeit haengenbleiben, um Strand und Sonne und die entspannte Atmosphaere zu geniessen.

Wir richten uns mit unserem kleinen, schon ziemlich ramponierten Zelt direkt am Strand ein - so muessen wir nichts zahlen, koennen aber trotzdem Toiletten und Duschen vom Campingplatz mitbenutzen (obwohl sich dessen Besitzer dieser Situation sicher nicht allzu sehr erfreuen wird ;)
Die zwei Tage bis Silvester vergehen schnell, unsere Haut gleicht sich mehr und mehr der der Einheimischen an und wir werden Profis im Wellenreiten.
Bei einem kleinen Trip zu einem traumhaften Wasserfall in der Naehe ueberwinde ich meine Angst und springe tatsaechlich von einem ueber zehn Meter hohen Wasserfall in das Becken darunter! Wahrscheinlich sollte ich das Folgende aus Selbstschutz lieber nicht erwaehnen, aber wo bliebe da der Spass... Also, das Problem ist schliesslich, dass ich, wahrscheinlich aufgrund fehlender vorhergehender Uebung im Hohe-Sachen-runterspringen, ein wenig sehr falsch im Wasser aufgekommen bin. Jeder der mit der Tendenz meiner Haut, sehr leicht blaue Flecken zu erzeugen, vertraut ist, kann sich die schweren Folgen vorstellen: Fuer die naechste Woche muss man mich fuer eine bemitleidenswerte Frau gehalten haben, die man gnadenlos verpruegelt hat. Nicht schwer zu erahnen, dass ich aber zumindest von meinen Freunden kein Mitleid, sondern vielmehr Spott zu erwarten hatte - ich war also tagelang der Grund fuer ausgedehnte Lachanfaelle.

An Silvester selbst beginnen wir den Abend gemuetlich mit einem Lagerfeuer am Strand, mit gegrillten Sandwiches und gutem Rum.
Spaeter mischen wir uns unters Volk, das auf der Strasse zu Trommelmusik tanzend auf den Jahreswechsel hinarbeitet.
Francesca und ich machen uns einen Spass daraus, am Strassenrand die Leute zu beobachten, eine der interessantesten Angelegenheiten in einem Dorf, in dem sich Alternative mit Gringos mit urlaubenden Einheimischen mischen.
Am naechsten Morgen verlassen wir Montezuma und Costa Rica, unser Zuhause fuer drei Monate - ein bisschen komisch ist es schon, und vor allem der Abschied von den Leuten faellt nicht leicht. Ich werde es vermissen.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Neue Blickwinkel

Freitagmorgen, und es soll endlich losgehen in den Urlaub. Zu viert machen wir uns auf, der Plan: Von San Isidro bis an die Grenze zu Nicaragua trampen – also einmal fast ganz Costa Rica durchqueren. Kaum an der Strasse, werden wir sofort von einem Amerikaner, einem „Gringo“ mitgenommen, der auf der Suche nach billigem Grund und Boden durch Costa Rica faehrt, um es sich leisten zu koennen, frueh in Rente zu gehen. Er gehoert damit zu etlichen anderen Amerikanern, die sich Costa Rica wegen der billigeren Lebenshaltungskosten und trotzdem recht westlichen Kultur und Infrastruktur als Alterswohnsitz aussuchen.
Fuer den Rest der Strecke nach San Jose und weiter Richtung Norden teilen wir uns auf, und jeweils zu zweit geht es nach nur wenigen Minuten weiter, in unterschiedlich grossen Teilstrecken, mal mit 60, mal nur mit 35, aber eins bleibt gleich: Es sind immer die Trucker, die anhalten und uns mitnehmen, einer auf dem Beifahrersitz, der andere auf dem Bett dahinter. Die Fahrt dauert lange, denn die Trucks sind langsam, aber dafuer bekommt man viel mit bei halb geschrienen Unterhaltungen zwischen Fahrtwind und Kauderwelsch. Es macht Spass, mit den Leuten zu reden, sie erzaehlen viel von ihrem Beruf und sind neugierig auf unsere Plaene. Von unserem Ziel Nicaragua halten einige nicht viel. Es scheint, als behalte der Reisefuehrer Recht, wenn es um die gegenseitige Abneigung der beiden Laender geht.
Als wir aus einem Truck aussteigen, verschwindet der Fahrer kurz – und kommt mit zwei Ananas aus der Ladung wieder. Zusaetzlich zu der kostenlosen Fahrt kriegen wir jetzt auch noch Geschenke. Langsam gehen uns die Dankesformeln aus 
Nach einer Nacht in Liberia gehts frueh weiter, wieder in zwei Trucks. Beobachtet man die vorbeiziehende Landschaft aus dem Fenster, kann man kaum glauben, dass diese mal Savannenartige, mal fast mediterrane Landschaft nur 300 km von den feuchten, nebligen Regenwaeldern aus Sued Costa Rica enfernt ist. Es ist heiss und trocken, und wir koennen unser Glueck kaum fassen, endlich dem Regenwetter entkommen zu sein.
In der kilometerlangen LKW-Schlange vor der Grenze treffen wir uns wieder. Die drei oder vier Kilometer zur Grenze laufen wir, aber nicht ohne vorher noch bei dem ein oder anderen Fahrer ein Paeuschen einzulegen. Viele von ihnen haben Haengematten unter die Anhaenger gehaengt. Dort im Schatten und einer kleinen Brise laesst es sich gut aushalten.
Die Grenze ist eine ziemlich chaotische Ansammlung von Gebaeuden und Staub, und bis wir den nicaraguanischen Stempel endlich haben, vergehen einige Stunden.
Kaum ein paar hundert Meter fuehlen wir uns zum ersten Mal, als waeren wir wirklich in Lateinamerika. Zwischen den schreienden und rufenden Busfahrern, die wie eine haengengebliebene Schallplatte immer und immer wieder den Namen der Staedte bruellen und uns in die Busse winken, versuchen wir herauszufinden, welchen Bus und zu welchem Preis sich zu nehmen lohnt. Diese lebendige Lautstaerke sind wir aus Costa Rica nicht gewohnt, aber sie passt zu den Bildern, den Vorstellungen, die wir von Zentral- und Suedamerika im Kopf haben. Es gefaellt uns, dieses chaotische, bunte, laute und lebenslustige Treiben, weil es so viel authentischer erscheint, weil es einfach hierher passt. Aber vielleicht ist das auch nur das, was wir Europaer sehen wollen, wenn wir in diesem Teil der Welt sind…
In Granada angekommen, sind wir sofort ziemlich beeindruckt. Es ist eine alte Kolonialstadt durch und durch, mit bunten Hauswaenden und hohen, breiten Tueren, durch die man durch die langen, hohen Raeume in traumhafte gruene Hinterhoefe hineinsehen kann.
Hier ist das meiste mit viel Geld renoviert worden, von Nicaraguas Armut ist nicht viel zu sehen. Anders in Masaya, unserem naechsten Ziel. Die Muellberge in den Fluessen und an Strassenraendern, die vielen Armenviertel und die Information, die wir von einem anderen Freiwilligen kriegen, naemlich dass hier 60% der Einwohner arbeitslos sind, sprechen fuer sich. Trotzdem ist es eine angenehme Stadt, weil sie so unangestrengt authentisch ist. Auch hier tragen viele Frauen noch die traditionellen weissen Schuerzen mit bunten Spitzen. Aber was uns am meisten begeistert, ist der riesige, taegliche Markt am Rande der Stadt. Nicht jener, der offenbar einzig fuer die Touristen gemacht ist und auf dem man kaum eine Menschenseele sieht ausser den gelangweilten Verkaeufern. Nein, der Markt, auf dem die Einheimischen – die Nicos und NIcas – ihre taeglichen Einkaeufe erledigen.
Fast drei Stunden laufen wir durch den Markt, lassen uns treiben, und trotzdem bin ich mir sicher, noch immer nicht den groessten Teil gesehen zu haben. Von Reis in verschiedenen Preis- und Qualitaetsklassen ueber verschiedenste Sorten von roten, schwarzen und weissen Bohnen ueber jegliche Arten von Fruechten und Gewuerzen, Gemuese, Baumaterialien, Artesania, Kuechenmaterialien und Suessigkeiten gibt es alles. Vor allem der Fleisch- und Fischsektor ist ein sehr sinnliches Erlebnis und treibt uns ganz schnell in weniger geruchsintensive Gefilde. Natuerlich verbringen wir den groessten Teil unserer Zeit in der Artesania Ecke. Alles ist ein kunterbuntes Ganzes aus Taschen und Haengematten in farbenfrohen Mustern, die von der Decke und an den Seiten der Gaenge haengen; es gibt Armbaender und Ohrringe en masses, und die Portemonnaies aus schoenem Leder haben es uns besonders angetan.
Viel zu schnell vergeht die Woche Urlaub, und wir sind alle etwas gedrueckt, schon wieder zurueck ins ihre Hilfsbereitschaft. Wir werden von einem arbeitslosen kalte und nasse San Isidro fahren zu muessen, zumal uns Nicaragua so gut gefallen hat, viel besser als Costa Rica.
Aber das naechste Wochenende verbringen wir in San Jose, und mal wieder aendert sich das Bild dieser Stadt. Schoen ist sie immernoch nicht, aber wir stellen fest, dass es eine Menge sehr cooler Leute gibt. Wir feiern auf den Strassen, es wird Gitarre gespielt und gesungen, spaeter kommt sogar eine Trompete dazu. Es sind Ticos dort, und Leute aus Venezuela, Japan, natuerlich wir Deutschen und Oesterreicher, und jeder unterhaelt sich mit jedem.
Es ist eine Superstimmung.


Dienstag, 9. November 2010

Regen

Der November beginnt mit Regen - und zwar ununterbrochenem, stroemenden Weltuntergangs-Naturkatastrophen-Regen. Es will gar niucht mehr aufhoeren, vier Tage und Naechte regnet es durch, ohne Unterbrechung. Und obwohl ich sonst gerne uebertreibe, wenn ich ununterbrochen sage, dann meine ich es. Leicht vorzustellen ist die immense Feuchtigkeit in der Luft, die alles, auch drinnen, fast nass werden laesst, ohne mit einem Tropfen Regen in Beruehrung gekommen zu sein. Ein Blick in die Schublade offenbart: Unsere Reisepaesse schimmeln! Ein seltsamer, irgendwie beuunruhigender Anblick.
Leicht vorzustellen ist auch, was dieses Wetter mit den nur halbwegs befestigten Huetten aus Wellblech, Brettern und Tuechern macht. Vieles wiurd einfach weggespuelt, und wenn nicht das, dann doch wenigstens bis aufs Innerste durchnaesst.
Auch wir sind bald mit dem Paradoxon schlechthin konfrontiert: Waehrend draussen die Sintflut imitiert  wird, ist dem Wasserhahn kein einziger Tropfen zu entlocken. Das zu verstehen, faellt schwer, aber die Einzelhaendler freuen sich - sie lassen die Preise fuer Wasser in Flaschen und Kanistern prompt steigen.

Es fahren keine Busse mehr, die Strassen sind von Erdrutschen und Schlamm unpassierbar gemacht. Die Folge: Fuer fast eine Woche koennen viele hier nicht zur Arbeit. Auch fuer uns faellt alles aus, allerdings mit dem UNterschied, dass wir unser Essen trotzdem noch bezahlen koennen. Denn  wo es vorher schon an Allem mangelte, fehlt jetzt auch das letzte Geld fuer Reis und BOhnen.
Wer Pech hat, verliert ausser seinem Haus und all seinem Hab und Gut nun auch noch die Moeglichkeit, Essen zu kaufen. Und nicht nur das: In ganz Costa Rica sind fast 50 Tote aufgrund der Regenfaelle verzeichnet. In San Isidro selbst ist es nicht allzu schlimm - zumindest gibt es wohl keine Toten.

Wir sitzen auf unseren paar zumindest halbwegs trockenen Quadratmetern und ueberlegen uns, wie wir helfen koennen. Schnell wird uns klar: Wir haben weder Geld noch andere MIttel dafuer. Es fehlen Transportmoeglichkeiten, Baumaterialien, Wasserkanister und vieles mehr.
Letztlich sind wir zum Nichtstum verbannt - ein ungutes Gefuehl, und es draengt sich die unschoene Frage auf, was wir denn hier eigentlich machen, wenn noch nicht einmal die Grundbeduerfnisse vieler Menschen gedeckt sind? Ein bisschen Zirkus-Training?

Aber diese Phase der Bitterkeit geht vorbei, der Regen hoert auf, das Leben nimmt wieder seinen Lauf. Ja, so fuehlt es sich wirklich an, als haette fuer diese paar Tage das Leben stillgestanden.
Jetzt hat es fuer drei Tage gar nicht geregnet, und wir planen unseren Urlaub: Eine Woche in Nicaragua, und auf dem Rueckweg eine Nationalparktour im Norden Costa Ricas mit Bungee-Sprung.
Ich kann es kaum erwarten, mal wieder meinen Rucksack zu packen und loszuziehen!!!